Handelsblatt

  • Weltgeschichte: Von der Plage zum Wirtschaftsfaktor: Die Geschichte der Hunde in Istanbul
    Istanbul Hunde gehören zum Istanbuler Stadtbild dazu. (Foto:& Imago/Westend61) Wer nach Istanbul reist und in der Innenstadt angekommen ist, mag denken: Diese Stadt hat ein Hundeproblem. Überall laufen die Vierbeiner herum oder liegen am Straßenrand in den Gassen, bevölkern Parks und Parkplätze.Die Hunde spielten in der Geschichte der Stadt allerdings eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt für die Wirtschaft. Wer eine Lederjacke „Made in Turkey“ besitzt, der darf sich sicher sein, ein hochwertiges Produkt zu tragen – und muss beim Lesen dieser Weltgeschichte nun ein wenig tapfer sein.Groben Schätzungen zufolge leben bis zu 200.000 Hunde in der Stadt. Das entspricht fast der Einwohnerzahl Freiburgs. Sie bevölkern die Wälder am Stadtrand, noch häufiger aber sind sie in den innerstädtischen Stadtvierteln vorzufinden. Die meisten stammen von der Rasse des anatolischen Hirtenhundes ab, der seit 2018 Kangal-Hirtenhund genannt wird, und kann bis zu 80 Kilo schwer werden. Wenn man in einer kleinen Gasse in den Innenstadtvierteln Beyoglu, Fatih oder Kasimpasa von so einem Hund angebellt wird, dann wird einem schon mal anders.Mit der Geschichte von Istanbuls Hunden beschäftigen sich sogar Wissenschaftler. Historiker glauben, die Tiere seien mit dem osmanischen Feldherrn und Eroberer Anatoliens, Mehmed dem Zweiten, im 15. Jahrhundert in die Stadt gekommen. Für bis zu drei Jahrhunderte hielten die Menschen der Stadt Hunde als Haustiere und Wachhunde. Selbst die lokalen Sicherheitskräfte haben Aufzeichnungen zufolge Hunde eingesetzt, um ganze Viertel zu bewachen. Insel des UnheilsAls die Modernisierung in Europa begann, galten Hunde plötzlich als nicht westlich und eher als Zeichen der Armut. Sie wurden nicht mehr gebraucht und nicht mehr gefüttert, häufig sogar misshandelt. Als Mark Twain 1897 Konstantinopel, so hieß Istanbul damals, besuchte, vermerkte er in seinem Tagebuch, er habe noch nie „derart traurige Tiere“ gesehen.1911, im ausgehenden Osmanischen Reich, ordnete Sultan Mehmet der Fünfte an, alle Hunde der Stadt auf die nahegelegene Insel Sivriada im Marmarameer zu bringen, wo sie verhungern sollten. Angeblich sei dies ein Versuch gewesen, die Stadt westlicher zu machen. Schon bei der Schiffsüberfahrt seien hunderte verendet.Berichten zufolge hätten die Tiere auf der rund 10 Kilometer vom Festland entfernten Insel nachts derart laut gebellt, dass die Bewohner der Stadt nicht schlafen konnten. Schlussendlich starben alle 80.000 Tiere. Meist durch Hunger oder Ertrinken, und ein Erdbeben wenige Tage nach der Deportation tötete den Rest.Die Bewohner sahen das Beben als Strafe Gottes für die Menschen an, die die Hunde verbannt hatten. Seitdem heißt die Insel im Volksmund „Hayirsizada“ – Insel des Unheils. Und die Hunde waren plötzlich nicht mehr die Schuldigen, sondern Opfer. Die wenigen in der Stadt verbliebenen Vierbeiner wurden wieder aufgenommen – und entwickelten sich schon bald zum elementaren Glied in der Produktionskette einer damals aufstrebenden Industrie. Istanbul gilt seit den 1950er Jahren als Zentrum der verarbeitenden Textilindustrie des Landes, dazu zählt vor allem auch die Verarbeitung von Leder. Und um die frisch gegerbten Stoffen widerstandsfähiger zu machen, wurden sie früher eingerieben – und zwar mit Hundekot. Bestimmte Enzyme darin verhinderten, dass sich das Leder zu schnell abnutzte. Mit der speziellen Behandlung blieb es weich und widerstandsfähig.„Bringst du etwa Hundemist zur Gerberei?“Mitarbeiter der Gerbereien fütterten seitdem die Straßenhunde, damit sie sich in der Nähe der Fabrik aufhielten. Je frischer, desto besser. Es gab daher sogar ganze Hundefarmen und Lieferketten, um den Bio-Dünger möglichst schnell anzuliefern. Noch heute nutzen Istanbuler ein bestimmtes Sprichwort für Menschen, die es besonders eilig haben: „Bringst du etwa Hundemist zur Gerberei?“Die Industrie nutzt inzwischen synthetische Stoffe, die Hunde sind trotzdem geblieben. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das bald ändert.Und so sind die Tiere zu einem Teil der Stadt geworden. Zwischen 2004 und 2018 sind in der ganzen Türkei 1,2 Millionen Hunde kastriert und 1,5 Millionen geimpft worden. Entweder auf Kosten der Stadtverwaltung, oder durch Spenden. Klar ist: Die Tiere bleiben. In einem Land, das gesellschaftlich seit Jahrzehnten gespalten ist, sind die Hunde eine der wenigen sozialen Konstanten im Land geworden. Fast jeder mag sie. Als die Stadtverwaltung 2014 hunderte Hunde in der Stadt einfangen und in den umliegenden Wäldern aussetzen wollte, gab es Dutzende Proteste. Letztlich gewann die Zivilbevölkerung – und die Hunde. Vor allem in den besseren Vierteln wie Yeniköy oder Nisantasi sieht man an fast jeder Straßenecke Hundehütten. Metzger verteilen Tierknochen an die Streuner, bei einem Unwetter lassen manche Ladenbesitzer die Vierbeiner ins Geschäft.Ahmet Senpolat, der die Türkische Gesellschaft für Tierrechte (Haytap) leitet, nennt die städtischen Vierbeiner „soziale Tiere“, nicht zuletzt, weil sie sich inzwischen so an das Leben auf dem Asphalt und zwischen den Hochhäusern angepasst hätten.Zu einer gewissen Berühmtheit hat es ein Hund im Stadtteil Besiktas gebracht. Er hält sich meist in der Nähe einer großen Verkehrskreuzung auf. Wenn er die Straße überqueren will, wartet der Hund, bis die Ampel grün leuchtet. Bis dahin wartet er geduldig – anders als ein Großteil der Menschen, die die Straße überqueren. Sie haben es offenbar eilig – oder müssen etwas ganz Wichtiges zur Gerberei transportieren.Mehr: So läuft der Ramadan in der Millionenmetropole Istanbul ab. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Ozan Demircan
  • G20-Finanzminister: Scholz und seine Amtskollegen suchen globale Steuergerechtigkeit
    America first – das gilt für die USA auch in der Steuerpolitik. „Wenn sich alle unserem Vorschlag anschließen, kommen wir schnell zu einer Einigung“, scherzt US-Finanzminister Steven Mnuchin bei den Beratungen der G20-Gruppe in Riad im Kreise seiner Kollegen. Dann aber räumt auch Mnuchin ein, dass „wir ein verbindliches Steuersystem in einer globalisierten Ökonomie brauchen“ und „steuerliche Verlässlichkeit“. Aber vehement wehrt sich der Mann aus Washington gegen eine Digitalsteuer, die nur US-Internetkonzerne wie Google, Amazon, Facebook oder Apple (GAFA) träfe.Mnuchin und seine Kollegen versuchen am Rande des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten in Riad, eine globale Mindestbesteuerung und eine Digitalsteuer auf das Gleis zu setzen. Bisher gibt es erhebliche Widerstände, aber in der saudischen Hauptstadt betonten alle G20-Länder eine Annäherung.Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der seit Jahren eine globale Mindestbesteuerung vorantreibt, sitzt dabei zwischen den Polen: Mnuchin zu seiner Rechten und die indische Ressortchefin Nirmala Sitharaman zu seiner Linken. Mit Blick auf den US-Minister verlangt er „Leadership“ für einen weltweiten Steuerkompromiss noch in diesem Jahr. Bevorstehende Wahlen wie die zum amerikanischen Präsidenten im November dürften nicht zu weiteren Verzögerungen führen.Indien indes führt einen Block von 24 Schwellenländern an, die deutlich mehr  vom Steuerkuchen abhaben wollen. Sie verlangen, dass global operierende Firmen, die in China, Indien oder Vietnam produzieren, die Gewinne nicht zu dem heimatlichen Zentralen oder gar in Steueroasen auf Sonneninseln verschieben. Ein „Erfolg“ sei, dass im Rahmen der G20 über den Plan der globalen Mindestbesteuerung gesprochen wurde, das sei „alles andere als selbstverständlich“, betonte Scholz. Er sei „verhalten zuversichtlich“, dass es in diesem Jahr zu einer Lösung komme. Das sei auch für Unternehmen ein Fortschritt, denn sie bräuchten Sicherheit, wenn sie an ihren Produktionsorten Steuern abführten, nicht nochmals zwei oder drei Mal für dasselbe bezahlen zu müssen. Im Juli in Berlin solle im Rahmen der OECD ein wesentlicher Durchbruch für die Jahrhundertsteuerreform genannte globale Mindestbesteuerung für Unternehmen erzielt werden, sagte der SPD-Politiker am Samstag in Riad. Sonst käme es künftig zu erheblichen zwischenstaatlichen Steuerkonflikten.12,5 Prozent Mindeststeuer für UnternehmenFrankreichs Finanzminister Bruno LeMaire schlug in Riad 12,5 Prozent als globalen Mindeststeuersatz vor. Das würde nach Berechnungen der OECD weltweit Steuermehreinnahmen von 100 Milliarden Euro bringen, oder vier Prozent der weltweit gezahlten Körperschaftssteuern. Scholz unterstrich, dass Mindeststeuer und eine geplante Digitalsteuer dringend noch in diesem Jahr kommen müssten. Sonst würden Frankreich, Großbritannien, Spanien, Österreich, Portugal und andere Staaten eigenständig Digitalabgaben erheben und so ein steuerpolitischer Flickenteppich entstehen.