FAZ

  • Wie verläuft die Ansteckung?: Auf den Spuren der Virus-Tröpfchen
    Mehr als eine Million nachweislich Infizierte in 181 Ländern der Erde, das ist – vom neuen Coronavirus aus betrachtet – eine beachtliche Reisegeschwindigkeit. Und zehntausende Todesopfer in einem Vierteljahr sind eine mörderische, wenn auch noch vorläufige Bilanz. Die Antwort darauf ist fast überall gleich: Ausweichen, radikal fernhalten, bis der Impfstoff kommt. So schutzlos, so kollektiv machtlos hat man Homo sapiens im Angesicht einer Naturgefahr in der modernen Welt nicht erlebt. Dabei ist die wissenschaftliche Mobilmachung, die wir in diesen wenigen Wochen erleben, ebenso beispiellos. Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“. Ein neues Virus ist aufgetaucht, und schnell war klar: Der Faktor Mensch, Stichwort Globalisierung, ist nicht die einzige Ursache der extremen viralen Mobilität. Das Ansteckungsvermögen des Virus selbst, die jene des Sars-Virus vor siebzehn Jahren um Größenordnungen übertrifft, ist zum größten Problem geworden, weil es die sträflich geringen Kapazitäten der Medizinsysteme weltweit in kürzester Zeit zu überstrapazieren vermag. Gerade aber an dieser besonderen Eigenschaft des Erregers, seine Infektiosität, kann man die steile Lernkurve studieren, die Wissenschaftler, Mediziner und, wenn man so will, die Gesellschaft unter dem Imperativ soziale Distanz an den Tag gelegt haben. Es ist eine Lernkurve, die nach nur wenigen Wochen noch immer von Unsicherheiten geprägt ist. Eine logische Konsequenz Das lässt sich an den von außen betrachtet teils verstörenden Kehrtwendungen der Experten ablesen. Die Debatte anfangs um Schulschließungen und ganz aktuell um eine Maskenpflicht sind Ausdruck solcher Ungewissheiten. Die Weltgesundheitsorganisation bleibt seit Wochen unschlüssig, moniert die fehlende Evidenz für die Wirkung von Atemschutz. So hörte sich das auch in Berlin lange an, bis eben jetzt die Nationalakademie Leopoldina klar Stellung zugunsten des Maskentragens zog – jedenfalls sollten Mund und Nase in den bevorstehenden Pandemie-Phasen bedeckt sein, wenn die Kontaktbeschränkungen wieder gelockert werden sollen. Das ist gewissermaßen die logische Konsequenz aus den jüngsten Evidenzen zur Infektiosität des neuen Virus. Rasende Vermehrung im Rachenraum In der aktuellen Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift „Nature“ haben die Münchener Infektiologen-Gruppe um Clemens Wendtner vom Klinikum Schwabing, Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und den Charité-Virologen um Christian Drosten ganz entscheidende Virusmerkmale zur Übertragbarkeit dargelegt. Wochenlang haben sie während der noch ungewissen Frühphase der Virusausbreitung in Süddeutschland jene neun Münchener Patienten untersuchen können, die sich Ende Januar bei einer aus China eingeflogenen Besucherin – der Index-Patientin – angesteckt hatten. Ihr Fazit: Sars-CoV-2 vermehrt sich rasend schnell an einer für die Übertragung hochsensiblen Stelle: im Mundrachenraum wurden im Verlauf der ersten Tage nach der Ansteckung bis zu tausendmal so viele Viren nachgewiesen wie bei der ersten Sars-Epidemie vor siebzehn Jahren – was es dem Virus ermöglicht, sich mit den beim Husten, Niesen und bei „feuchter“ Aussprache ausgestoßenen Flüssigkeitströpfchen auszubreiten. Frühe Übertragungen Schon zwei, manchmal auch drei Tage vor Beginn der ersten Symptome wie Kurzatmigkeit, Husten oder Fieber kann so die Infektionskette fortgesetzt werden. Erst in der dann folgenden zweiten Woche ungefähr wandert das Virus wie sein Sars-Vorgänger tief in die Lungen, wo es sich entweder bei immungeschwächten Menschen rasend vermehrt und schwere Lungenentzündungen, ein Atemnotsyndrom bis hin zu Multiorganversagen hervorrufen kann, oder eben – bei vier von fünf Menschen ohne Vorerkrankungen – von der inzwischen aktivierten Körperabwehr im Keim erstickt wird. In dieser Zeit, wenn sich die Viruslast vom Rachenraum in die unteren Luftwege verlagert hat, ist das Ansteckungsrisiko keineswegs verschwunden, viele entscheidende Übertragungen allerdings passieren wohl früher. FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren Die Rekonstruktion der Münchener Fälle und weitere Studien zur Virusübertragung lassen nun wichtige Schlüsse zu: Schon relativ flüchtige Kontakte mit Infizierten können, noch bevor viele Infizierten ihre Erkrankung ahnen oder spüren, die Infektionskette fortsetzen. Voraussetzung ist eine Tröpfchenübertragung aus geringem Abstand. Masken können dieses Risiko bis zu einem gewissen Grad verringern. Wie gut? Darauf gibt es bisher wenig gesicherte Erkenntnisse. Gewaltiger Strom an Daten Anfang März hatte eine in einem Medizinjournal veröffentlichte Studie Tage lang für Únruhe gesorgt. Chinesische Wissenschaftler wollten im Epizentrum der Corona-Pandemie in Wuhan nachgewiesen haben, dass ein Infizierter in einem Bus auch fünf bis sechs Meter entfernt sitzende Fahrgäste angesteckt haben könnte. Sollte das Virus also womöglich auch geschützt in kleinsten Aerosolen durch die Luft transportiert werden, und wie die Forscher in „Pracitcal Preventive Medicine“ schrieben, bis zu einer halben Stunde in der Luft verbleiben? Bislang gab es dazu nur schlechte Gerüchte, keinerlei seriöse Belege. Die international anerkannte Abstandsregel von anderthalb bis zwei Meter wäre damit auch obsolet, Mundschutzpflicht und verschärfte Quarantäne die logische Folge gewesen. Bevor allerdings die Detektivarbeit der Infektiologen ins Rollen kam, war der Fall gelöst. Fünf Tage nach der Publikation zog das Journal ohne ausführliche Begründung das Paper zurück, die Nachprüfung der Kontaktpersonen hatte offenbar Ungereimtheiten zutage gefördert. Der Fall zeigt, was auch Teil der wissenschaftlichen Lernkurve ist: Fragwürdige, überhastet oder schlecht konzipierte Studien liefern einen gewaltigen Strom an Daten, häufig aber immer noch allzu labile, wenig alltagstaugliche Evidenz. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Joachim Müller-Jung
  • Umstrittene Notstandsgesetze: Ungarn schickt Soldaten zu Bosch
    Die Corona-Krise bringt so mancherlei Merkwürdigkeiten hervor. In Ungarn haben die besonderen Erlasse der nationalpopulistischen Regierung unter Viktor Orbán wegen der aktuellen Gefahrenlage dazu geführt, dass wichtige Unternehmen des Landes neuerdings von militärischen Kontrolleuren begleitet werden. Dazu gehört auch Robert Bosch, mit fast 15.000 Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber Ungarns. Bosch betreibt in dem mitteleuropäischen Land das europäische Batterie-Kompetenzzentrum des Konzerns. In Budapest liegt damit ein bedeutendes Forschungs- und Entwicklungszentrum des Stuttgarter Unternehmens. Unklare Auswirkungen Die Geschäftsführung äußert sich verhalten zum Vorgehen der Regierung: „Die ungarische Regierung betrachtet die größten Arbeitgeber im Land in der aktuellen Situation hinsichtlich Coronavirus als systemrelevant und unterstützt sie wo möglich bei der Fortführung der geschäftlichen Aktivitäten.