Focus Familie 

  • Scharfe Kritik vom Lehrerverband – Quereinsteiger als Lehrer an Schulen: "Verbrechen an den Kindern"
    Scharfe Kritik vom Lehrerverband: Quereinsteiger als Lehrer an Schulen: "Verbrechen an den Kindern" Der Deutsche Lehrerverband kritisiert, dass die an Grundschulen als Lehrer eingesetzten Quereinsteiger oft unzureichend auf die Tätigkeit vorbereitet seien. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger bezeichnete die aus seiner Sicht ungenügende Ausbildung dieser Kräfte in einem Interview der Zeitung "Die Welt" als "Verbrechen an den Kindern". Er monierte ein "völliges Versagen" der Bundesländer in dieser Frage. Innerhalb von zwei Wochen Uni-Absolventen, "die noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört haben", per Crashkurs zur Grundschullehrkraft auszubilden, "ist doch absurd", sagte Meidinger. Dies zeige, wie gering die Politik die notwendige Berufsprofessionalität von Lehrern schätze. Vielerorts würden Quereinsteiger ohne qualitätssichernde Vorgaben auf die Schüler losgelassen. "Jede gegebene Unterrichtsstunde besser als ausgefallene"Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU), hob jedoch hervor, dass einige Länder auf mittlere Sicht nicht ohne Quereinsteiger auskommen könnten, um den Lehrermangel zu bewältigen. Die Länder seien sich bewusst, dass die Quereinsteiger "auch entsprechend qualifiziert werden müssen", sagte Lorz der "Welt". Im kommenden Jahr würden daher alle Länder ihre Bemühungen weiter verstärken, diese Kräfte gezielt fortzubilden und zu qualifizieren. Richtig bleibe, "dass jede gegebene Unterrichtsstunde besser ist als eine ausgefallene", sagte der CDU-Politiker. Verbal-Attacke von Kubicki: „Neue SPD-Chefs überstehen kein halbes Jahr im Amt“ Lesen Sie auch Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Focus FamiliePubliziert am 30-12-2019
  • Doris Unzeitig im Gespräch – Ex-Direktorin von Brennpunktschule: „Wir fahren eine ganze Generation an die Wand“
    Doris Unzeitig im Gespräch: Ex-Direktorin von Brennpunktschule: „Wir fahren eine ganze Generation an die Wand“ Drohungen, gewalttätige Schüler, aggressive und ignorante Eltern: So sah der Alltag von Doris Unzeitig als Direktorin einer Berliner Brennpunktschule fünf Jahre lang aus. Inzwischen hat sie hingeschmissen. Weil sie sich im Stich gelassen fühlte, wie sie sagt. Die Politik habe auf dem Schulhof versagt. Die Verlierer sind die Kinder. „Eine Reise aus der Idylle in die Niederungen des Großstadt-Dschungels.“ So beschreibt Doris Unzeitig ihren Wechsel von einer Dorfschule im Salzkammergut in den oberösterreichischen Bergen an die Spreewald-Grundschule in Berlin-Schöneberg.Sie liegt in einem Problemkiez, gilt als Brennpunktschule mit extrem vielen Schülern aus extrem schwierigen Verhältnissen. Gewalt, Armut, Drogen, auch Prostitution sind Themen, mit denen sich Lehrer hier auseinandersetzen müssen. Die meisten Kinder stammen aus dem bildungsfernen Milieu, sprechen zuhause öfter Arabisch oder Türkisch als Deutsch und erfahren durch das Elternhaus kaum bis keine Unterstützung in Sachen Schule. Sie zu fördern und zum Lernen zu motivieren – eine Mammutaufgabe für Lehrer.„Wollte keine Bildungspolitikerin werden“Doris Unzeitig wollte sich dieser Herausforderung stellen, ließ sich 2009 aus Österreich dorthin versetzen, von wo die Mehrheit ihrer Kollegen am liebsten ganz schnell wieder wegwollte. Der Alltag an ihrer alten Schule war ihr zu eintönig geworden, zu wenig aufregend, wie sie sagt. „Ich wollte über den Tellerrand meiner Schule in einem 1000-Seelen-Dorf hinausschauen. Ich wollte Dinge verändern, mich für die Kinder einsetzen“, erklärt Unzeitig im Gespräch mit FOCUS Online.Ihr Fazit zehn Jahre später: ernüchternd. Die großen Ambitionen von damals sind passé. „Ich habe den Verwaltungsapparat unterschätzt und die Unterstützung von Vorgesetzten und Politik überschätzt“, sagt die ausgebildete Montessori-Pädagogin. „Ich bin Lehrerin, doch in Berlin habe ich mich oft wie eine Bildungspolitikerin gefühlt. Das wollte ich nie.“ Spannend, aber gerade keine Zeit? Die Gründe dafür sieht Unzeitig im deutschen Schulwesen begründet: Die Kompetenzen seien kompliziert verteilt, die Verfahren lang, das Geld immer knapp. „Vor Ort Dinge zu verändern, ist immens schwierig“, sagt sie. „Teilweise konterkarieren übergeordnete Instanzen ganze Beschlüsse, die in den Schulen helfen könnten.