„Wenn jetzt nicht gehandelt wird, würde dies zu willkürlichen Ergebnissen führen und die Fragmentierung des globalen Steuersystems noch verstärken“, schrieb Scholz auch in Zeitungsbeiträgen für europäische Blätter zusammen mit Ministerkollegen aus Frankreich, Italien und Spanien. Würden weiter durch global operierende Konzerne Gewinne in Steueroasen verschoben, fehle das Geld für den Bau von Schulen, Krankenhäusern und moderner Infrastruktur. So erodiere „die Legitimation des Staates und unsere demokratischen Werte“.Skurril ist die Diskussion in einem Land wie Saudi-Arabien, in dem es keine Einkommenssteuer gibt und das erst seit 2018 eine gerade einmal fünf-prozentige Mehrwertsteuer sowie Körperschaftssteuern von 20 Prozent erhebt. Aber Riad wurde 2017 für die diesjährige Präsidentschaft der G20-Staatengruppe, die 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts verkörpert, ausgewählt. Gegen „eine Kakophonie bilateraler Abkommen“, sprach sich OECD-Generalsekretär Ángel Gurría aus. Der „einzige Weg nach vorn ist der des Multilateralismus“, kritisierte er ohne Donald Trumps Namen zu nennen den US-Versuch, immer mehr „Deals“, also Einzelverträge, zu schließen. Die Welt brauche klare globale Steuerregeln. Auch Saudi-Arabiens Finanzminister Mohammed Al-Jadaan kritisierte den Wildwuchs von mehr als 6000 Doppelbesteuerungsabkommen.USA gegen DigitalsteuerDie USA, die eine Mindestbesteuerung unterstützen, lehnen eine Digitalsteuer ab und drohen mit Strafzöllen. Denn nach Washingtons Lesart würden nur US-Firmen wie Google, Amazon, Facebook und Apple getroffen. Vor allem die Europäer aber monieren, dass die Unternehmen, die ihre Umsätze und Gewinne im Ausland erzielen, dort keinerlei Steuern zahlten.Die Digitalsteuer sollen nur Firmen bezahlen, die mehr als 750 Millionen Umsatz machen, Geld mit Endkunden über digitale Plattformen ohne stationären Handel verdienen und deutlich überdurchschnittliche Umsatzrenditen erwirtschaften. Neben den bekannten amerikanischen GAFA würde dies auch auf chinesische Internethändler wie Alibaba, JD.com oder Streamingfirmen zutreffen. „Unsere Bürger sind nicht mehr bereit, Steuern zu zahlen, wenn die profitabelsten Konzerne der Welt sich ihrem fairen Anteil entziehen“, unterstrich LeMaire.Scholz und seine indische Kollegin Sitharaman betonten zudem, dass eine faire Steuerbeteiligung digitaler Konzerne „einen positiveren Blick der Bürger auf die Globalisierung“ brächte.Immerhin hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg auch bereits unterstrichen, dass er für eine globale gemeinsame Lösung sei. Er hoffe, so Zuckerberg vor einer Woche auf der Münchner Sicherheitskonferenz, auf ein „in Zukunft stabiles und verlässliches System“. Und akzeptiere, „dass dies heißen könnte, dass wir mehr Steuern zahlen müssen“. Mehr: Saudi-Arabien will mit seiner G20-Präsidentschaft glänzen. Bei dem Treffen beraten die Staaten über eine Mindestbesteuerung und über eine Einführung einer globalen Digitalsteuer.Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Mathias Brüggmann
  • Thüringen: Ziemiak gegen Wahl eines linken Landesregierungschefs mit CDU-Hilfe
    Paul Ziemiak Der CDU-Generalsekretär besteht auf dem Kooperationsverbot mit der Linken. (Foto:& dpa) Die Bundes-CDU lehnt nach den Worten von Generalsekretär Paul Ziemiak die Wahl eines linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in Thüringen mit Hilfe der CDU ab. Wer von der CDU Ramelow wähle, verstoße gegen die Beschlüsse der CDU, sagte Ziemiak am Samstag in Iserlohn.Am Freitagabend hatte der frühere thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bekanntgegeben, dass sich Linke, SPD und Grüne mit der CDU auf eine Ministerpräsidentenwahl am 4. März geeinigt haben. Dabei soll erneut Ramelow für die Linke ins Rennen gehen, wie Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow ankündigte. Am 25. April 2021 soll das Parlament zudem neu gewählt werden. Details darüber, wie eine absolute Mehrheit für Ramelow organisiert werden soll, dessen rot-rot-grünem Bündnis vier Stimmen zur Parlamentsmehrheit fehlen, nannten die Parteien am Freitagabend nicht. Am Samstag wurde dann bekannt, dass die CDU-Landtagsfraktion Ramelow nicht aktiv mitwählen will – auch wenn die Parlamentarier dem erzielten Kompromiss mehrheitlich zustimmen. „Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag nimmt das gestrige Verhandlungsergebnis mehrheitlich zustimmend zur Kenntnis“, twitterte die CDU am Samstag. Mit Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer sei besprochen, dass sich die Fraktion stabilen Verhältnissen nicht verweigere und Angebote von anderen für eine stabile Situation annehmen werde. „Daran fühlen wir uns gebunden.“ Thüringen steckt seit mehr als zwei Wochen in einer Regierungskrise, seit der FDP-Politiker Thomas Kemmerich am 5. Februar mit Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Kemmerichs Wahl löste ein politisches Beben und bundesweite Empörung aus. Der 55-Jährige trat drei Tage nach seiner Wahl zurück und ist seitdem geschäftsführend im Amt – ohne Minister benannt zu haben. Ramelow sagte, dieser Zustand sei unerträglich. „Wir brauchen eine handlungsfähige Regierung.“ Man habe mit der CDU nun einen „Stabilitätsmechanismus“ vereinbart. Damit solle unter anderem verhindert werden, dass die AfD bei Abstimmungen zum Mehrheitsbeschaffer werde. Es sei ein Weg der Demokraten gefunden worden, die Krise, die andere verschuldet hätten, zu beheben.Ebenfalls Kritik von Schäuble und AlthusmannEin Wahl-Szenario könnte so aussehen, dass nicht die CDU-Fraktion eine Zusage für Ramelows Wahl abgibt, sondern nur eine Gruppe von CDU-Abgeordneten, die namentlich aber nicht genannt werden sollen. Mindestens vier Stimmen aus Reihen der CDU wären für eine Mehrheit nötig.Damit könnte der Beschluss der Bundespartei, keine Kooperation mit der Linken oder der AfD einzugehen, auf die Thüringer Verhältnisse angepasst werden. Mehr Spielraum bei der Umsetzung des Unvereinbarkeitsbeschlusses hatten in den vergangenen Tagen mehrere CDU-Politiker verlangt, darunter Thüringens Ex-Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht und Dieter Althaus sowie Fraktions- und Parteichef Mike Mohring.Bereits vor Paul Ziemiak äußerten sich andere CDU-Politiker kritisch in Bezug auf eine mögliche Wahl Ramelows durch CDU-Abgeordnete. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble lehnte eine Zusammenarbeit ab. „Die Linkspartei ist rechtlich noch die alte SED. Wir hatten und haben Kollegen im Bundestag die Opfer der Stasi gewesen sind“, sagte der CDU-Politiker im Interview mit dem Handelsblatt. Der Kampf gegen den Kommunismus sei ein Teil der CDU. Niedersachsen CDU-Chef mahnte, die CDU dürfe ihre klare Haltung nicht aus „taktischen Gründen“ aufgeben. Wir wählen keinen Linken zum Ministerpräsidenten“, sagte Althusmann der „Welt am Sonntag“. „Nicht in Thüringen und auch nirgendwo sonst. Das gilt und das muss auch weiterhin gelten.“ Mehr: Kann die FDP das Thüringen-Fiasko überwinden? Porträt einer verunsicherten Partei. dpa rtr nih Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020
  • Asien: Warum das Coronavirus die japanische Wirtschaft so schlagartig verändert