“ Wie sich das im Geschäftsalltag auswirkt, ist unklar. Aufgrund der dynamischen Entwicklungen in der aktuellen Situation sei es derzeit zu früh, sich zu langfristigen Auswirkungen auf das Geschäft zu äußern, heißt es lediglich. Die Einsetzung von staatlichen Begleitern ist eine der Verordnungen, die nach der verfassungsmäßig möglichen Ausrufung der „Gefahrenlage“ erlassen wurde und die international als Notstandsgesetze Aufsehen erregen. Diese Maßnahmen betreffen deutsche Unternehmen ebenso wie ungarische. Ob die Militäraufsicht die Gefahrenlage entschärft, darüber scheiden sich die Geister: „Wenn das in anderen Ländern nicht praktiziert wird, warum in Ungarn?“, hinterfragt etwa die Rechtsanwältin Katalin Zöller in Budapest die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme. Deutsche Investoren sind die wichtigsten Geldgeber in Ungarn. Sie haben nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine florierende Autoindustrie geschaffen, die zu den Schlüsselbranchen der Volkswirtschaft gehört. Neben den geringen Arbeitskosten punktet der Standort bei Investoren mit gut ausgebildeten Arbeitskräften und schwachen Gewerkschaften ebenso wie großzügig gewährten Subventionen. Vollbeschäftigung bis zum Virus Im Gefolge der Corona-Krise haben die Autobauer Audi, Mercedes und Suzuki sowie mehrere Zulieferer ihre Produktion bereits eingestellt, etwa der Reifenhersteller Hankook oder Continental. Sollten die strengen Schutzmaßnahmen länger andauern, könnten wegen unterbrochener Lieferketten oder Arbeitskräftemangel auch Unternehmen in anderen Branchen betroffen sein, heißt es in der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) in Budapest. Schwierigkeiten bereiten den deutschen Unternehmen zum einen Auftragseinbußen. In der Folge schwindet die Liquidität, um laufende Kosten wie Löhne oder Mieten zu begleichen. Zum zweiten werden Lieferketten gestört oder unterbrochen, so dass trotz Nachfrage Produktionskapazitäten nicht im vollen Umfang genutzt werden können. Und schließlich führen Einschränkungen der Bewegungsmöglichkeiten und vor allem die Unterrichtspause an Schulen dazu, dass weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. „Kurzfristig ist für alle die größte Herausforderung, ihre qualifizierten Mitarbeiter möglichst vollständig halten zu können“, meint die DUIHK. Schließlich herrschte in Ungarn bis zum Ausbruch des Virus Vollbeschäftigung, und das Land war in den zurückliegenden Jahren Wachstumsmotor in der Region. Doch sind die Prognosen der Unternehmen so düster wie nie zuvor in den Erhebungen der DUIHK. Um zu beurteilen, ob der Standort an Bedeutung einbüßen wird, ist es noch zu früh. Längerfristig wird es vermutlich zu Veränderungen in den internationalen Lieferketten kommen. Dies könnte Ungarn zugutekommen. Andererseits könnten steigende Fertigungstiefen etwa in Deutschland oder verkürzte Lieferketten aber auch ungarische Standorte betreffen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020
  • Pläne für Staatseinsteig bei Lufthansa reifen
    Auf Staatsbeteiligungen an Fluggesellschaften ist man im Lufthansa-Konzern eigentlich nicht gut zu sprechen. Waren es doch Staatsbetriebe anderer Länder – mal vom Persischen Golf, mal aus Fernost – die dem deutschen Konzern auf internationalen Strecken zusetzten, mitunter mit günstigen Tickets aus Staatshand. Doch in der Corona-Krise, die die gesamte Luftfahrt in ihrer heutigen Beschaffenheit auf den Prüfstand stellt, ändert sich vieles. Mittlerweile befindet sich Lufthansa selbst in Gesprächen mit der Bundesregierung, die wohl in einen Wiedereinstieg des Staats bei Europas größtem Luftfahrtkonzern münden, der 1997 vollständig privatisiert wurde. Offiziell hält man sich bedeckt, man prüfe im Kontakt mit dem Bund und der staatlichen KfW-Bank „alle Optionen“, verkündet der Konzern seit Tagen stoisch. Doch hinter den Kulissen sind die Gespräche weit gediehen. Man wolle zügig zu einer Entscheidung kommen, verlautet aus Berliner Regierungskreisen. In der Branche heißt es, dass es um einen höheren einstelligen Milliardenbetrag an Zuwendungen vom Staat geht. Dabei spielen Liquiditätshilfen eine Rolle, aber auch direkte Kapitalzufuhr durch eine stille Teilhaberschaft, Mischfinanzierungen oder Aktienkäufe des Bundes. An der Börse ist Lufthansa aktuell knapp 3,9 Milliarden Euro wert. Würde der Staat allein durch den Kauf neuer Aktien helfen, bliebe allen derzeitigen Aktionären zusammen nur ein Bruchteil am Konzern. „Eine Verstaatlichung hat die Bundesregierung ja schon öffentlich verneint“, beeilte sich Konzernchef Carsten Spohr daher jüngst im „Spiegel“ dieses Szenario auszuschließen. Was Gutscheine mit der Lufthansa-Hilfe zu tun haben Um wie viel Geld es letztlich geht, ist nach Informationen der F.A.Z. noch nicht festgezurrt. Auf dem Tisch liegen mehrere Szenarien – ein entscheidender Einflussfaktor ist die Frage, ob der Bund bei der EU-Kommission durchgesetzt bekommt, dass Tickets für ausgefallene Flüge nicht mehr erstattet werden müssen und stattdessen Gutscheine ausgegeben werden dürfen. FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren Einen Tag nachdem die Regierung in Berlin ihre Gutscheininitiative angekündigt hat, beharrt die EU-Kommission aber zumindest offiziell auf ihrem bisherigen Standpunkt, dass Zwangsgutscheine nicht rechtens sind. Dass die Niederlande mit einem Alleingang in der Gutscheinfrage drohten, soll hinter den Kulissen in Brüssel fast zum Eklat geführt haben. In den deutschen Hilfsgesprächen gibt es die ungeschriebene Formel: Je mehr der Bund bei der EU in der Gutscheinfrage erreicht, desto günstiger wird daheim die Lufthansa-Stützung. Es geht dabei dem Vernehmen nach um eine Differenz in Milliardenhöhe. Auch Condor ist ein Thema in Berlin In der deutschen Luftfahrt ist es nicht nur Lufthansa, die Hilfe vom Staat benötigt. Die Analysten von Scope stufen die Überlebensfähigkeit des Konzerns mit am höchsten ein, weil Lufthansa im Vergleich zu den meisten Wettbewerbern mehr Flugzeuge gekauft statt gemietet hat. Zudem beziffert der Konzern seine flüssigen Mittel auf 5,1 Milliarden Euro, doch der Wert schrumpft, je länger die Coronakrise dauert. An einigen Flughäfen wird derweil das Geld knapp. Die Betriebe, die sich mehrheitlich in Staatsbesitz befinden, sind von den aktuellen Überbrückungsprogrammen der KfW-Bank ausgeschlossen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Timo Kotowski
  • Kommandeur abgesetzt: Eine Verneigung vor Captain Crozier