“Kinder, die mit Stöcken aufeinander einprügelnDie Zustände, die die ehemalige Schulleiterin schildert, sind erschreckend und beschämend. Sie erzählt von Kindern im Grundschulalter, die ihren Klassenkameraden Löcher in die Klamotten schneiden, Haare ausreißen, mit Fäusten und Stöcken aufeinander einprügeln, die sich bedrohen und auf das Übelste beschimpfen mit Ausdrücken, die so ordinär sind, dass sie nirgendwo hingehören, auf keinen Fall jedoch auf den Schulhof. „Ich töte ihn. Ich schneide ihn auseinander“ bedrohte einmal ein Elfjähriger einen Mitschüler.Vor allem in der Retrospektive mache sie vieles, das sie über die vergangenen fünf Jahren hinweg an der Spreewald-Schule erlebt hat, fassungslos, schreibt Unzeitig in ihrem gerade erschienenen Buch. Manches widere sie an. „Es gab keinen Tag, an dem kein Schüler, kein Kollege oder Elternteil auf mich zu kam, weil etwas passiert war.“ Schulleiterin engagierte Wachdienst für den PausenhofWeil sich die Gegebenheiten partout nicht besserten, engagierte sie im März 2018 sogar einen privaten Wachdienst – an den Behörden vorbei, „als letzte Möglichkeit, um die Situation in der Schule zu entspannen“, sagt Unzeitig.Denn die Muskel-Berge der Sicherheitsleute nötigten nicht nur vielen Vätern, denen es schwerfiel, eine blonde Frau als Autoritätsperson zu akzeptieren, die sie „Nutte“ schimpften, weil sie einen Rock trug, mehr Respekt ab als dem Kollegium, sondern sie sprachen vielfach auch die Sprache der Kinder. Ein entscheidender Vorteil, wie die Pädagogin meint.„Untereinander unterhalten sich viele Schüler auf Türkisch oder Arabisch. Von den Lehrkräften versteht das aber nur eine Handvoll“, erklärt die ehemalige Schulleiterin die Situation. „Für die Kollegen war es oft schwierig, rechtzeitig zu reagieren, weil sie schlicht nicht verstanden, was sich Schüler gegenseitig an den Kopf geworfen haben.“ Die Sicherheitskräfte, die Unzeitig zufolge zum Großteil aus dem Ausland stammten, einen Migrationshintergrund hatten, hätten geholfen, solche Streitigkeiten unter den Kindern früher zu antizipieren und ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ehe sie eskalierten.Doch Sicherheitspersonal auf einem Schulhof – muss das sein? Darf das sein? Die Reaktionen auf die ungewöhnliche Aktion der Berliner Schulleiterin waren geteilt. Ihr Einsatz wurde inzwischen eingestellt.„Respekt der Schüler habe ich mir hart erkämpft“Gegen sich selbst hat die Österreicherin in ihrer Zeit an der Berliner Brennpunktschule keine Gewalt erlebt. „Ich bin aber auch entsprechend aufgetreten“, sagt die heute 49-Jährige. „War immer schick und adrett gekleidet und bin bestimmt aufgetreten. Den Respekt der Schüler und Eltern habe ich mir hart erkämpft.“So glimpflich ging es nicht für alle Kollegen ab: Einer schwangeren Kollegin schlug ein Schüler einmal in den Bauch. „Um zu testen, ob es ihr weh tut“, wie Unzeitig in ihrem Buch schreibt.Andere Kollegen haderten noch mehr mit den Umgangsformen an der Grundschule: Vor allem Quereinsteiger, die aus Personalnot heraus in Klassen aushelfen sollten, wollten mitunter gar nicht mehr unterrichten, so überfordert waren sie mit dem, was in den Klassenräumen abging. „Teilweise musste ich sie daran erinnern, dass sie einen Arbeitsvertrag haben und dafür bezahlt werden, zu unterrichten und die Kinder zu fördern“, erzählt Unzeitig.Auch spannend:Was wir gegen Ghetto-Schulen tun könnenDie unzureichende Kompetenz mancher Kollegen, die zu theoretische und zu wenig praktische Ausbildung der Lehrkräfte, das sieht Unzeitig als einen Grund, warum es an vielen Schulen heute anders zugeht als es sich Eltern, Lehrer und Gesellschaft vorstellen und wünschen. Die Spreewald-Grundschule ist ein Extrem-Beispiel, doch die Pädagogin sieht auch anderswo immer größere Baustellen, die sich auf Pausenhöfen und in Klassenzimmern auftun.Auch die Tatsache, dass sich Eltern aussuchen könnten, an welche Schule sie ihre Kinder schicken, kritisiert Unzeitig. „Dadurch durchmischen sich verschiedene Klientel, Einkommens- und Herkunftsgruppen kaum noch. Das schadet dem Klima in den Klassen und schafft Ghetto-Schulen wie in Schöneberg.“Außerdem auf der To-Do-Liste der Bildungspolitiker in Berlin, aber auch deutschlandweit, sieht Unzeitig die Entbürokratisierung des Schulwesens sowie eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der Lehrer-Kollegien. „Sonst fahren wir eine ganze Generation gegen die Wand.“Unzeitig boxte kostenloses Mittagessen durchNur negativ war ihr Ausflug aus dem Salzkammergut in den Großstadt-Dschungel allerdings nicht. So ist das Mittagessen heute für Kinder, die eine Ganztagsklasse besuchen, in allen städtischen Schulen in Berlin kostenlos. Unzeitig boxte es maßgeblich durch die Instanzen.Trotzdem konnte sie
    Quelle: Focus FamiliePubliziert am 27-12-2019