    Coronavirus in Japan Das Land hat seine bisher schon übliche Vorbeugung in den letzten Wochen noch einmal drastisch gesteigert. (Foto:& dpa) In Japan hat die Coronavirus-Epidemie anscheinend ein willkommenes Opfer gefordert: die Grippe-Saison. In der vergangenen Februar-Woche haben sich 60 Prozent weniger Menschen mit dem viralen Massenmörder infiziert als ein Jahr zuvor, meldet Japans Gesundheitsministerium. Die Nachrichtenagentur Kyodo spekulierte prompt, dass dies „der Angst der Öffentlichkeit vor dem neuen tödlichen Coronavirus“ zu verdanken sei. Tatsächlich hat das Land seine bisher schon übliche Vorbeugung in den letzten Wochen noch einmal drastisch gesteigert. Schon seit Jahren tragen Japaner in Bahnen Masken, um sich selbst zu schützen und vor allem eigene Viren nicht zu verstreuen. Zudem laden in vielen Gebäudelobbys, Büros, Restaurants und Geschäften Alkoholspender zum Desinfizieren der Hände ein. Doch nun tragen auch die Unternehmen und Behörden mit radikalen Maßnahmen und Veränderungen der Arbeitskultur dazu bei, die Möglichkeit zu Ansteckungen massiv zu senken. Denn inzwischen schwingt im ganzen Land die Angst mit, dass die olympischen Sommerspiele von Tokio in eine andere Stadt verlegt werden könnten. „Ich sorge mich, dass Athleten aus anderen Ländern nicht kommen wollen, wenn sich die Lage in Japan verschlechtert“, sagt Musashi Imon, ein Angestellter der Tokioter Börse. Auch der japanische Virologe Hitoshi Oshitani von der Tohoku japanische Virologen will das Horrorszenario nicht ausschließen, das Japan ohne Erträge auf Milliardeninvestitionen sitzen bleiben könnte. Noch übt er sich allerdings in Zuversicht. „Wahrscheinlich werden wir im Juli keine großen Ausbrüche haben“, meint er. Denn die Regierung, die Unternehmen und die Bevölkerung greifen die möglichen Infektionswege des Coronavirus wirklich auf breiter Front an.Selbst Pressekonferenzen werden abgesagt Die Stadt Tokio lässt beim jährlichen Massenmarathon nur noch professionelle Läufer an den Start. Messen wie die Foto-Ausstellung CP+ werden eine nach der anderen gestrichen. Die Tokyo Game Show ersetzte am Freitag ihre Auftaktpressekonferenz für die Spielemesse im September durch eine dürre Pressenotiz, Nissan das Event für seinen erneuerten Minivan Roox durch eine Live-Übertragung im Internet.Auch intern greifen die Firmen durch: Eine Managerin eines Wertpapierhauses wurde nach der Rückkehr aus China für 14 Tage nach Hause geschickt, um dort die Inkubationszeit auszusitzen. „Ich habe mir dann ein Notebook eines Kollegen geliehen und von meiner Wohnung aus gearbeitet“, erzählt sie. Nur zum Einkaufen sei sie jeweils kurz nach draußen gegangen. Als Ersatz für ihre Dauerläufe am nahen Fluss kaufte sie sich ein Trainingsrad für die Wohnung. Nun arbeitet sie wieder in der Firma. Doch das Arbeitsklima hat sich schlagartig verändert. Die traditionelle Morgenkonferenz des Teams findet plötzlich digital statt. Der vortragende Mitarbeiter sitzt nun allein im Konferenzzimmer, der Rest wählt sich von den Arbeitsplätzen ein, meist mit Masken auf dem Gesicht. Der Atemschutz wurde sogar zu einem Werbegeschenk an die Schalterkunden des Brokers aufgewertet. Und die Masken dürften dankbar angenommen werden, denn in Drogerien sind sie inzwischen meist ausverkauft und werden – wenn vorrätig – nur rationiert abgegeben. Telearbeit wird zum viralen HitDer Broker ist damit Teil einer nationalen Massenbewegung. Selbstquarantäne für China-Rückkehrer ist weit verbreitet, China-Reisen werden meist gestrichen. Und viele Unternehmen, die bisher auf die Anwesenheit ihrer Mitarbeiter großen Wert legten, ermutigen die Belegschaft plötzlich dazu, von zuhause aus zu arbeiten. Toyota beispielsweise veröffentlichte am 18. Februar eine umfassende Leitlinie, die sich für Japan wie ein Aufruf zu einer Kulturrevolution liest. Die Mitarbeiter sollen flexible Arbeitszeiten nutzen oder von zu Hause aus arbeiten, um Menschenansammlungen in vollgestopften Zügen zur Rushhour zu vermeiden. Unwichtige Geschäftstreffen und Seminare sollten gestrichen, interne Meetings verschoben oder durch Videokonferenzen ersetzt werden.  Noch ist offen, ob die Telearbeit vom politischen Slogan der Regierung tatsächlich zu einem dauerhaften viralen Hit wird. Ausgeschlossen ist es nicht. Immerhin nutzt die Regierung die Virusangst, um ihre nationale Kampagne zur Reform der Arbeitskultur zu fördern. In ihrem jüngst veröffentlichten Firmenleitfaden zum Umgang mit der Epidemie und Erkrankten führt ein prominent platzierter Link die Firmen zum „umfassenden Telework-Portal“ des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt. Und einen Hinweis auf gebührenfreie Beratungshotlines gibt es gleich noch dazu.Die Maßnahmen kommen bei den Japaner gut an. Als Familienvater schätzt der Börsenangestellte Imon die Möglichkeit, mehr Zeit von zuhause aus arbeiten zu können. Und dies nicht nur, weil dies das Ansteckungsrisiko für sein Kind senken kann. Auch die Work-Life-Balance gleicht sich an. Der Versicherungsmanager Seitaro Tasaki, der nun für eine zweite Karriere als Jurist studiert, nimmt diese neuen Wahlmöglichkeiten ebenfalls erfreut zur Kenntnis. Allerdings sieht er reihenweise Absage von Messen und Meetings kritisch. „Einige Treffen sind wichtig und sollten nicht gestrichen werden.“ Noch harscher geht er allerdings mit dem Entschluss der Regierung zu Gericht, bisher nur Chinesen aus den Provinzen Hubei und Zhejiang die Einreise zu verweigern. „Das ist vielleicht verständlich, weil wir viele Verbindungen mit China haben und die Regierung die angespannten Beziehungen mit China verbessern will“, meint der 40-jährige. „Aber die Kontrollen sollten strikter sein.“ Andere Länder haben schließlich auch die Grenzen dichter gemacht.  Auch die laxe Behandlung der Passagiere vom Kreuzfahrtschiff Princess Diamond, auf der 3700 Passagiere und Crewmitglieder 14 Tage lang in Quarantäne leben mussten, irritiert zahlreiche Japaner. Bis Freitag wurden alle Passagiere, die negativ auf das Coronavirus getestet wurden, von Bord gelassen. Die Hongkongerin Yardley Wong beschwert sich auf Twitter, dass sie und andere ehemalige Passagiere auf einmal als „Gefahr für die Öffentlichkeit“ beschrieben werden. Denn viele Japaner fürchten offenbar, dass mit dem Menschen auch Viren von Bord gingen. Tatsächlich ist das kleine Kreuzfahrtschiff mit 632 positiv getesteten Fällen und zwei Todesopfern der größte Virenhotspot außerhalb Chinas. Und das amerikanische Seuchenkontrollamt hat gewarnt, dass sich auch Passagiere aus der Quarantäne schon angesteckt haben könnten. Dabei hat Japan selbst mit lokalen Ansteckungen an Land schon genug zu kämpfen. Bisher wurden landesweit 106 Virusträger registriert. Außerhalb Chinas hat nur Südkorea mehr Fälle. Denn dort ist die Zahl der Infizierten diese Woche nach einem lokalen Ausbruch des Coronavirus in der Millionenmetropole Daegu bis Freitag auf 204 gestiegen. Mehr: Der Corona-Schock: Wie das Virus die Weltwirtschaft infiziert. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Martin Kölling
  • Indien-Reise: Warum Trump die Nähe zu Modi sucht
    Werbetafeln in Ahmedabad Der US-Präsident wird bei seinem Besuch unter anderem das weltgrößte Cricket-Stadion eröffnen. (Foto:& AP) Den Anblick von extremer Armut will Indiens Regierungschef Narendra Modi seinem Amtskollegen Donald Trump offenbar nicht zumuten. Kurz vor dem Besuch des US-Präsidenten in Ahmedabad – der Hauptstadt von Modis Heimatstaat Gujarat – haben die lokalen Behörden vor einem Slum eine 400 Meter lange Mauer errichten lassen. Sie versperrt die Sicht von der Hauptstraße, an der Trumps Präsidentenlimousine am Montag entlang fahren soll, auf die dahinterliegenden provisorischen Wohnhütten aus Plastikplanen und Wellblechen.Offiziell geben die Verantwortlichen Sicherheitsbedenken als Grund für den Bau der Mauer an, die inzwischen mit Porträts von Trump und Modi verziert ist. Sie räumen aber ein, dass der Sichtschutz auch das Ziel hatte, die Gegend zu verschönern – und die Produktion von schönen Bilder steht im Zentrum des Staatsbesuchs. Trump prahlte bereits vor seiner Abreise damit, dass ihm Modi Millionen von Menschen versprochen habe, die ihm bei der Ankunft in Indien zujubeln sollen. Zusammen mit dem indischen Regierungschef soll der US-Präsident anschließend das weltgrößte Cricket-Stadion eröffnen und dort vor mehr als Hunderttausend Menschen über die amerikanisch-indischen Beziehungen sprechen.Das Event ist die Fortsetzung von Trumps Treffen mit Modi im September vergangenen Jahres vor Zehntausenden Anhängern in einem Football-Stadion in der texanischen Hauptstadt Houston. Dass zwischen den beiden Veranstaltungen nicht einmal ein halbes Jahr vergangenen ist, zeigt wie wichtig die Amerikaner die Beziehungen zu Indien nehmen: Sie sehen in dem 1,3 Milliarden Einwohner großen Subkontinent den Angelpunkt ihrer neuen Indo-Pazifik-Strategie, mit der sie in Asien ein Gegengewicht zu China schaffen wollen. Doch erhebliche Meinungsunterschiede in der Handelspolitik stehen intensiveren Beziehungen im Weg. Trump brachte seine Ambivalenz am Dienstag unverblümt zum Ausdruck: „Wir werden von Indien nicht sehr gut behandelt“, sagte er und fügte hinzu: „Aber ich mag Premierminister Modi sehr.