    „So verabschiedet man einen der besten Kapitäne, die es je gab“. Ein unbekannter Matrose sagt diesen Satz, während er mit seinem Mobiltelefon filmt, wie Kapitän Brett Crozier von Bord des Flugzeugträgers „USS Theodore Roosevelt“ geht. In Uniform, den Rucksack von der Schulter hängend, geht Crozier über die Gangway, während sich Hunderte Matrosen auf dem Hangardeck des vor der Pazifikinsel Guam liegenden Flugzeugträgers versammelt haben. Sie klatschen, jubeln und skandieren rhythmisch: „Captain Crozier! Captain Crozier!“ Bevor er in das Fahrzeug steigt, das auf ihn wartet, dreht er sich noch einmal um und winkt seinen Soldaten zu. Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington. „Stars and Stripes“, eine unabhängige Zeitung für Mitglieder der amerikanischen Streitkräfte, veröffentlichte am Freitag dieses und ein anderes Handyvideo aus Guam in ihrer Online-Ausgabe. Aus Sicht der Soldaten hat Crozier, der am Donnerstag von seiner Aufgabe entbunden worden war, ihre Interessen verteidigt, obwohl er wissen musste, dass er sich damit Ärger einhandeln würde. Marine-Staatssekretär Thomas Modly hatte seine Entscheidung, Crozier abzusetzen, damit begründet, dass dieser in der Krisensituation unnötige „Panik“ erzeugt und „schlechtes Urteilsvermögen“ gezeigt habe. Insbesondere kritisierte er, dass in einem an die Öffentlichkeit gelangten Brief Croziers die Zustände an Bord der „USS Roosevelt“ irreführend beschrieben worden seien. Zwar seien unter der Besatzung des an der Basis in Guam liegenden Flugzeugträgers 114 Corona-Infektionen aufgetreten. Doch sei es in keinem dieser Fälle zu einer schweren Erkrankung gekommen. Mit seinem Brief habe Crozier die Familien der Besatzungsmitglieder unnötig in Angst versetzt. Wie es hieß, werde Crozier, der seinen Rang behalten dürfe, in der Marine verbleiben. Letzter Halt in Vietnam In dem Brief hatte der Kapitän eindringlich gefordert, die Besatzung von Bord zu holen, weil es keine Möglichkeit gebe, Abstand zu wahren: „Wir befinden uns nicht im Krieg. Es müssen keine Seeleute sterben“, schrieb er in den Brief, den der „San Francisco Chronicle“ zuerst veröffentlichte. Verteidigungsminister Mark Esper verweigerte zunächst die Evakuierung des Flugzeugträgers. Später willigte das Pentagon doch ein. Ein Großteil der Besatzung von insgesamt rund 4800 Seeleuten wird von Bord genommen. Am Freitagmorgen waren schon 1000 Soldaten an Land gegangen. 2700 sollen folgen. Sie sollen vorerst in Guam untergebracht werden. Der Flugzeugträger hatte Anfang März in Vietnam angelegt. Wegen des Ausbruchs des Coronavirus änderte es seinen Kurs und steuerte das amerikanische Außenterritorium an.  Das Kommando des Trägers  soll nun Admiral Carlos Sardiello übernehmen, der die „USS Theodore Roosevelt“ schon früher geführt hatte. FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren Die Lage auf der „Roosevelt“ wirft ein Schlaglicht darauf, was die Pandemie für die amerikanischen Streitkräfte bedeutet. Verteidigungsminister Esper sagte in dieser Woche im Weißen Haus: Es scheine „da dieses Narrativ bei einigen“  zu geben, die Vereinigten Staaten müssten angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus „das gesamte Militär dichtmachen“. „Das ist nicht machbar“, äußerte Esper, sichtlich verärgert. Eine deutliche Ansage „Wir haben einen Auftrag. Dieser lautet: Wir beschützen die Vereinigten Staaten und das amerikanische Volk. Deshalb leben und arbeiten wir auf beengtem Raum auf Flugzeugträgern, in U-Booten, in Panzern und in Kampfflugzeugen.“ Das liege in der Natur der Sache. Die Befehlskette sehe klare Richtlinien vor. Er sei zuversichtlich, dass die Kommandeure die notwendige Vorsicht walten ließen. Noch deutlicher wurde der Nationale Sicherheitsberater Robert O’Brien. Er richtete im Weißen Haus eine Botschaft an alle Rivalen Amerikas: „Lassen Sie mich deutlich sagen: Es wäre ein Fehler – ein Fehler mit fürchterlichen Konsequenzen -, wenn ein Gegner versuchen sollte, uns in diesem Gesundheitsnotstand Schaden zuzufügen.“ Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Majid Sattar
  • Live-Blog der FAZ zum Coronavirus: die aktuellen Entwicklungen
    „Wir sehen einen ersten Trend, dass die Steigerungen der Neuinfektionen abflachen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitag beim Besuch eines Logistikzentrums für medizinische Schutzausrüstung in Apfelstädt. Veröffentlicht/Aktualisiert: Vor 1 Stunde Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020
  • Das große Hoffen auf den Neustart
    Nichts geht mehr: Seit rund zwei Wochen steht das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland größtenteils still. Bild: dpa Wann werden Schulen, Läden und Fabriken wieder geöffnet? Die Rufe nach einem Ausstieg aus dem Corona-Stillstand werden immer lauter. Fachleute machen verschiedene Vorschläge. Gut zwei Wochen ist der Shutdown in Deutschland alt, liegt ein Großteil des Wirtschaftslebens brach. Während die Bundesregierung es tunlichst vermeiden will, über eine Exitstrategie zu sprechen, wird der Ruf nach einer raschen Lockerung des Stillstands aus der Wirtschaft lauter. Den Anfang machte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. „Im Mai sollten wir nach und nach wieder loslegen können, wenn der Infektionsverlauf dieses wie erwartet zulässt“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Bis zum Sommer sollte Deutschland die Kurzarbeit dann „im Wesentlichen“ hinter sich lassen, so Kramer. Ein Vorbild sehen manche im Nachbarland Österreich. Dort deutete die Regierung am Freitag an, dass bald wieder mehr Geschäfte geöffnet werden könnten. Man werde Pläne für das langsame Hochfahren nächste Woche vorstellen, sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Details nannte er zwar noch nicht. Aber Handelsgeschäfte hätten „gute Chancen“ früher dabei zu sein als etwa große Sportveranstaltungen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Julia Löhr
  • Desinformation aus Russland: „Händewaschen nutzt nichts“
    In den vergangenen zwei Monaten hat der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) 152 Fälle von Desinformation im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert, die er dem Kreml nahestehenden Quellen zuordnet. Das geht aus dem jüngsten Bericht der sogenannten East Stratcom Taskforce hervor, einer Arbeitsgruppe, die täglich Dutzende Print- und Rundfunkbeiträge sowie Nachrichtenseiten im Internet analysiert, die russischen Ursprungs sind. Ausgewertet wurden Beiträge, die zwischen dem 22. Januar – da war gerade die erste Infektion in Amerika belegt worden – und dem 25. März erschienen sind. Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel. Insgesamt 39 Beiträge enthielten die Behauptung, dass das Virus als biologische Waffe in amerikanischen Labors entwickelt worden sei. In 24 Beiträgen hieß es explizit, dass das Virus als Waffe gegen China eingesetzt worden sei. In 26 Beiträgen wurde das Narrativ verbreitet, dass die EU der Corona-Krise nicht standhalte und zusammenbreche; vor allem im Zusammenhang mit Berichten über russische Hilfe an Italien. Mehrere Beiträge enthielten irreführende Behauptungen zum Gesundheitsschutz. Etwa, dass das Virus verschwindet, wenn man eine Kochsalzlösung inhaliert, oder dass „Händewaschen nichts nutzt“. Diese letzte Behauptung wurde vom deutschsprachigen Dienst des staatlichen Nachrichtenportals Sputnik über Facebook und Twitter verbreitet. Auch andere Fälle gehen auf Sputnik zurück, das in etlichen Sprachen präsent ist, auch auf Arabisch. Eine weitere Quelle sind die staatlichen russischen Fernsehsender Kanal eins und Rossija 24 und der Auslandssender RT. „Besorgniserregende“ Zahl Regelmäßig vertreten sind englischsprachige Internetseiten wie New Eastern Outlook, Oriental Review, South Front und One World Global Think Tank, die nach Angaben des EAD allesamt in Russland ansässig sind und von dort gemanagt werden. Der Dienst spricht immer dann von einem Fall russischer