“ Trump hatte seit seinem Amtsantritt mehrfach Indiens zum Teil sehr hohe Einfuhrzölle für amerikanische Waren angeprangert. Am öftesten beschwerte er sich über die Abgaben, die für die Importe von Harley-Davidson-Motorräder fällig werden. Diese lagen erst bei 100 Prozent, später senkte sie Modi auf 50. „Das ist immer noch inakzeptabel“, sagte Trump. Trump und Modi Indiens Regierungschef besuchte Trump im Juni 2017 in Washington. (Foto:& AP) Statt sich anzunähern, überzogen sich die Staaten gegenseitig mit neuen Zöllen: Erst erhöhten die USA die Zölle für Stahl und Aluminium aus Indien und strichen dem Subkontinent dann Zollvergünstigungen, die die USA armen Ländern gewähren. Modi reagierte daraufhin mit Zöllen auf amerikanische Agrarprodukte wie Mandeln, Äpfel, und Walnüsse. Zudem erließ die Regierung in Neu-Delhi auch neue Regeln, die US-Konzerne wie Amazon, Walmart oder Visa und Mastercard in der Konkurrenz zu lokalen Wettbewerbern benachteiligen. Die Hoffnung, dass der Streit noch vor Trump ersten Indien-Besuch als US-Präsident beigelegt werden könnte, scheint inzwischen verflogen. „Wir können einen großen Handelsdeal mit Indien haben“, sagte Trump diese Woche. „Aber ich spare mir diesen großen Deal für später auf.“ Er könne nicht sicher sagen, ob ein Abkommen noch vor der US-Präsidentschaftswahl stehen werde. Es werde aber definitiv zu einer Vereinbarung kommen. Die Gespräche kamen zuletzt aber offenbar schlechter voran als erwartet: Eine geplante Indien-Reise des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, die zur Vorbereitung von Trumps Besuch dienen sollte, wurde kurzfristig abgesagt. Dabei wäre zumindest ein Teilabkommen für beide Seiten politisch opportun: Trump könnte damit in einem Wahljahr zeigen, dass er mit Druck auch von widerspenstigen Handelspartnern Zugeständnisse erreichen kann. Für Modi wäre eine Vereinbarung wichtig, um angesichts von der drastischen Konjunkturabkühlung in seinem Land der Bevölkerung einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Krise aufzuzeigen. Einigen konnten sich die beiden Seiten aber bisher nur auf ein Rüstungsgeschäft: Die indische Regierung stimmte am Mittwoch dem Plan zu, dem US-Hersteller Lockheed Martin Helikopter im Wert von 2,6 Milliarden Dollar abzukaufen. Kaum kritische Wort erwartetBeobachter warnen davor, dass die ungelösten Handelsstreitigkeiten von der geopolitischen Zusammenarbeit der beiden Länder ablenken könnten. Sowohl die USA als auch Indien sehen den steigenden Einfluss Chinas im Asien-Pazifik-Raum als Bedrohung. „Gemeinsame Sicherheitsbedenken bedeuten aber nicht, dass es sich um eine problemlose Beziehung handelt“, kommentiert Rajesh Rajagopalan, Politikprofessor an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi. Auch Meinungsverschiedenheiten mit Blick auf Indiens umstrittene Kaschmir-Politik, die den US-Verbündeten Pakistan verärgert, belasten das Verhältnis. Erwartet wird jedoch, dass Trump bei seinem Indien-Besuch wie schon zuvor bei dem Modi-Treffen in Texas kaum kritische Worte finden wird. Denn er kann sich von guter Stimmung im Verhältnis zu Indien auch Vorteile im Wahlkampf erhoffen. 4,6 Millionen indischstämmige Personen leben in den USA. Ihre Unterstützung zu gewinnen, wäre für Trump mehr als nur ein Achtungserfolg.Mehr: Modi droht Wahlniederlage in Delhi. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Mathias Peer
  • Automobilwirtschaft: Audi-Einkaufschef Martens geht vorzeitig
    Audi Die vom Dieselskandal erschütterte Volkswagen-Tochter wechselt in diesem Jahr insgesamt vier Vorstandsmitglieder aus. (Foto:& Reuters) Audi-Einkaufsvorstand Bernd Martens hat das Unternehmen früher verlassen als geplant. Der Aufsichtsrat und Martens hätten sich am Freitag auf einen sofortigen Abschied des Managers geeinigt, sagte eine Audi-Sprecherin am Samstag. Im Rahmen eines größeren Vorstandsumbaus bei der Volkswagen-Tochter war bisher vorgesehen, dass Martens erst Ende März geht.Die Aufgaben des Vorstands für Beschaffung und IT würden nun vorübergehend von Entwicklungsvorstand Hans-Joachim Rothenpieler wahrgenommen, sagte die Sprecherin. Am 1. April übernehme dann wie geplant der VW-Manager Dirk Große-Loheide das Ressort.Die vom Dieselskandal erschütterte Volkswagen-Tochter wechselt in diesem Jahr insgesamt vier Vorstandsmitglieder aus. Audi-Chef Bram Schot räumt seinen Posten zum 1. April für den früheren BMW-Manager Markus Duesmann. Auch die Vorstände für Finanzen und Personal werden ausgetauscht.Mehr: VW-Finanzchef Frank Witter hört Mitte 2021 auf. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020
  • Handelsstreit : China hebt weitere Strafzölle auf US-Produkte auf
    Handelsstreit USA China China lässt Zölle auf 65 US-Waren fallen. Das wird als erster Schritt zur Lösung des Handelsstreits gesehen. (Foto:& dpa) China befreit ab 28. Februar insgesamt 65 US-Waren von Strafzöllen. Dazu gehören Flugzeugteile und medizinische Ausrüstung, kündigte das Finanzministerium am Freitag in Peking an. Der Schritt ist Teil des zwischen beiden Ländern vereinbarten ersten Abkommens zur Beilegung des Handelsstreits, in dem sich die beiden weltgrößten Wirtschaftsmächte gegenseitig mit Strafzöllen überzogen haben. Zuvor hatte China bereits angekündigt, Strafzölle auf 696 Waren aus den USA zeitweise auszusetzen. Dazu sollen Schweine- und Rindfleisch, Sojabohnen, Rohöl und Flüssigerdgas gehören.Die US-Regierung geht davon aus, dass China ungeachtet der Coronavirus-Epidemie an dem vereinbarten Kauf von US-Waren festhalten wird, der ebenfalls Bestandteil des Teilabkommens ist. „Zum jetzigen Zeitpunkt erwarten wir keine Änderungen“, sagte ein Vertreter des US-Finanzministeriums. „Wir gehen immer noch davon aus, dass sie ihrer Verpflichtung nachkommen.“Im Rahmen des Abkommens hat sich China dazu verpflichtet, binnen zwei Jahren zusätzliche Waren und Dienstleistungen aus den USA im Wert von 200 Milliarden Dollar zu beziehen. Die Coronavirus-Epidemie lässt allerdings bei Experten Zweifel an der Fähigkeit Chinas aufkommen, ob die vereinbarten Ziele erreicht werden können. Die Behörden haben erhebliche Reise- und Transportbeschränkungen verhängt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.Mehr: Handelstheoretiker Bhagwati: „Trump verletzt zutiefst US-Wirtschaftsinteressen.“ Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020
  • Outdoorbranche: Jack Wolfskin will als grüne Marke zurück in die Regale
    Jack Wolfskin Die Geschäftsführerin von Jack Wolfskin, Melody Harris-Jensbach, will die Bemühungen um den Umweltschutz besser herausstellen. (Foto:& dpa) Shoppen mit gutem Gewissen: Jack Wolfskin sieht sich schon lange als grüner Vorreiter. Bislang hat das deutsche Outdoor-Label aber kaum damit geworben. Das werde sich nun ändern, sagte Geschäftsführerin Melody Harris-Jensbach dem Handelsblatt: „Wir versuchen, das positiv und authentisch zu kommunizieren.“Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit sei so stark wie nie, unterstrich die Managerin: „Das spielt bei den Konsumenten eine große Rolle.“ Deshalb sei es jetzt an der Zeit, die schon seit Jahren laufenden Bemühungen um den Umweltschutz den Käufern gegenüber herauszustellen. Mit zwei, drei Kernbotschaften werde die Marke auf die Leute zugehen.Jack Wolfskin liegt damit voll im Trend. Die Outdoorbranche war zwar stets stark darin, in ihrer Reklame die bunten Regenjacken, Wanderhosen und Klettershirts in unberührter Natur abzubilden. Im Wesentlichen bestanden die Textilien aber aus mit Chemikalien behandeltem Kunststoff.Inzwischen aber haben sich die Anbieter gewandelt. Sie folgen damit einerseits dem Zeitgeist, stehen aber auch unter dem Druck der Aktivisten von Greenpeace sowie von Ökopionieren der Branche wie Patagonia oder Vaude. So bringt Jack Wolfskin immer mehr Textilien in die Läden, die komplett aus recycelten Materialien bestehen. Sowohl Wolle als auch Kunstfasern werden nach Firmenangaben wiederverwertet. Die gesamte Kollektion komme zudem bereits seit vergangenem Jahr ohne per- und polyfluorierte Chemikalien aus.Neues Färbe-Verfahren soll 90 Prozent weniger Wasser benötigenDiese werden in der Branche häufig verwendet, weil sie Wasser, Schmutz und Fett an der Bekleidung abperlen lassen. Allerdings können sie in Luft, Wasser und Nahrung geraten und so die Umwelt – und die Gesundheit – schädigen. Darüber hinaus nutze Jack Wolfskin inzwischen ein Verfahren zur Färbung, das 90 Prozent weniger Wasser als die bisherigen Anwendungen verschlinge, erklärte Harris-Jensbach.Händler bestätigten, dass sich die Kunden immer mehr für nachhaltige Ware interessieren. Allerdings sei es für die Leute häufig schwer, sich zu orientieren, sagte Martin Kerner, Geschäftsführer des Outdoor-Geschäfts Basislager in Karlsruhe. Daher habe er ein eigenes Label geschaffen, mit dem er nachhaltig hergestellte Ware in seinem Laden kennzeichne.Denn das ist eine große Hürde. Verbraucher können bislang nur schwer erkennen, wie nachhaltig Bekleidung und Schuhe hergestellt werden. Am Label „Grüner Knopf“ können sich die Menschen in Deutschland orientieren. Weltweit fehlt aber ein Standard.
    Um das zu ändern, haben sich global mehr als 250 Marken, Fabriken und Händler in der Sustainable Apparel Coalition zusammengeschlossen. Die Vereinigung hat den sogenannten Higg-Index entwickelt. Mit diesem Werkzeug sollen Umweltbelastung und die Sozialleistungen gemessen werden. Noch ist das System nicht fertig. In den kommenden Jahren aber werden die Käufer die Ware vergleichen können, ähnlich wie das heute beim Stromverbrauch von Elektrogeräten möglich ist So lange will Harris-Jensbach nicht warten. Sie will in der Werbung und an den Produkten selbst informieren. Es sei aber sinnlos, sich in technischen Details zu verlieren: „Es muss über die Emotion gehen.“Jack Wolfskin muss sich bewegen, denn das Unternehmen steht in scharfem Wettbewerb. So manches Sportgeschäft führt das Label inzwischen gar nicht mehr. Bei der Fachhandelskette Sport 2000 etwa sind Konkurrenten wie Vaude, Fjällräven, The North Face und Salewa an den Hessen vorbeigezogen. Schon 2018 fiel das Label aus der Rangliste der 20 umsatzstärksten Lieferanten heraus.Unter den beliebtesten Marken beim Händlerverbund Intersport ist Jack Wolfskin vergangenes Jahr um einen Rang auf Platz zehn abgerutscht. Zum Vergleich: Die Outdoor-Eigenmarke der Einkaufsgenossenschaft, McKinley, steht an dritter Stelle in der Verkaufsstatistik, gleich nach Adidas und Nike. Anfang des Jahrzehnts war Jack Wolfskin noch direkt hinter Adidas die Nummer zwei, sogar vor Weltmarktführer Nike.Allerdings betreibt Jack Wolfskin so viele eigene Geschäfte wie keine andere Outdoor-Marke hierzulande. Daher sind die Fachhändler für den Hersteller lange nicht so wichtig wie für die Mitbewerber.Es ist kein Zufall, dass Jack Wolfskin immer weniger Platz in den Regalen der Fachhändler bekommt. Das Unternehmen hat eine bewegte Zeit hinter sich. Harris-Jensbach musste sich lange mehr mit Bankern, Rechtsanwälten und Investoren beschäftigen als mit dem eigentlichen Geschäft. In den vergangenen Jahren gaben sich die Besitzer die Klinke in die Hand. Das allerdings ist inzwischen vorbei: Vor gut einem Jahr übernahm der US-Konzern Callaway die Firma für 418 Millionen Euro.Jüngere Zielgruppe im VisierDie Amerikaner wollen eigenen Angaben zufolge mit Jack Wolfskin den Lifestyle-Bereich außerhalb ihres Kerngeschäfts mit Golfausrüstung stärken. Vergangenes Jahr habe die Tochter 356 Millionen Dollar (326 Millionen Euro) zum Konzernumsatz von 1,7 Milliarden Dollar beigetragen, teilte Callaway Mitte Februar mit.Dass es inzwischen auch etwas modischer zugehen darf, zeigt sich in den Neuheiten, die Harris-Jensbach Anfang des Jahres auf der weltgrößten Sportmesse Ispo vorgestellt hat. Das Label nimmt nun zunehmend eine jüngere Zielgruppe ins Visier.Mit der „365“-Kollektion bietet Harris-Jensbach künftig in großem Stil modische Parkas, Daunenjacken oder Fleece-Shirts für den Alltag an. Die „Pack and Go“-Linie wiederum soll Reisende ansprechen, die allwettertaugliche Jacken und Hosen mit minimalem Gewicht und Packmaß suchen, Geschäftsleute auf Dienstreise etwa.Unter den Outdoor-Marken ist inzwischen ein regelrechtes Rennen um die nachhaltigste Bekleidung ausgebrochen. Adidas hat gerade einen Anorak vorgestellt, der aus einem einzigen Material besteht, aufgearbeitetem Plastikmüll. Die einfarbige Jacke soll sich damit besonders leicht wiederverwerten lassen. Das erhöht den Druck auf den Rest der Branche, mit eigenen Lösungen nachzuziehen. Wann das Adidas-Modell in die Läden kommen wird, ließ der Sportkonzern indes offen. Harris-Jensbach bleibt also noch etwas Zeit, sich selbst etwas Innovatives einfallen zu lassen.Mehr: Lesen Sie mehr darüber, wie Jack Wolfskin in den USA und Japan expandiert. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Joachim Hofer
  • Coronavirus – die aktuelle Lage: Italiener stirbt an Infektion– WHO besorgt um Infektionen ohne Verbindung zu China
    In Italien gibt es den ersten Virus-Toten. Ein 78-jähriger Patient sei in Padua in der norditalienischen Region Veneto gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Im Veneto hatten die Behörden zuvor zwei Krankheitsfälle gemeldet, in der benachbarten Lombardei 15 Fälle. Ein 38-Jähriger lag am Freitag in ernstem Zustand auf der Intensivstation des Krankenhauses der Kleinstadt Codogno, wie Behörden mitteilten. Insgesamt seien bisher sechs Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, darunter die schwangere Frau des Schwerkranken. Für mindestens 250 Menschen sei vorsorglich eine Quarantäne angewiesen worden, um weitere Ansteckungen zu verhindern.Tausende Menschen in Codogno und zwei weiteren Orten – Castiglione d'Adda und Casalpusterlengo – wurden aufgefordert, möglichst zuhause zu bleiben. Der Bürgermeister von Codogno, wo rund 16.000 Menschen leben, ordnete die Schließung von Schulen, Bars und anderen öffentlichen Einrichtungen an.Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußert sich besorgt über die Infektionsfälle, bei denen es keine klare epidemiologische Verbindung gibt. Viele Menschen hätten sich mit Covid-19 angesteckt, ohne dass sie nach China gereist seien oder Kontakt mit einer Person gehabt hätten, bei der das Coronavirus nachgewiesen worden sei, schreibt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf Twitter. Mehr als 80 Prozent der Patienten hätten eine leichte Form der Krankheit und würden genesen. In 20 Prozent handele es sich um eine schwere Form, die teilweise zum Tode führe.Zudem lassen die Erkenntnisse chinesischer Wissenschaftler neue Schwierigkeiten bei der Bekämpfung erahnen. So könnte die Inkubationszeit nach chinesischen Angaben länger sein als die bislang angenommenen zwei Wochen. Ein 70-jähriger Mann in der Provinz Hubei habe sich mit dem Coronavirus infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilt die Provinzregierung mit. Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen. Die Ausbreitung des Coronavirus schürt zunehmend Sorgen vor einer nachhaltigen Belastung der Wirtschaftsentwicklung vor allem in Asien. Während der Exportweltmeister China wegen der Epidemie einen Dämpfer für den Außenhandel erwartet, verschoben die japanischen Autobauer Nissan und Honda am Freitag die Wiederaufnahme ihrer Produktion in der Volksrepublik, die zugleich der größte Automarkt der Welt ist. Daimler warnte vor den Auswirkungen des Coronavirus auf das eigene Geschäft.Aktienmärkte in Asien und Europa gerieten unter Druck. Zugleich stieg der Preis der Krisenanlage Gold auf ein Siebenjahreshoch.„Wir erwarten, dass das Import- und Exportwachstum im Januar und Februar stark zurückgehen wird“, sagte der Direktor der Außenhandelsabteilung des Handelsministeriums, Li Xingqian. Die Ausfuhren tragen etwa ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt Chinas bei. Ein anderer Regierungsvertreter erwartet allerdings nur überschaubare Folgen für Nachbarländer Chinas in Asien. „Natürlich wird es einen negativen Einfluss auf die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen haben“, sagte der chinesische Botschafter beim Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN), Deng Xijun. „Aber ich denke, das ist vorübergehend und kurzzeitig.“Um die Epidemie einzudämmen, stehen in China zahlreiche Fabriken still. Andere haben Schwierigkeiten, ihre Produktion wieder hochzufahren, da es wegen der Zwangspause und der Verkehrsbeschränkungen an Arbeitskräften, Rohstoffen und Vorprodukten mangelt. In der ersten Februarhälfte brach der Autoabsatz in China um 92 Prozent ein. In den ersten 16 Tagen des Monats wurden lediglich 4909 Fahrzeuge verkauft, nachdem es im Vorjahreszeitraum 59.930 waren, wie der Branchenverband CPCA mitteilte. Die Regierung will den Unternehmen unter die Arme greifen. Das Handelsministerium lässt untersuchen, welche steuerlichen, finanziellen und versicherungstechnischen Maßnahmen geeignet sind. Viele erwarten, dass ausländische Firmen in den meisten Teilen des Landes bis Ende Februar ihre Produktion wieder aufnehmen werden.Deutsche aus Provinz Hubei zurückgekehrtAm Freitag sind weitere Deutsche aus der besonders vom Coronavirus Sars-CoV-2 betroffenen Provinz Hubei zurückgekehrt. „Allen geht es gut“, sagte Stefan Brockmann vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nach der Landung der 15 Passagiere in Stuttgart. Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sind unter den Rückkehrern vier Familien. Insgesamt handelt es sich demnach um zehn Erwachsene und fünf Kinder. Das jüngste ist noch kein Jahr alt, das älteste fünf. Die Rückkehrer sollen für 14 Tage in einem Hotel in Kirchheim/Teck in Quarantäne bleiben.Die Zahl der Toten in China ist auf 2144 gestiegen, weltweit sind 2248 Todesfälle zu beklagen. Die Zahl der Neuinfektionen ist am Freitag um 588 auf insgesamt 76.798 gestiegen – 75.467 davon in China. Experten rechnen allerdings mit einer sehr viel höheren Dunkelziffer. Die Zahl der genesenen Patienten ist weltweit auf 18.864 gestiegen. Damit überstieg, den vierten Tag in Folge, die Zahl der Genesungen, die Zahl der Neuinfektionen. Chinas Regierung rechnet Ende April mit der klinischen Erprobung eines ersten Impfstoffs. Unterdessen stieg in Südkorea und dem Iran die Zahl erfasster Infektionen stark. Zudem meldete Italien einen Ausbruch in der Lombardei. Ein 38-Jähriger lag am Freitag in ernstem Zustand auf der Intensivstation des Krankenhauses der Kleinstadt Codogno, wie Behörden mitteilten. Insgesamt seien bisher sechs Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, darunter die schwangere Frau des Schwerkranken. Für mindestens 250 Menschen sei vorsorglich eine Quarantäne angewiesen worden, um weitere Ansteckungen zu verhindern.Tausende Menschen in Codogno und zwei weiteren Orten – Castiglione d'Adda und Casalpusterlengo – wurden aufgefordert, möglichst zuhause zu bleiben. Der Bürgermeister von Codogno, wo rund 16.000 Menschen leben, ordnete die Schließung von Schulen, Bars und anderen öffentlichen Einrichtungen an. Weitere Entwicklungen zum Verlauf der Epidemie im Überblick: Samsung fährt die Produktion in einer Fabrik in Gumi City zurück. Zuvor wurde bei einem Mitarbeiter das Virus nachgewiesen. Die Maßnahme soll bis Montagmorgen andauChinas Regierung rechnet Ende April mit der klinischen Erprobung eines ersten Impfstoffs gegen das neue Coronavirus. Das sagte der Vizeminister für Wissenschaft und Technologie, Xu Nanping.Einer chinesischen Studie zufolge wird das Virus eher wie die Grippe übertragen und damit leichter als etwa der verwandte Sars-Erreger. Während dieses sich in unteren Atemwegen festsetze, sei das neue Virus auch in den oberen Atemwegen nachweisbar, hieß es laut der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“. Dies würde bedeuten, dass es leichter übertragbar ist als das Sars-Virus.Die chinesischen Importe und Exporte werden nach Angaben des Handelsministeriums im Januar und Februar von der Virusepidemie getroffen. Ihr Wachstum werde sich merklich abschwächen, teilte das Ministerium mit. Für das Gesamtjahr werde der Außenhandel aber „innerhalb vernünftiger Grenzen“ erwartet.Angesichts des rapiden Anstiegs von Infektionsfällen in Südkorea hat Präsident Moon Jae In von einer „ernsthaften Situation“ gesprochen. Er habe bei
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020
  • Skandinavien: Schwedens heißer Immobilienmarkt
    Der schwedische Wohnungsbauminister Per Bolund von der Umweltpartei der Grünen ist ein Mann klarer Worte: „Der Markt ist gescheitert. Es sind zu viele Wohnungen gleichzeitig auf den Markt gekommen“, sagte er am Dienstag in einem Interview mit der Zeitung „Svenska Dagbladet“. Und: Viele Wohnungsentwickler hätten viel zu teuer gebaut und damit an den Bedürfnissen vieler Menschen vorbeigeplant. Bolunds Aussagen dürften so manche institutionellen Investoren aufhorchen lassen. Skandinavische Immobilien sind unter ihnen derzeit heiß begehrt. Dabei wird seit Jahren im hohen Norden vor Preisübertreibungen gewarnt. Wer jetzt noch kauft, sollte sich der Risiken im Markt bewusst sein.Nie zuvor waren institutionelle Anleger in Nordeuropa so aktiv wie im vergangenen Jahr. Laut der Beratungsgesellschaft Pangea Property Partners investierten sie 44 Milliarden Euro in gewerbliche und Wohnimmobilien. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte der Nordeuropa-Chef des auf den Immobilienmarkt spezialisierten Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL), Linus Ericsson, dass viele der Investoren große Pensionsfonds sind. „Sie haben enorm viel Geld und schauen überall nach Möglichkeiten, in Immobilien zu investieren“, sagte er. Die Pensionsfonds wollen für ihre Anleger eine gute Rendite erzielen. Wegen der seit mehreren Jahren herrschenden negativen Zinsen ist das jedoch bei traditionellen Anlagen nicht mehr möglich. Deshalb suchen die Fonds nach lukrativeren Investitionsmöglichkeiten.