Desinformation, wenn die Botschaft „nachweisbar falsch oder irreführend“ ist und wenn sie aus einer Quelle stammt, die entweder vom Kreml finanziert wird oder einen „klaren Bezug zur Russischen Föderation“ hat. Diese Definition ist denkbar weit, was auch zu Kritik führt. Denn nicht immer ist die Einstufung „kremlnah“ evident, mitunter gehören Portale auch Personen, die sich von Putin abgewendet haben, trotzdem aber anti-westlich eingestellt sind. Außerdem wertet der EAD auch eher randständige Quellen aus. Insgesamt verzeichnete der Dienst für die 152 Fälle 264.000 Interaktionen in sozialen Medien, also Weiterempfehlungen, Kommentare und Likes. Er spricht von einer „besorgniserregenden“ Zahl, „insbesondere weil es sich um ein Thema handelt, wo Desinformation lebensgefährliche Folgen haben kann“. Sehr hoch ist die Zahl freilich nicht. Allerdings lässt sich so auch nicht messen, wie oft ein Narrativ von anderen gedankenlos übernommen wird und sich so im Mainstream etablieren kann. Klare Absicht Ein treffendes Beispiel für das gegen die EU gerichtete Narrativ ist ein Beitrag, der am vorigen Sonntag auf der Internetseite One World erschien. Die „EU ist an ihrem Ende“, stand dort zu lesen, wie das Römische Imperium nach dem Einfall der Vandalen. „Die EU-Staaten sind nicht in der Lage, einander zu helfen, stattdessen bekommen sie Hilfe aus Russland und China.“ Schon vor langer Zeit sei das Gesundheitssystem zusammengebrochen: „Sie haben keine Masken, keine elektronischen Fieberthermometer und haben das Kriegsrecht eingesetzt.“ FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren Alle Behauptungen sind einseitig, wenn nicht komplett falsch: An Fieberthermometern mangelt es nicht, und der zivile Ausnahmezustand ist in der Regel nicht mit Kriegsrecht identisch. Dass sich die EU-Staaten untereinander nicht halfen, traf am Anfang der Krise zu, inzwischen gibt es aber etliche Beispiele dafür. Die propagandistische Absicht wird spätestens bei der Prognose klar: „Russland und China werden weiter aufsteigen, und mehr und mehr EU-Staaten werden erfahren, dass Brüderlichkeit nicht existiert.“ Kritik wird umgedreht Viele Berichte beziehen sich auf den Ausnahmezustand in EU-Staaten. Der wird nicht als Vorsichtsmaßnahme zum Gesundheitsschutz dargestellt, sondern als Form der Unterdrückung. So war am Mittwoch im englischen Dienst von Sputnik von „autoritären Trends“ zu lesen: „Es hat keinen Streit gegeben. Es hat keine politische Debatte gegeben. Aber der Staat hat gewonnen, und daraus wird alles andere folgen.“ Die Internetseite southfront.org schrieb am Dienstag von einem „großangelegten sozio-kulturellen Experiment, das herausfinden soll, wie viel Repression die Menschen bereit sind zu ertragen“. Leicht zu erkennen ist, dass hier westliche Kritik an Russland umgedreht und gegen Europa und Amerika verwendet wird. Nachdem auch der Kreml Einschränkungen angeordnet hat, schwenken staatliche russische Medien schon um. In den Mittelpunkt rücken jetzt Berichte, schreibt der EAD, die Russlands gute Vorbereitung auf den Ausbruch des Coronavirus thematisieren.    Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Thomas Gutschker
  • Gastbeitrag zu Corona-Experten: Wer verdient Vertrauen?
    Der Deutsche Ethikrat hat mit Recht betont, dass nicht die Wissenschaft, sondern die demokratisch gewählten Repräsentanten die politischen Entscheidungen über Ausgangssperren oder Schulschließungen treffen. Dabei müssen nicht nur medizinische und wirtschaftliche Fakten berücksichtigt werden, sondern es muss auch normativ abgewogen werden, wie der Schutz der Gesundheit, Freiheitsrechte und der dauerhafte Wohlstand gegeneinander gewichtet werden. Dennoch ist wissenschaftliche Beratung unentbehrlich. Die politischen Entscheidungen sollen auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Daten, Prognosen und Empfehlungen erfolgen. Anders als in den Vereinigten Staaten, wo der Präsident die Lungenkrankheit Covid-19 anfangs noch für einen „Trick“ der Demokraten hielt, und anders als in Brasilien, wo der dortige Präsident sogar zum Boykott der von den Gouverneuren aufgrund von Expertenempfehlungen verhängten Ausgangssperren aufgerufen hat, ist die derzeitige Stimmung in Deutschland uneingeschränkt expertenfreundlich. Keine Talkshow kommt ohne Virologinnen oder Epidemiologen aus, Wissenschaftler loben Gesundheitsminister Jens Spahn dafür, dass er seine Entscheidungen in engster Abstimmung mit den medizinischen Experten trifft. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020
  • Italienische Krankenschwester: Sie hat das Lachen nicht verlernt
    Das mit dem Berühmtwerden hatte sich Elena Pagliarini anders vorgestellt. Nämlich als Siegerin der rasend populären Koch-Show „La prova del cuoca“ beim Fernsehsender Rai 1. Das jedenfalls hat sie in Gesprächen mit mehreren italienischen Zeitungen vom Freitag gestanden. Doch um ihr potentiell siegreiches Gericht (Kartoffel-Gnocchi) zuzubereiten, wäre „noch einiges Training nötig“, gab sie zu: „Und zuallererst müsste ich mir einen Kartoffelstampfer kaufen.“ Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom. Elena Pagliarini hat das Lachen nicht verlernt. Es geht ihr jetzt auch wieder besser. Bekannt wurde die Krankenschwester in ganz Italien und über die Landesgrenzen hinaus durch ein Foto, das ihre Kollegin im Krankenhaus von Cremona, die Ärztin Francesca Mangiatordi, von ihr aufgenommen und auf Facebook verbreitet hatte. Die Aufnahme zeigt Elena Pagliarini schlafend. Ihr Kopf liegt auf dem Schreibtisch vor einer Tastatur. Den Mundschutz, das Haarnetz und den Schutzanzug hat sie nicht einmal ablegen können, ehe sie erschöpft nach einer langen Schicht einfach zusammengesunken ist. Das Foto entstand am 8. März, dem Weltfrauentag, nach der Nachtschicht um sechs Uhr früh. Zwei Tage später wurde Elena Pagliarini positiv auf das Coronavirus getestet. Sie hatte sich ganz offensichtlich beim Versorgen von Covid-19-Patienten selbst mit dem Virus infiziert. So wie insgesamt mehr als 10.000 Ärzte, Pfleger und andere Mitarbeiter im italienischen Gesundheitswesen. Bis Freitag starben nach italienischen Medienberichten 68 Ärzte – ganz überwiegend Männer –, 23 Pfleger und Schwestern sowie Dutzende Sanitäter und Notarztwagenfahrer an der durch das Coronavirus verursachten Lungenkrankheit. Geschmackssinn noch nicht zurückgekehrt Elena Pagliarini gesteht, dass sie nach dem positiven Test Todesangst hatte. „Ich habe gleich meine Tasche fürs Krankenhaus gepackt. Ich hatte Angst, intubiert werden zu müssen, konnte keinen klaren Gedanken fassen. Die meisten Leute hatten seinerzeit noch keine Ahnung, aber ich wusste, was es mit dieser Krankheit auf sich hat.“ Doch Elena Pagliarini konnte bald wieder nach Hause gehen. Seit dem 13. März kuriert sie die Krankheit in der „häuslichen Isolation“ aus, wie diese Art von Alleinsein mit dem Virus offiziell heißt. „Es ging mir schlecht“, erzählt sie, „aber jetzt bin ich darüber hinweg.“ F.A.Z.-Newsletter für Deutschland Jeden Morgen ordnen unsere Redakteure die wichtigsten Themen des Tages ein. Relevant, aktuell und unterhaltsam. Der Geruchs- und Geschmackssinn seien noch nicht zurückgekehrt, berichtet sie. „Die Quarantäne ist eine Last. Ich habe viel gelesen. Und alle Schränke umgeräumt.