    Auch deutsche Investoren kaufen zunehmend im Norden ein, 2014 noch für weniger als 800 Millionen Euro, 2018 schon für 1,5 Milliarden Euro, zeigen JLL-Auswertungen. Nach Angaben der schwedischen Finanzaufsichtsbehörde entfiel 2019 nahezu ein Drittel aller Immobiliengeschäfte auf ausländische Investoren. Neben einem recht unbürokratischen Prozedere hat nach Meinung von Analysten auch die schwache schwedische Krone zu dem deutlichen Anstieg der Investitionen beigetragen. Dabei haben selbst seit Langem bekannte Risiken wie bei der privaten Verschuldung der derzeitigen Attraktivität nicht geschadet.Geteilter WohnungsmarktTatsächlich sehen die Fundamentaldaten auf den ersten Blick vielversprechend aus: Angeheizt wird der Wohnungsmarkt durch einen dramatischen Wohnungsmangel in den Großstadtregionen. Wurden vor drei Jahren noch 70.000 neue Wohnungen in Schweden gebaut, rechnet die Regierung in Stockholm für das laufende Jahr nur noch mit maximal 50.000 neuen Wohnungen. Vertreter der Immobilienbranche machen striktere Auflagen für Käufer für die deutlich zurückgegangene Neubauproduktion verantwortlich. Allein in Stockholm sank die Zahl der Neubauten zwischen 2016 –  seitdem gelten die strikteren Regeln  – und 2018 um die Hälfte. Für kommenden Mittwoch haben Regierungschef Stefan Löfvén und Bauminister Bolund zu Gesprächen mit der Immobilienbranche geladen. Ziel ist es, die Zahl der Neubauten wieder deutlich zu erhöhen. Der Druck auf die Wohnungsmärkte lässt nicht ab. Die Preise für Einfamilienhäuser und Wohnungen steigen. Allein im Januar dieses Jahres kletterten die Wohnungspreise im Durchschnitt um drei Prozent, jene für Einfamilienhäuser sogar um 3,6 Prozent. „Im Moment wird der Markt davon geprägt, dass mehr Menschen umziehen wollen, als es Wohnungen oder Häuser gibt“, stellt Claudia Wörmann von der Hypothekenbank SBAB fest. Und auch Fredrik Kullman von einem der größten Immobilienmakler, Bjurfors, pflichtet ihr bei. „Das Comeback des schwedischen Immobilienmarkts, das wir bereits 2019 gesehen haben, kann sehr wohl der Anfang eines länger anhaltenden Aufschwungs sein.“
    Der Markt ist aber alles andere als einheitlich. Während es an normalen Wohnungen fehlt, ist das Angebot bei Luxuswohnungen übererfüllt. Bauunternehmen, die auf Luxuswohnungen gesetzt haben, leiden unter größten Problemen, für diese Millionenobjekte auch Käufer zu finden. Für Oscar Properties, einen Entwickler von Luxuswohnungen, wäre das beinahe das Ende des 2004 von Oscar Engelbert gegründeten Unternehmens geworden. Bekannt geworden ist das Unternehmen durch Bauten von Mehrfamilienhäusern mit einer spektakulären Architektur. Konstruktionen aus Holz und Stahl sollten zahlungskräftige Käufer anlocken. Das ging auch eine Zeit lang gut. Doch vergangenes Jahr geriet das Unternehmen ins Schlingern. Offenbar fehlten plötzlich die Interessenten, die bereit waren, etwa für eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 130 Quadratmeter Wohnfläche und Aussicht über ganz Stockholm knapp 1,4 Millionen Euro zu bezahlen.Im Spätsommer teilte Oscar Properties mit, im zweiten Quartal 2019 nur acht Luxuswohnungen verkauft zu haben – nach 22 im Vorjahresquartal. Der Kurs der Aktie halbierte sich binnen weniger Tage. Seit 2017 ist der Kurs sogar um 90 Prozent gefallen. Oscar Properties ist kein Einzelfall. Wohnungsbaugesellschaften wie Atrium Ljungberg, Castellum, Hemfosa, Huvudstaden, Klöver oder Kungsleden mussten im Herbst vergangenen Jahres nach monatelangem Ansteigen der Aktienkurse plötzlich deutliche Einbrüche hinnehmen. Vor allem in den Großstadtregionen um Stockholm, Göteborg und Malmö sind mehrere Luxusbauten bislang nicht über das Planungsstadium hinausgekommen.Nach einem Herbst voller Spekulationen über einen kurz bevorstehenden Konkurs konnte Oscar Properties Ende Dezember aufatmen: Nach einer Aktienumwandlung samt Neuemission können Schuldentilgungen von rund zehn Millionen Euro gezahlt werden. Der Konkurs wurde in letzter Sekunde verhindert. 2020 sollen mehrere Großprojekte fertiggestellt werden. Das soll wieder Geld in die Kassen bringen. Eine weitere Entwicklung am Kapitalmarkt beunruhigt Marktbeobachter: der Zuwachs von Hybridanleihen. Dabei handelt es sich um Unternehmensanleihen mit langer Laufzeit oder ganz ohne Laufzeitbegrenzung. Außerdem können sie in Eigenkapital umgewandelt werden. Die Anzahl der Hybridanleihen hat sich nach Angaben der Finanzaufsicht in Stockholm nahezu vervierfacht. Die Papiere sind neben der traditionellen Finanzierung von neuen Objekten durch Banken eine Ergänzung, um schnell an frisches Kapital zu kommen. Bislang war es relativ einfach, Investoren von dieser Finanzierungsform zu überzeugen. Sollte diese Kapitalquelle versiegen, dürfte dies auch am Immobilienmarkt nicht ohne Folgen bleiben. Die Notenbank warntSchon seit einiger Zeit warnen die schwedische Reichsbank mit ihrem Chef Stefan Ingves und die Finanzaufsicht vor einer erneuten Überhitzung des Immobilienmarkts. Bei den Nachbarn Dänemark und Norwegen sind nach deutlichen Preisanstiegen vor rund zehn Jahren bereits Immobilienblasen geplatzt, was zu deutlichen Preiskorrekturen führte. Um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, forderte die schwedische Finanzaufsicht die Banken des Landes auf, ihre Eigenkapitaldecke zu vergrößern, um gegen eventuelle Verluste besser gerüstet zu sein. Zahlungsausfälle gibt es in Einzelfällen immer wieder. Banken kalkulieren das Risiko ein. Sorgen jedoch konjunkturelle Probleme dafür, dass mehrere Kunden ihre Tilgungszahlungen einstellen, könnte sich das Problem ausweiten. „Man soll nicht glauben, dass die Immobilienbranche gegen einen konjunkturellen Einbruch gefeit ist“, sagt Philip Hallberg, Analyst bei Danske Bank. Hinzu kommt: Viele Wohnungs- und Hauskäufer finanzieren weiterhin große Teile des Kaufpreises über Darlehen. Fallen plötzlich die Preise, ist im schlimmsten Fall die Hypothek höher als der Wert des Hauses. Anders Kvist von der Finanzaufsicht
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Helmut Steuer
  • Serie „Genusslust“: Gaumen-Gipfel im Gutshaus: So kochen Sterneköche in der Provinz groß auf
    Hans Stefan Steinheuer Der vielfach ausgezeichnete Zweisternekoch aus Heppingen präsentierte bei der Culinary Open ein Dreierlei aus Jakobsmuschel, Karotte und Kürbiskernöl.(Foto: Spa & Golf Resort Weimarer Land) An einem Samstag, die neue Dekade ist noch jung, packt der Zweisternekoch Hans Stefan Steinheuer im Heilwasser-Ort Heppingen seine küchentechnischen Siebensachen und macht sich auf eine Fahrt quer durch Deutschland. Sein Ziel sind das thüringische Blankenhain und ein ganz besonderes Gourmetfestival. Tochter Désirée, Sommelière im familiengeführten Ausnahme-Restaurant „Zur alten Post“, hat den hochdekorierten und vielfach ausgezeichneten Patron losgeschickt: „Papa, da musst Du hin!“Vor den Toren der Bauhaus- und Goethestadt Weimar lädt das Ehepaar Astrid und Matthias Grafe arrivierte Gastronomen und ausgewiesene Genießer alljährlich zur Culinary Open in ihr Spa & Golf Resort Weimarer Land und beweist damit, dass in Thüringen nicht nur politische Süppchen gekocht werden.So steht Steinheuer gut vier Stunden und knapp 400 Kilometer später im Kreis seiner Kollegen von nah und fern und zeigt bei der Präsentation für Personal und Presse, was er abends im Rahmen des Walking Dinners den über 300 gaumenfreudigen Gästen servieren wird: Jakobsmuschel, Karotte, Kürbiskernöl, ein delikates Dreierlei.„Wir machen das, um den Menschen hier in der Region die Hochküche näherzubringen“, betont Matthias Grafe beim Line-up der Köche. „Wir verstehen uns als Genusshaus und setzen Kulinarik sehr hoch an.“ Ein bisschen geht es ihm auch darum, Thüringen verstärkt auf die kulinarische Landkarte zu heben. Nicht zuletzt „ist es für meine Küchencrew etwas besonderes, wenn so viel Expertise ins Haus kommt. Ich bin überdies selbst Genussmensch und esse gern. So gesehen macht mir der Austausch auch persönlich Freude“. Zehn Top-Köche sind dem Ruf der Familie Grafe gefolgt, neben Steinheuer glänzen fünf weitere „Michelins“: Thomas Gilles aus dem Clostermanns Le Gourmet in Niederkassel (Kohlrabi, Sonnenblumenkerne, Petersilie), Dominic Jeske vom Gut Lärchenhof in Pulheim (Trüffelschwein, Bohne, Zwiebel, Graubrot), Heiko Lacher und sein Anima in Tuttlingen (Sellerie, Holzkohle, Haselnuss, Passionsfrucht), Bernhard Reiser vom Reisers am Stein in Würzburg (Lammnuss, Mandel-Kartoffel, Granatapfel). Der fliegt am nächsten Tag nach Indien, will sich den für ihn schon traditionellen Abstecher nach Blankenhain dennoch nicht entgehen lassen. Gastgeber Matthias Grafe „Wir machen das, um den Menschen hier in der Region die Hochküche näherzubringen.“(Foto: Spa & Golf Resort Weimarer Land) Mit Maksims Cekots (Rehrücken, Birne, Kastanie, Rote Bete, Bärlauchsamen) ist sogar ein Küchenchef aus Lettlands Hauptstadt Riga gekommen. Und mit Martin Rául Hofmann aus dem nahen Wintersport-Mekka Oberhof ein Lokalmatador, der sich in seinem Restaurant Vergissmeinnicht vorgenommen hat, „die Küche Thüringens zu entstauben und ihre Klassiker neu aufzubauen“. Rindermark (in Butter zart gebräunt), Karotte, Molke, Petersilie sind eine sterneverdächtige Kostprobe des Hofmann‘schen Credos.Für die weibliche Note sorgt Claudia Schröter, die ihr Düsseldorfer Café de Bretagne in Form von Seeteufel Grenoble, Püree à la Robuchon vorstellt. Flankiert werden sie und ihre neun männlichen Mitstreiter von Marcel Fischer, dem gastronomischen Leiter im Weimarer Land, der selbst Kalb, Carabiniero, Kerbelwurzel auftischt und mit seinen Köchen aus den insgesamt fünf Lokalen des Resorts – vom Gourmetrestaurant Masters bis zur Golfhütte –das ambitionierte kulinarische Konzept der Familie Grafe verdeutlicht.Dazu gesellen sich bei dieser dritten Auflage der Culinary Open sechs Premium-Winzer, die großzügig feine Tropfen ausschenken, ein Vertreter des Lebensmittellieferanten Rungis express mit Fine de Claire-Austern als Apéro und das Champagnerhaus Deutz mit perlenden Preziosen.Ein Geschäft neben dem Geschäft Die Grafes, er leutselig-lässig, sie empathisch-elegant, sind Unternehmer in Buchstäblichkeit: tatkräftig, visionär, bestens vernetzt. Im Hauptberuf leitet Matthias Grafe mit seinen drei Brüdern einen der führenden Hersteller von Farbgranulat-Additiven und Compound-Kunststoffen, 1995 siedelte sich die aus dem Sauerland stammende Familie mit ihrem Unternehmen in Blankenhain an.Ab 2010 entstand auf den benachbarten Ländereien das insgesamt 160 Hektar umfassende Spa & Golf Resort Weimarer Land. „Ich wollte mein Geschäft neben der Kunststoff-Firma mit einem Standbein im Freizeit- und Tourismusgewerbe etablieren“, erklärt Grafe seine Beweggründen. Oder wie es der Vater mal formuliert hat: „Mit Plastik so viel Geld verdienen, dass man sich Holz leisten kann.“ Auch Metall und Stein.Aus den Ruinen des einstigen slawischen Gutshofs Krakau und seiner Stallungen ist ein Refugium entstanden, das wie kein zweites den Sinnspruch verkörpert: Jeder Raum atmet den Geist seines Bewohners. Der Spirit von Astrid und Matthias Grafe zieht sich geschmackssicher durch bis ins letzte Detail, beginnt beim Eingangstor und den Laternen entlang der Zufahrt und endet bei den Kissen in den 101 Zimmern, Suiten und Familienappartements. Und: „Ich wurde schon gefragt, ob ich hier der Hausmeister sei“, lacht Matthias Grafe: „Klar krempele ich selbst die Ärmel hoch.“ Entree im Spa & Golf Resort Weimarer Land Das Refugium entstand aus den Ruinen des einstigen slawischen Gutshofs Krakau und seiner Stallungen.(Foto: Spa & Golf Resort Weimarer Land) Diese Atmosphäre von ausgeprägter persönlicher Note und Willkommenskultur in „Tateinheit“ mit dem rustikalen, gleichwohl stilvollen Charme des Ensembles und seines Interieurs sowie der Attitüde eines entspannten Country Clubs prägt auch die Culinary Open.Das Prinzip ist dabei ebenso einfach und klar wie der Aufwand hoch und wertig. Die Gastköche schicken köstliche Kreationen zur Abstimmung, dann lässt Grafe die entsprechenden Zutaten besorgen, und Marcel Fischer erledigt mit seiner Brigade alle Vorarbeiten. Steinheuer und Co. verleihen ihren Kompositionen schließlich vor Ort individuellen Feinschliff, Garpunkt plus finales Arrangement und genießen ansonsten die Annehmlichkeiten des Resorts. Dafür kommen sie gern und kochen honorarfrei groß auf, letztlich sind auch sie Gäste der Grafes. „Mir geht es nicht ums Geldverdienen, ich mache diese Veranstaltung nicht aus kommerziellen Gründen“, betont der Hausherr. „Unsere Warteliste ist lang, wir könnten auch 400 Gäste reinlassen. Aber ich will keine Fressveranstaltung, bei der man Angst haben muss, irgendwann nichts mehr abzubekommen. Deswegen haben wir den Zugang limitiert. Die Gastköche sollen Gelegenheit zum direkten Kontakt mit den Gästen und zum Austausch haben, statt im Akkord Teller zu füllen. Das macht es reizvoll für sie.“„Strippenzieher“ des Ganzen sind F&B-Leiter Daniel Stenzel und Sommelier Thomas Stobbe, die für den Gaumen-Gipfel im einstigen Gutshof ihre veritablen Kontakte spielen lassen. Stenzel beispielsweise stammt aus Ahrweiler, wo Kochlegende Steinheuer seit
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 22-02-2020By Michael F. Basche
  • US-Großbank: Scheinkontenskandal: Wells Fargo zahlt Milliardenstrafe
    Eine Affäre um fingierte Konten kommt die US-Großbank Wells Fargo abermals teuer zu stehen. Das Geldhaus habe im Rahmen eines Vergleichs mit dem Justizministerium und der Börsenaufsicht SEC Strafen von insgesamt 3,0 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) akzeptiert, teilten die Behörden am Freitag mit.Wells Fargo hatte wegen des Scheinkontenskandals und einer Serie weiterer Regelverstöße beim Vertrieb von Finanzprodukten zuvor bereits empfindliche Strafen von US-Behörden kassiert. Hinzu kamen zahlreiche Entlassungen und teure Vergleiche mit Sammelklägern.Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 21-02-2020
  • Thüringen: Ausweg aus Regierungskrise: CDU stützt Ramelow, Neuwahlen im April 2021
    Bodo Ramelow und Astrid Rothe-Beinlich Der frühere Ministerpräsident und die Grünen-Politikerin im Erfurter Landtag. (Foto:& dpa) In der Thüringer Regierungskrise ist ein Durchbruch erzielt worden: Bei einem Treffen am Freitag in Erfurt haben sich Linke, SPD und Grünen mit der CDU auf Neuwahlen am 25. April 2021 verständigt. Zuvor soll Bodo Ramelow am 4. März mit Stimmen der CDU zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Die Thüringer Linke-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow kündigte an, dass ihre Fraktion Ramelow als Kandidaten vorschlagen will. Zudem einigten sich die Parteien auf einen „Stabilitätsmechanismus“, wie Ramelow sagte. Damit solle unter anderem gesichert werden, dass die AfD bei politischen Entscheidungen im Landtag nicht das Zünglein an der Waage ist.SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee erklärte: „Die CDU macht damit den Weg frei, bis Ende des Jahres als konstruktive Opposition für stabile Verhältnisse im Parlament und damit in Thüringen zu sorgen. Insgesamt sei es damit möglich, am 4. März den Ministerpräsidenten zu wählen, die rot-rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden und „die unerträgliche Situation einer regierungslosen Zeit unter einem zurückgetretenen Ministerpräsidenten Kemmerich zu beenden“.Ramelow hatte mehrfach betont, er trete das Wagnis einer erneuten Ministerpräsidentenwahl nur an, wenn eine demokratische Mehrheit sicher sei und er nicht Gefahr laufe, bei der geheimen Abstimmung mit Stimmen der AfD gewählt zu werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist im Gespräch, dass nicht die CDU-Fraktion eine Zusage für Ramelows Wahl abgibt, sondern nur eine Gruppe von CDU-Abgeordneten, die namentlich aber nicht genannt werden sollen. Mindestens vier Stimmen aus Reihen der CDU wären für eine Mehrheit nötig.Damit könnte der Beschluss der Bundespartei, keine Kooperation mit der Linken oder der AfD einzugehen, auf die Thüringer Verhältnisse angepasst werden. Mehr Spielraum bei der Umsetzung des Unvereinbarkeitsbeschlusses hatten in den vergangenen Tagen mehrere CDU-Politiker verlangt, darunter Thüringens Ex-Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht und Dieter Althaus sowie Fraktions- und Parteichef Mike Mohring.Derzeit hat Thüringen keine komplette Regierung und mit Thomas Kemmerich (FDP) nur einen geschäftsführenden Ministerpräsidenten. Kemmerich war bundesweit der erste Regierungschef, der mithilfe der AfD zu seinem Amt kam. Er trat drei Tage später zurück – ohne Minister für ein Kabinett zu benennen. Seine Wahl hatte im ganzen Land für Empörung und Proteste gesorgt. Mehr: Kann die FDP das Thüringen-Fiasko überwinden? Porträt einer verunsicherten Partei. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 21-02-2020
  • Thüringen: Ausweg aus Regierungskrise: CDU unterstützt Ramelow, Neuwahlen im April 2021