“ Einen ersten negativen Test hat sie schon erfolgreich absolviert. Erst nach zwei aufeinanderfolgenden Tests mit negativem Ergebnis gilt die Covid-19-Erkrankung als vollständig ausgeheilt. „Ich kann es kaum erwarten, wieder zur Arbeit zu gehen“, sagt sie. Dass sie nicht als Siegerin einer Koch-Show im Fernsehen berühmt wurde, sondern durch ein Foto, findet die Krankenschwester inzwischen in Ordnung: „Vor der Epidemie hatten die Leute keine hohe Meinung vom medizinischen Personal, von Ärzten und Pflegern, von allen Mitarbeitern in Kliniken. Nach der Geschichte mit dem Coronavirus hat das Land verstanden, wie wichtig wir sind. Nun bin ich zum Symbol geworden. Wenn es das gebraucht hat, dann soll es so sein. Schließlich wird nicht jeder berühmt.“ Am Freitag titelte die Zeitung „La Repubblica“, unter den Porträts von drei Ärzten und Pflegern mit Schutzanzug, Atemschutz und Brille: „Die neuen Helden.“ Darunter stand: „Wenn wir gewinnen, dann haben wir es ihnen zu verdanken. Zehntausend haben sich angesteckt. Ohne Schutzanzüge haben sie sich geopfert, um tausende Menschen zu retten.“ Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Matthias Rüb
  • Die Leiden deutscher Unternehmen in China
    Nun auch noch Liebesentzug. Das Schlimmste, klagen deutsche Manager in China, sei nicht, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach ihrer Vollbremsung Ende Januar viel langsamer wieder in Fahrt kommt als erhofft und den Niederlassungen deutscher Maschinenbauer und Autohersteller weiter Umsatzeinbrüche beschert. Auch die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Peking und Schanghai bereitet nicht die größten Sorgen – auch wenn unangenehm ist, dass Chinesen den Fahrstuhl verlassen, sobald ein Ausländer einsteigt, oder vor diesem auf dem Bürgersteig auf die andere Straßenseite flüchten. Denn groß ist die Angst im Land, dass das Coronavirus nun von jenseits der Landesgrenzen ins Land re-importiert werden und eine zweite Welle an Infektionen auslösen könnte. All das ist nicht so unangenehm wie das plötzliche Desinteresse der deutschen Konzernzentralen an ihren Tochtergesellschaften in Fernost. „Seitdem in Deutschland ein Unternehmen nach dem anderen Staatshilfe beantragt, interessiert sich dort kaum noch jemand für das, was in China geschieht“, berichtet ein Berater, der deutschen Mittelständlern im Reich der Mitte den Weg zu öffnen versucht auf den größten Absatzmarkt des Planeten. Dabei könnten die Tochtergesellschaften in China möglicherweise die einzigen in diesem Jahr sein, die in den Konzernen noch Gewinn erzielen, wenn der Rest der Weltwirtschaft in eine Rezession sinkt. Doch auf Kapitalspritzen oder gar grünes Licht zu Expansionsplänen in Fernost dürfen die Abgesandten von der Mutterzentrale in der Heimat nicht hoffen. Als hätten es die deutschen Unternehmen auf ihrem (einstigen) Hoffnungsmarkt China nicht schon schwer genug. Deren Geschäft sei „immer noch weit entfernt“ von der Normalität, konstatiert die Deutsche Handelskammer, die eine Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen gemacht hat. Zwar seien die Firmen technisch in der Lage, fast wieder auf Vorkrisenniveau zu produzieren. Beschäftigte kehrten mehr und mehr aus der Quarantäne in ihren Heimatorten an den Arbeitsplatz zurück. F.A.Z.-Newsletter Coronavirus Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach. Die Kammer beklagt aber, dass China das Land selbst für solche Ausländer abgeriegelt hat, die über ein gültiges Visum und ihren Wohnsitz im Land haben und nun nicht mehr an ihren Arbeitsplatz in den deutschen Firmen zurückkommen. Besonders die Spezialisten aus der Bundesrepublik fehlen, ist aus der Wirtschaft zu vernehmen. Die Leute also, die in den chinesischen Fabriken nun die komplizierten Maschinen nicht wieder in Gang setzen können. Andererseits verbessert sich die Versorgung mit Teilen von Zuliefern, nachdem eineinhalb Monate lang überall im Land Autobahnstraßen gesperrt waren, keine Frachtflugzeuge flogen und Züge fuhren. Doch auch wenn diese „Angebotskrise“ überwunden scheint, die es den Unternehmen nahezu unmöglich machte, überhaupt etwas zu produzieren, ist es nun die mangelnde Nachfrage nach den Waren und Gütern, die die Fabriken nicht auslastet. Während in einer Umfrage aus dem Februar noch deutlich weniger Unternehmen davon ausgingen, dass ihre Erlöse im ersten Halbjahr mindestens um einen zweistelligen Prozentbetrag im Vergleich zum Vorjahr einbrechen werden, rechnen nun zwei Drittel aller deutschen Firmen in China mit Einbußen in dieser gewaltigen Größenordnung. Nicht nur die Märkte in Europa und Amerika sind weggebrochen, auch in der Volksrepublik kommt die Kauflust der Konsumenten nicht in Gang. So stieg der am Freitag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor des Wirtschaftsmagazins Caixin zwar von einem Rekordtief von 26,5 Punkten im Februar im März auf 43 Punkte. Doch das ist immer noch der zweitschwächste Wert seit Beginn der Erhebung Ende des Jahres 2005. Werte unter 50 Punkte bedeuten eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik. Dass sich die Regierung in Peking bisher trotzdem sträubt, ähnlich große Konjunkturpakete wie Europa zu verkünden oder die ihr unterstellte Zentralbank die Zinsen auf null senken zu lassen wie es die amerikanische Federal Reserve getan hat, stößt den deutschen Unternehmen sauer auf. Obwohl das Land hochverschuldet sei, müsse Peking handeln, fordern deutsche Unternehmen. „Die chinesische Wirtschaft braucht mehr Konjunkturhilfen, um sich schneller zu erholen, besonders angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Lage“, sagt Maximilian Butek von der Kammer in Südchina, dem Zentrum der chinesischen Exportindustrie. Am Freitag dann versprach Peking den ausländischen Unternehmen Unterstützung – aber vielleicht nicht ganz in dem Sinne, wie sich diese die Hilfe erhofft hatten. Die Regeln für ausländische Investitionen im Land sollten gelockert werden, teilte das Handelsministerium mit. So solle die Zahl der Branchen, die in einer so genannten Negativliste geführt werden und an denen sich ausländischen Geldgeber nur sehr beschränkt beteiligen dürfen, verringert werden. „Die rasche Ausbreitung des Coronavirus in Übersee hat neue negative Folgen auf unsere Bemühungen, ausländisches Kapital anzuziehen“, sagte Zong Changqing, Direktor der Abteilung für ausländische Investitionen im Handelsministerium. Im Februar waren die ausländischen Direktinvestitionen in China um mehr als ein Viertel eingebrochen. Nun will Peking vor allem Investitionen der Ausländer im Technologiesektor fördern. Die Frage ist nur, ob diese in der derzeitigen Lage überhaupt kommen werden nach China – und was sie an Kapital mitbringen. Angesichts der Verwerfungen in der Heimat, fürchten die deutschen Manager in Schanghai und Peking, könnte es mit der Lust am großen Geldausgeben im Reich der Mitte erst einmal vorbei sein. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Hendrik Ankenbrand
  • Großbritannien und das Virus: Brexit, welcher Brexit?