    Bodo Ramelow und Astrid Rothe-Beinlich Der frühere Ministerpräsident und die Grünen-Politikerin im Erfurter Landtag. (Foto:& dpa) Durchbruch in der Thüringer Regierungskrise: Linke, SPD und Grüne haben sich mit der CDU auf eine Ministerpräsidentenwahl am 4. März geeinigt, wie der frühere Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) am Freitagabend in Erfurt bekannt gab. Dabei geht erneut Ramelow für die Linke ins Rennen, wie Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow ankündigte. Details darüber, wie eine absolute Mehrheit für Ramelow organisiert werden soll, dessen rot-rot-grünem Bündnis vier Stimmen zur Parlamentsmehrheit fehlen, nannten die Parteien nicht. Allerdings verständigten sie sich auch auf eine Neuwahl des Parlaments am 25. April 2021.Thüringen steckt seit mehr als zwei Wochen in einer Regierungskrise, seit der FDP-Politiker Thomas Kemmerich am 5. Februar mit Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Kemmerichs Wahl löste ein politisches Beben und bundesweite Empörung aus. Der 55-Jährige trat drei Tage nach seiner Wahl zurück und ist seitdem geschäftsführend im Amt – ohne Minister benannt zu haben. Ramelow sagte, dieser Zustand sei unerträglich. „Wir brauchen eine handlungsfähige Regierung.“ Man habe mit der CDU nun einen „Stabilitätsmechanismus“ vereinbart. Damit solle unter anderem verhindert werden, dass die AfD bei Abstimmungen zum Mehrheitsbeschaffer werde. Es sei ein Weg der Demokraten gefunden worden, die Krise, die andere verschuldet hätten, zu beheben. Hennig-Wellsow sprach von einer Minderheitsregierung in Thüringen, die für einen abgesteckten Zeitraum von einer „konstruktiven Opposition“ unterstützt werden solle. Linke, SPD und Grüne kommen in Thüringen nur auf 42 Stimmen und haben im Parlament damit keine eigene Mehrheit.Ein Wahl-Szenario könnte so aussehen, dass nicht die CDU-Fraktion eine Zusage für Ramelows Wahl abgibt, sondern nur eine Gruppe von CDU-Abgeordneten, die namentlich aber nicht genannt werden sollen. Mindestens vier Stimmen aus Reihen der CDU wären für eine Mehrheit nötig.Damit könnte der Beschluss der Bundespartei, keine Kooperation mit der Linken oder der AfD einzugehen, auf die Thüringer Verhältnisse angepasst werden. Mehr Spielraum bei der Umsetzung des Unvereinbarkeitsbeschlusses hatten in den vergangenen Tagen mehrere CDU-Politiker verlangt, darunter Thüringens Ex-Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht und Dieter Althaus sowie Fraktions- und Parteichef Mike Mohring.CDU in Umfragen abgesacktNachdem ein Haushalt für das Jahr 2021 beschlossen ist, solle die Neuwahl des Parlaments beantragt werden, sagte Hennig-Wellsow. Über den Termin für eine Neuwahl hatte es bei den Verhandlungen starke Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die CDU wollte zügige Neuwahlen vermeiden – wohl auch, weil sie laut Umfragen in der Wählergunst stark abgesackt ist. Nach jüngsten Umfragen würde sich die CDU nach dem für sie historisch schlechten Wahlergebnis im Herbst 2019 (21,7 Prozent) noch einmal dramatisch verschlechtern. Dagegen pochten vor allem Linke und SPD auf eine schnelle Auflösung des Parlaments. Beide Parteien sind in den Umfragen im Aufwind. Thüringens CDU-Vizechef Mario Voigt sagte: „Für den Übergang braucht es diese Formen des verbindlichen Miteinanders, der projektorientierten Zusammenarbeit.“ Die CDU werde dennoch eigenständige Initiativen im Parlament starten. „Wir verstehen uns als konstruktive Opposition“, sagte Voigt. Man wolle Kompromisse gemeinsam suchen und dann zum Erfolg führen, „für eine begrenzte Zeit“, betonte Voigt.Kommunales Investitionspaket vereinbartTeil des Pakets, das die Parteien bei mehrstündigen Verhandlungen schnürten, seien laut Ramelow auch inhaltliche Vereinbarungen wie ein kommunales Investitionspaket in Höhe von 568 Millionen Euro.SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee erklärte: „Die CDU macht damit den Weg frei, bis Ende des Jahres als konstruktive Opposition für stabile Verhältnisse im Parlament und damit in Thüringen zu sorgen.“ Insgesamt sei es damit möglich, am 4. März den Ministerpräsidenten zu wählen, die rot-rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden und „die unerträgliche Situation einer regierungslosen Zeit unter einem zurückgetretenen Ministerpräsidenten Kemmerich zu beenden“.Die Grünen-Politikerin Anja Siegesmund schrieb auf Twitter: „Da war viel Dramatik in diesen letzten Tagen und Wochen, manchmal Verzweiflung und Wut. Danke an alle, die uns unterstützt haben.“ Die Landessprecherin der Partei, Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt, erklärte: „Jetzt gibt es hoffentlich ruhigeres Fahrwasser für Thüringen.“Mehr: Kann die FDP das Thüringen-Fiasko überwinden? Porträt einer verunsicherten Partei. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 21-02-2020
  • Thüringen: Ausweg aus der Regierungskrise: CDU unterstützt Ramelow, Neuwahlen im April 2021
    Bodo Ramelow und Astrid Rothe-Beinlich Der frühere Ministerpräsident und die Grünen-Politikerin im Erfurter Landtag. (Foto:& dpa) Durchbruch in der Thüringer Regierungskrise: Linke, SPD und Grüne haben sich mit der CDU auf eine Ministerpräsidentenwahl am 4. März geeinigt, wie der frühere Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) am Freitagabend in Erfurt bekannt gab. Dabei geht erneut Ramelow für die Linke ins Rennen, wie Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow ankündigte. Details darüber, wie eine absolute Mehrheit für Ramelow organisiert werden soll, dessen rot-rot-grünem Bündnis vier Stimmen zur Parlamentsmehrheit fehlen, nannten die Parteien nicht. Allerdings verständigten sie sich auch auf eine Neuwahl des Parlaments am 25. April 2021.Thüringen steckt seit mehr als zwei Wochen in einer Regierungskrise, seit der FDP-Politiker Thomas Kemmerich am 5. Februar mit Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Kemmerichs Wahl löste ein politisches Beben und bundesweite Empörung aus. Der 55-Jährige trat drei Tage nach seiner Wahl zurück und ist seitdem geschäftsführend im Amt – ohne Minister benannt zu haben. Ramelow sagte, dieser Zustand sei unerträglich. „Wir brauchen eine handlungsfähige Regierung.“ Man habe mit der CDU nun einen „Stabilitätsmechanismus“ vereinbart. Damit solle unter anderem verhindert werden, dass die AfD bei Abstimmungen zum Mehrheitsbeschaffer werde. Es sei ein Weg der Demokraten gefunden worden, die Krise, die andere verschuldet hätten, zu beheben. Hennig-Wellsow sprach von einer Minderheitsregierung in Thüringen, die für einen abgesteckten Zeitraum von einer „konstruktiven Opposition“ unterstützt werden solle. Linke, SPD und Grüne kommen in Thüringen nur auf 42 Stimmen und haben im Parlament damit keine eigene Mehrheit.Ein Wahl-Szenario könnte so aussehen, dass nicht die CDU-Fraktion eine Zusage für Ramelows Wahl abgibt, sondern nur eine Gruppe von CDU-Abgeordneten, die namentlich aber nicht genannt werden sollen. Mindestens vier Stimmen aus Reihen der CDU wären für eine Mehrheit nötig.Damit könnte der Beschluss der Bundespartei, keine Kooperation mit der Linken oder der AfD einzugehen, auf die Thüringer Verhältnisse angepasst werden. Mehr Spielraum bei der Umsetzung des Unvereinbarkeitsbeschlusses hatten in den vergangenen Tagen mehrere CDU-Politiker verlangt, darunter Thüringens Ex-Ministerpräsidenten Christine Lieberknecht und Dieter Althaus sowie Fraktions- und Parteichef Mike Mohring.CDU in Umfragen abgesacktNachdem ein Haushalt für das Jahr 2021 beschlossen ist, solle die Neuwahl des Parlaments beantragt werden, sagte Hennig-Wellsow. Über den Termin für eine Neuwahl hatte es bei den Verhandlungen starke Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die CDU wollte zügige Neuwahlen vermeiden – wohl auch, weil sie laut Umfragen in der Wählergunst stark abgesackt ist. Nach jüngsten Umfragen würde sich die CDU nach dem für sie historisch schlechten Wahlergebnis im Herbst 2019 (21,7 Prozent) noch einmal dramatisch verschlechtern. Dagegen pochten vor allem Linke und SPD auf eine schnelle Auflösung des Parlaments. Beide Parteien sind in den Umfragen im Aufwind. Thüringens CDU-Vizechef Mario Voigt sagte: „Für den Übergang braucht es diese Formen des verbindlichen Miteinanders, der projektorientierten Zusammenarbeit.“ Die CDU werde dennoch eigenständige Initiativen im Parlament starten. „Wir verstehen uns als konstruktive Opposition“, sagte Voigt. Man wolle Kompromisse gemeinsam suchen und dann zum Erfolg führen, „für eine begrenzte Zeit“, betonte Voigt.Kommunales Investitionspaket vereinbartTeil des Pakets, das die Parteien bei mehrstündigen Verhandlungen schnürten, seien laut Ramelow auch inhaltliche Vereinbarungen wie ein kommunales Investitionspaket in Höhe von 568 Millionen Euro.SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee erklärte: „Die CDU macht damit den Weg frei, bis Ende des Jahres als konstruktive Opposition für stabile Verhältnisse im Parlament und damit in Thüringen zu sorgen.“ Insgesamt sei es damit möglich, am 4. März den Ministerpräsidenten zu wählen, die rot-rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden und „die unerträgliche Situation einer regierungslosen Zeit unter einem zurückgetretenen Ministerpräsidenten Kemmerich zu beenden“.Die Grünen-Politikerin Anja Siegesmund schrieb auf Twitter: „Da war viel Dramatik in diesen letzten Tagen und Wochen, manchmal Verzweiflung und Wut. Danke an alle, die uns unterstützt haben.“ Die Landessprecherin der Partei, Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt, erklärte: „Jetzt gibt es hoffentlich ruhigeres Fahrwasser für Thüringen.“Mehr: Kann die FDP das Thüringen-Fiasko überwinden? Porträt einer verunsicherten Partei. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 21-02-2020