    Unter erschwerten Bedingungen: ein britischer Bauarbeiter in London Bild: dpa Die Corona-Krise verdrängt frühere Sorgen auf der britischen Insel, die EU ohne Handelsvertrag zu verlassen. Anhängern eines harten Brexit könnte das in die Hände spielen. Zurzeit wird eine Karikatur im Netz herumgeschickt, die ein älteres Ehepaar auf dem Wohnzimmersofa zeigt. Im Fernseher laufen die neuesten Corona-Nachrichten, auf dem Tisch stapeln sich Zeitungen mit Schlagzeilen über das Virus, und der Mann grummelt: „Mein Gott, wie ich den Brexit vermisse!“ Seit dem Ausbruch der Pandemie redet im Königreich so gut wie niemand mehr vom Austritt aus der EU. Gelegentlich schlägt ein Labour-Politiker vor, jetzt wenigstens die Handelsgespräche aufzuschieben, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen, aber das findet kaum Widerhall. Die jüngste Verhandlungsrunde wurde abgesagt. Ob es im April weitergeht, bleibt schon deswegen fraglich, weil sich die Verhandlungsführer beider Seiten in virusbedingter Selbstisolation befinden. Eine Verlängerung der Gespräche (und damit der Übergangsphase) um ein oder zwei Jahre wäre möglich, wenn sie der Premierminister bis zum 30. Juni anfragt. Einige Ministerien sollen sich für alle Fälle auf einen Aufschub vorbereiten, doch öffentlich zeigt sich Boris Johnson bisher uninteressiert, und die Konzentration auf das Virus lässt wenig Raum für Empörung. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020By Jochen Buchsteiner
  • Die Sterberate steigt – aber die Eindämmung funktioniert
    Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Freitag mit 79.696 angegeben – ein Plus von 6174 seit dem Vortag. Das entspricht einer Infektionsrate von 96 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die in den Vereinigten Staaten ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 84.794 Infizierte. Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte bislang 1017 Todesfälle (145 mehr als am Vortag), die JHU 1107 Tote. Insgesamt geht das RKI von fast 24.000 Menschen aus, die bereits wieder genesen sind. (Warum die Zahlen von Johns Hopkins Institut und RKI auseinander gehen, können Sie hier nachlesen.) „Wir stehen immer noch am Anfang der Epidemie und dürfen nicht nachlassen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Es bleibe das oberste Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen. Dazu müssten Infizierte weiter frühzeitig erkannt und isoliert sowie deren Kontaktpersonen ermittelt werden. Die Kontaktverbote und weiteren Einschränkungen wirken offenbar. Es sei gelungen,die Reproduktionszahl des Virus auf eins zu drücken, teilte Wieler mit. Das bedeutet, dass ein Infizierter nur jeweils einen andere Person ansteckt. Wenn das so bliebe, wäre mit einer konstant bleibenden Zahl der Corona-Infektionen zu rechnen. Die Hoffnung lautet aber, dass die Reproduktionszahl bald unter eins sinkt. Wenn sie das tut, würde die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern eingedämmt. Irgendwann gäbe es dann keine Infizierten mehr in Deutschland – allerdings nur so lange, wie das Virus nicht abermals eingeschleppt würde. Großteil der Verstorbenen älter als 70 Jahre Für Entwarnung ist es ohnehin zu früh. Laut Wieler schwankt die Infektionsrate innerhalb der Bundesländer stark. So gebe es in Bayern 155 Infektionen pro 100.000 Einwohner und in Hamburg einen Wert von 141. In Mecklenburg-Vorpommern liege der Wert dagegen bei 29. Insgesamt würden 8000 Menschen, die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind, derzeit in Krankenhäusern behandelt, etwa 2500 von ihnen seien dabei an Beatmungsgeräte angeschlossen. Im Durchschnitt dauert es derzeit neun Tage, dass sich die Zahl der Infektionen verdoppelt. Noch am vergangenen Wochenende lag der Wert bei fünf Tagen. Aus der Bundesregierung hat es geheißen, dass eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen erst erwogen werden könne, wenn sich die Zahl der Infektionen nur noch alle zehn bis vierzehn Tage verdoppelt. Insofern ist Deutschland auf einem guten Weg; es gibt aber auch hier große regionale Unterschiede. Das Durchschnittsalter der in Deutschland Infizierten liegt den RKI-Daten zufolge bei 48 Jahren. Männer (51 Prozent) und Frauen (49 Prozent) seien fast gleichmäßig betroffen. Das Durchschnittsalter der an Covid-19 Verstorbenen liegt bei ziemlich genau 80 Jahren. Mehr als 800 Tote seien über 70 Jahre alt gewesen, es gebe aber auch 55 Fälle, bei denen der oder die Verstorbene jünger als 60 Jahre gewesen sei. Die Sterberate liegt laut Wieler derzeit bei 1,2 Prozent. Am Dienstag hatte sie noch bei 0,8 Prozent gelegen. „Wir müssen davon ausgehen, dass mehr Menschen sterben werden und die Rate weiter ansteigt“, sagte Wieler. Er geht von einer schrittweisen Lockerung der Maßnahmen aus: „Ich gehe nicht davon aus, dass alles auf einmal wieder eröffnet wird.“ Risikogruppen müsse man aber weiterhin besonders schützen. Außerdem müsse die Kapazität der gesundheitlichen Versorgung weiter erhöht werden. Der RKI-Chef, wies abermals darauf hin, dass das Tragen von Behelfsmasken nicht vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schütze. Eine solche Maske könne allenfalls helfen, eigene Tröpfchen zurückzuhalten und andere damit vor einer Infektion zu schützen, sagt Wieler in Berlin. Wichtig sei, wenn jemand Symptome zeige, müsse diese Person unbedingt zu Hause bleiben. Gegenüber der F.A.Z. hatte die Sprecherin der Robert-Koch-Instituts Susanne Glasmacher bereits am Donnerstag erklärt, dass das RKI seine Informationen zum Tragen eines Mundschutzes lediglich erweitert und nicht grundlegend geändert habe. FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren „Wenn Menschen eine solche Maske tragen, ist es wichtig, dass sie sich nicht regelmäßig ins Gesicht fassen und die Maske zurecht rücken“, sagte Wieler. Niemand solle sich durch das Tragen einer Maske in falscher Sicherheit wiegen. „Es kann sonst mehr schaden als nutzen“. Für die Bevölkerung gelte weiterhin, dass das gegenseitige Abstandhalten von mindestens anderthalb Metern das wichtigste Gebot sei. Das gelte im Besonderen für Busse und Bahnen. „Wo immer es möglich ist, sollte die Taktung von öffentlichen Verkehrsmitteln erhöht werden oder mehr Waggons eingesetzt werden“, sagte Wieler. Unterdessen sind die Kapazitäten für schwerkranke Covid-19-Patienten in Deutschland nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, ausreichend. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die nächsten zehn, 14 Tage schaffen werden, dass es gelingen wird, jedem Patienten, der einen Beatmungsplatz braucht, einen solchen zu ermöglichen“, sagt Gaß in einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv. Es seien noch gut 10.000 Beatmungsplätze frei. Zudem geht der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) davon aus, dass noch das ganze Jahr mit Einschränkungen durch die Corona-Krise zu rechnen ist. Zwar sei eine Lockerung des sogenannten Lockdowns im April oder Mai möglich, sagte er am Freitag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. „Aber die Beschränkungen, Abstandsregelungen, die Veränderung unserer Lebensgewohnheiten – ich fürchte, das wird uns das ganze Jahr über begleiten.“ Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020
  • RKI geht von schrittweiser Aufhebung der Maßnahmen aus
    Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Freitag mit 79.696 angegeben – ein Plus von 6174 seit dem Vortag. Das entspricht einer Infektionsrate von 96 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die in den Vereinigten Staaten ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 84.794 Infizierte. Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte bislang 1017 Todesfälle (145 mehr als am Vortag), die JHU 1107 Tote. Insgesamt geht das RKI von fast 24.000 Menschen aus, die bereits wieder genesen sind. (Warum die Zahlen von Johns Hopkins Institut und RKI auseinander gehen, können Sie hier nachlesen.) Laut RKI-Präsident Lothar Wieler schwankt die Infektionsrate innerhalb der Bundesländer stark. So gebe es in Bayern 155 Infektionen pro 100.000 Einwohner und in Hamburg einen Wert von 141. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Wert dagegen bei 29. Insgesamt würden 8000 Menschen, die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind, derzeit in Krankenhäusern behandelt, etwa 2500 von ihnen seien dabei an Beatmungsgeräte angeschlossen. Die für eine Lockerung der von der Bundesregierung verfügten Einschränkungsmaßnahmen im Alltag so wichtige Verdopplungsrate der Infektionszahlen liegt in Deutschland derzeit bei neun Tagen. In den vergangenen Tagen hat sich diese Zahl von am vergangenen Wochenende noch fünf Tagen schrittweise erhöht. Allerdings gibt es auch bei der Verdopplungsrate regionale Unterschiede. Großteil der Verstorbenen über 70 Jahre alt Das Durchschnittsalter der in Deutschland Infizierten liegt den RKI-Daten zufolge bei 48 Jahren. Männer (51 Prozent) und Frauen (49 Prozent) seien fast gleichmäßig betroffen. Das Durchschnittsalter der an Covid-19 Verstorbenen liegt bei ziemlich genau 80 Jahren. Mehr als 800 Tote seien über 70 Jahre alt gewesen, es gebe aber auch 55 Fälle, bei denen der oder die Verstorbene jünger als 60 Jahre gewesen sei. Die Sterberate liegt laut Wieler derzeit bei 1,2 Prozent. Am Dienstag hatte sie noch bei 0,8 Prozent gelegen. „Wir müssen davon ausgehen, dass mehr Menschen sterben werden und die Rate weiter ansteigt“, sagte Wieler. Er geht von einer schrittweisen Lockerung der Maßnahmen aus: „Ich gehe nicht davon aus, dass alles auf einmal wieder eröffnet wird.“ FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren Der RKI-Chef, wies abermals darauf hin, dass das Tragen von Behelfsmasken nicht vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schütze. Eine solche Maske könne allenfalls helfen, eigene Tröpfchen zurückzuhalten und andere damit vor einer Infektion zu schützen, sagt Wieler in Berlin. Wichtig sei, wenn jemand Symptome zeige, müsse diese Person unbedingt zu Hause bleiben. Gegenüber der F.A.Z. hatte die Sprecherin der Robert-Koch-Instituts Susanne Glasmacher bereits am Donnerstag erklärt, dass das RKI seine Informationen zum Tragen eines Mundschutzes lediglich erweitert und nicht grundlegend geändert habe. „Wenn Menschen eine solche Maske tragen, ist es wichtig, dass sie sich nicht regelmäßig ins Gesicht fassen und die Maske zurecht rücken“, sagte Wieler. Niemand solle sich durch das Tragen einer Maske in falscher Sicherheit wiegen. „Es kann sonst mehr schaden als nutzen“. Für die Bevölkerung gelte weiterhin, dass das gegenseitige Abstandhalten von mindestens anderthalb Metern das wichtigste Gebot sei. Das gelte im Besonderen für Busse und Bahnen. „Wo immer es möglich ist, sollte die Taktung von öffentlichen Verkehrsmitteln erhöht werden oder mehr Waggons eingesetzt werden“, sagte Wieler. „Wir stehen immer noch Anfang der Epidemie und dürfen nicht nachlassen.“ Es bleibe das oberste Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen. Dazu müssten Infizierte weiter frühzeitig erkannt und isoliert sowie deren Kontaktpersonen zurückverfolgt werden. Risikogruppen gelte es laut Wieler weiterhin besonders zu schützen. Außerdem müsse die Kapazität der gesundheitlichen Versorgung weiter erhöht werden. Dennoch hofft Wieler in den nächsten Tagen auf ein Nachlassen der Epidemie. Die Einschränkungen würden wirken und es sei gelungen,die Reproduktionsrate bei den Infektionen auf eins zu drücken. Das heißt, dass ein Infizierter nur jeweils einen wieder ansteckt. Er hoffe, dass die Zahl in den nächsten Tagen unter eins sinke. In dem Fall geht dann über die Zeit auch die Zahl der Erkrankungen zurück. Unterdessen sind die Kapazitäten für schwerkranke Covid-19-Patienten in Deutschland nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, ausreichend. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die nächsten zehn, 14 Tage schaffen werden, dass es gelingen wird, jedem Patienten, der einen Beatmungsplatz braucht, einen solchen zu ermöglichen“, sagt Gaß in einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv. Es seien noch gut 10.000 Beatmungsplätze frei. Zudem geht der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) davon aus, dass noch das ganze Jahr mit Einschränkungen durch die Corona-Krise zu rechnen ist. Zwar sei eine Lockerung des sogenannten Lockdowns im April oder Mai möglich, sagte er am Freitag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. „Aber die Beschränkungen, Abstandsregelungen, die Veränderung unserer Lebensgewohnheiten – ich fürchte, das wird uns das ganze Jahr über begleiten.“ Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020
  • RKI geht von schrittweiser Aufhebung der Maßnahmen aus
    Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Freitag mit 79.696 angegeben – ein Plus von 6174 seit dem Vortag. Das entspricht einer Infektionsrate von 96 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die in den Vereinigten Staaten ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 84.794 Infizierte. Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte bislang 1017 Todesfälle (145 mehr als am Vortag), die JHU 1107 Tote. Insgesamt geht das RKI von fast 24.000 Menschen aus, die bereits wieder genesen sind. (Warum die Zahlen von Johns Hopkins Institut und RKI auseinander gehen, können Sie hier nachlesen.) Laut RKI-Präsident Lothar Wieler schwankt die Infektionsrate innerhalb der Bundesländer stark. So gebe es in Bayern 155 Infektionen pro 100.000 Einwohner und in Hamburg einen Wert von 141. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Wert dagegen bei 29. Insgesamt würden 8000 Menschen, die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind, derzeit in Krankenhäusern behandelt, etwa 2500 von ihnen seien dabei an Beatmungsgeräte angeschlossen. Die für eine Lockerung der von der Bundesregierung verfügten Einschränkungsmaßnahmen im Alltag so wichtige Verdopplungsrate der Infektionszahlen liegt in Deutschland derzeit bei neun Tagen. In den vergangenen Tagen hat sich diese Zahl von am vergangenen Wochenende noch fünf Tagen schrittweise erhöht. Allerdings gibt es auch bei der Verdopplungsrate regionale Unterschiede. Großteil der Verstorbenen über 70 Jahre alt Das Durchschnittsalter der in Deutschland Infizierten liegt den RKI-Daten zufolge bei 48 Jahren. Männer (51 Prozent) und Frauen (49 Prozent) seien fast gleichmäßig betroffen. Das Durchschnittsalter der an Covid-19 Verstorbenen liegt bei ziemlich genau 80 Jahren. Mehr als 800 Tote seien über 70 Jahre alt gewesen, es gebe aber auch 55 Fälle, bei denen der oder die Verstorbene jünger als 60 Jahre gewesen sei. Die Sterberate liegt laut Wieler derzeit bei 1,2 Prozent. Am Dienstag hatte sie noch bei 0,8 Prozent gelegen. „Wir müssen davon ausgehen, dass mehr Menschen sterben werden und die Rate weiter ansteigt“, sagte Wieler. Er geht von einer schrittweisen Lockerung der Maßnahmen aus: „Ich gehe nicht davon aus, dass alles auf einmal wieder eröffnet wird.“ FAZ.NET komplett Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Spezialangebot: Für Neukunden jetzt nur 1 € pro Woche für die kommenden vier Monate. Mehr erfahren Der RKI-Chef, wies abermals darauf hin, dass das Tragen von Behelfsmasken nicht vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schütze. Eine solche Maske könne allenfalls helfen, eigene Tröpfchen zurückzuhalten und andere damit vor einer Infektion zu schützen, sagt Wieler in Berlin. Wichtig sei, wenn jemand Symptome zeige, müsse diese Person unbedingt zu Hause bleiben. Gegenüber der F.A.Z. hatte die Sprecherin der Robert-Koch-Instituts Susanne Glasmacher bereits am Donnerstag erklärt, dass das RKI seine Informationen zum Tragen eines Mundschutzes lediglich erweitert und nicht grundlegend geändert habe. „Wenn Menschen eine solche Maske tragen, ist es wichtig, dass sie sich nicht regelmäßig ins Gesicht fassen und die Maske zurecht rücken“, sagte Wieler. Niemand solle sich durch das Tragen einer Maske in falscher Sicherheit wiegen. „Es kann sonst mehr schaden als nutzen“. Für die Bevölkerung gelte weiterhin, dass das gegenseitige Abstandhalten von mindestens anderthalb Metern das wichtigste Gebot sei. Das gelte im Besonderen für Busse und Bahnen. „Wo immer es möglich ist, sollte die Taktung von öffentlichen Verkehrsmitteln erhöht werden oder mehr Waggons eingesetzt werden“, sagte Wieler. „Wir stehen immer noch am Anfang der Epidemie und dürfen nicht nachlassen.“ Es bleibe das oberste Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen. Dazu müssten Infizierte weiter frühzeitig erkannt und isoliert sowie deren Kontaktpersonen zurückverfolgt werden. Risikogruppen gelte es laut Wieler weiterhin besonders zu schützen. Außerdem müsse die Kapazität der gesundheitlichen Versorgung weiter erhöht werden. Dennoch hofft Wieler in den nächsten Tagen auf ein Nachlassen der Epidemie. Die Einschränkungen würden wirken und es sei gelungen,die Reproduktionsrate bei den Infektionen auf eins zu drücken. Das heißt, dass ein Infizierter nur jeweils einen wieder ansteckt. Er hoffe, dass die Zahl in den nächsten Tagen unter eins sinke. In dem Fall geht dann über die Zeit auch die Zahl der Erkrankungen zurück. Unterdessen sind die Kapazitäten für schwerkranke Covid-19-Patienten in Deutschland nach Ansicht des Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, ausreichend. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die nächsten zehn, 14 Tage schaffen werden, dass es gelingen wird, jedem Patienten, der einen Beatmungsplatz braucht, einen solchen zu ermöglichen“, sagt Gaß in einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv. Es seien noch gut 10.000 Beatmungsplätze frei. Zudem geht der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) davon aus, dass noch das ganze Jahr mit Einschränkungen durch die Corona-Krise zu rechnen ist. Zwar sei eine Lockerung des sogenannten Lockdowns im April oder Mai möglich, sagte er am Freitag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. „Aber die Beschränkungen, Abstandsregelungen, die Veränderung unserer Lebensgewohnheiten – ich fürchte, das wird uns das ganze Jahr über begleiten.“ Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020
  • Ein alter Impfstoff gegen Tuberkulose soll nun Ärzte und Pflegekräfte vor einerbInfektion schützen.
    Die Angst arbeitet mit. Sie zeigt sich nicht öffentlich und passt nicht ins Bild von den bis zur Erschöpfung arbeitenden Schwestern, Pflegern und Ärzten. Doch ihre Furcht vor Sars-CoV-2 kommt an bei Leander Grode: überall die E-Mails und Anrufe, in denen Ärzte und Pflegekräfte ihn bitten, auch an dieser Studie teilnehmen zu dürfen. Leander Grode ist Geschäftsführer der Vakzine Projekt Management GmbH (VPM) in Hannover und vermittelt Impfstoffe. Die genießen in Zeiten von Covid-19 höchste Aufmerksamkeit, aber VPM hat kaum jemand auf dem Schirm: „Wir fokussieren uns auf Vakzine aus kleinen Forschungsunternehmen oder Universitäten, die auf der Suche nach Partnern für die Weiterentwicklung sind“, sagt Grode. Jetzt aber tickt die Welt anders. Das Unternehmen hat einen hundert Jahre alten Tuberkulose-Impfstoff im Programm, in einer verbesserten Form. Und Covid-19 verhilft dieser Vakzine gerade zu einer unverhofften Renaissance, denn sie könnte Menschen vor schweren Verläufen von Covid-19 schützen, falls sie sich mit dem Erreger infizieren. F.A.Z.-Newsletter für Deutschland Jeden Morgen ordnen unsere Redakteure die wichtigsten Themen des Tages ein. Relevant, aktuell und unterhaltsam. Am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin wurde der alte Wirkstoff jetzt mit Hilfe gentechnischer Verfahren so aufgerüstet, dass er noch wirksamer sein könnte. Diese Nachricht genügt in dieser Zeit, dass Grodes Telefon nicht mehr stillsteht. VPM1002, so heißt der von den Berlinern Forschern konzipierte Nachfolger des bekannten Impfstoffs Bacille Calmette-Guérin (BCG), der bis heute einzigen Vakzine gegen Tuberkulose. BCG wurde in den 1920er Jahren von den französischen Wissenschaftlern Albert Calmette und Camille Guérin entwickelt und enthält den abgeschwächten Erreger der Rinder-Tuberkulose. In Ländern, in denen die Tuberkulose grassiert, wird dieser Kleinkindern verabreicht. Billig, aber umstritten Die Spritze ist billig, aber umstritten: BCG schützt nur vor den schlimmsten Formen einer Tuberkulose, in denen Bakterien den gesamten Körper befallen. „In diesen Kindern wirkt der Impfstoff so, wie es die Wissenschaft vorsieht“, erklärt Stefan Kaufmann, der als Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie inzwischen emeritiert ist, aber dort die Weiterentwicklung vorangetrieben hat. BCG gaukelt einen Infekt vor und stimuliert so das Immunsystem. Es bilden sich passende Abwehrzellen, die sich einschalten, sobald es tatsächlich zur Infektion kommt. Doch BCG kann offenbar mehr: Es rüstet auch die unspezifische oder die angeborene Immunabwehr hoch. Das sind jene Zellen, die der Körper auf Patrouille schickt, ohne zu wissen, welcher Erreger ihn bedroht. Der Effekt fiel zuerst den dänischen Epidemiologen Peter Aaby und Christine Stapel Benn auf; BCG schützt offenbar vor vielen Erregern. „Sie beobachteten, dass geimpfte Kinder auch nach Jahren weniger häufig starben als die Ungeimpften“, sagt Kaufmann. Lange wurden die beiden belächelt. 2014 entschied die Weltgesundheitsorganisation jedoch, dass wohl ein Effekt vorhanden sei. Zwei Jahre später veröffentlichte das „British Medical Journal„ einen Review, in dem BCG sowie der Masernimpfung eine generell schützende Wirkung vor Infektionen bescheinigt wurde. Inzwischen ist der doppelte Effekt experimentell bestätigt, und der Immunologe Mihai Netea vom Radboud Universitair Medisch Centrum in Nijmegen glaubt, den Mechanismus hinter diesem Phänomen verstanden zu haben. Sein Team fand heraus, dass BCG auch Monate nach der Impfung noch in der Haut der Geimpften nachzuweisen ist. Dort, sagt er, aktiviere es die angeborene Abwehr. In Griechenland startete er Studien mit älteren Menschen, um sie vor schweren Infektionen wie Influenza zu schützen. Eigentlich sollten in Kürze weitere Studien in den Niederlanden anlaufen. Dann kam Corona – und alles wurde anders. Eine Ansteckung wird damit nicht verhindert Mit den Epidemiologen Marc Bonten von der Universitätsklinik in Utrecht will Netea bald tausend Ärzte und Pflegekräfte in acht niederländischen Kliniken mit BCG impfen, um sie vor schweren Covid-19-Verläufen zu bewahren. Die Infektion beginnt wie andere virale Atemwegsinfekte auch: mit Husten, Atemnot, Fieber, mal leichter, mal ernsthafter. Bei einem Teil der Patienten verschlechtert sich aber dieser Zustand dann in einer zweiten Phase, und davor will man das medizinische Personal, das einem sehr hohem Infektionsrisiko ausgesetzt ist, schützen. „Es ist nicht so, dass die Impfung die Ansteckung verhindern könnte“, sagte die Immunologin Eleanor Fish von der University of Toronto dem Fachmagazin „Science“. Aber sie könne den Verlauf mildern. Stelle sich das als richtig heraus, könne es sogar von Vorteil sein, wenn der Impfstoff die Ansteckung nicht gänzlich verhindere, meint Kaufmann. So könne man die Durchseuchung der Bevölkerung und den damit einhergehenden Schutz für gefährdete Personen etwas sicherer erreichen. Oberstes Ziel sei es aber, mit BCG eine Zwischenlösung anzubieten, bis ein spezifischer Impfstoff entwickelt werde. Ärzteteams in Australien und Großbritannien haben sich den Niederländern angeschlossen und starten in den nächsten Tagen ebenfalls klinische Studien. Deutschland wird in drei Wochen folgen, mit dem aufgerüsteten Impfstoff: Sie hätten BCG ein Protein eingebaut, das es sicherer, zugleich wirksamer mache, erklärt Kaufmann. Das wurde bereits in Studien getestet, doch zugelassen ist der Impfstoff noch nicht. „Deswegen sind die Anträge einfach mit etwas mehr Zeitaufwand verbunden“, sagt VPM-Chef Leander Grode. Bis es so weit ist, wird mit den Bildern aus italienischen und spanischen Krankenhäusern die Furcht vor dem Virus auch bei den deutschen Pflegekräften steigen. In Italien haben sich mittlerweile 2696 Krankenhausmitarbeiter angesteckt, 8,3 Prozent aller Infizierten im Land. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: FAZPubliziert am 03-04-2020