Rubikon.news / Macht-steuert-Wissen

  • Blühende Landschaften
    Die Wende hatte — neben tragischen — gewiss auch komische Seite. Michael Schneider hat die Zeitstimmung in vier satirischen Sketchen eingefangen. Wir erleben, wie Närrinnen und Narren aus Ost und West ihr Possenspiel aufführe. Vergnügliche, aber auch bittere Wahrheiten kommen ans Tageslicht
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 14-11-2019
  • Star-Fußballer zum Schnäppchenpreis
    Der Berliner Publizist und Experte für Fußballkultur Frank Willmann erklärt im Rubikon-Interview, wie westdeutsche Verantwortliche den ostdeutschen Fußball in der Wendezeit ausplünderten. Topspieler wurden für kleines Geld in die Bundesliga geholt. Die unvorbereiteten Ost-Clubs ließ der Deutsche Fußballbund (DFB) „am langen Arm verhungern“ und überließ sie kriminellen Geschäftemachern. Wettbewerbsfähige Konkurrenz konnten die West-Clubs nicht gebrauchen. Parallelen zur Deindustrialisierung durch die Treuhand sind unverkennbar.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 14-11-2019
  • Vom Regen in die Traufe
    Am 16. März 1990, zwei Tage vor den ersten staatlich nicht kontrollierten Wahlen in der DDR, traf ich den Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz einmal mehr in seiner Klinik in Halle/Saale zum Gespräch. Zwei Tage danach war klar: Der haushohe Sieg der CDU beziehungsweise der „Allianz für Deutschland“ — abgekürzt AfD — hatte die Weichen gestellt zum Ende der DDR. Am 19. März 1990 lief dann unser Gespräch bei Jugendradio DT64 im Abendprogramm. Die Kernfrage, die uns beschäftigte, war: Warum sucht das Gros der DDR-Bevölkerung nach dem erfolgreichen Ausbruch aus einem autoritären System umgehend nach neuartigen Möglichkeiten, sich unterzuordnen?
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 14-11-2019
  • Das Umweltdilemma
    Verschmutzte Gewässer, Smog in den Industriegebieten: Die Umweltbilanz der DDR war teils verheerend. Diesen Fakt schlachtet die westdeutsche Elite bis heute, 30 Jahre nach dem Mauerfall, für ihre Propaganda aus. Um die Lohnabhängigen zu treuen Marktgläubigen zu erziehen, verschweigt sie aber nicht nur die Ursachen, sondern auch fortschrittliche Aspekte, die es gab.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 13-11-2019
  • Wehe den Besiegten!
    Selten hatte in der Geschichte ein Land die Gelegenheit, sich Armee und Ausrüstung eines anderen anzueignen, das zuvor als „feindlich“ gegolten hatte. Nach der Wende stand Westdeutschland vor dem Dilemma, die Nationale Volksarmee (NVA) zwar immer noch insgeheim zu verachten, jedoch zugeben zu müssen: wir können sie gut gebrauchen. Jedenfalls Waffen und Ausrüstung und auch militärisches Know How. Die soziale Absicherung der Soldaten, die in den Wendejahren oftmals ihre Stellung verloren, hielt man für vernachlässigbar. Dem bestehenden Dilemma begegnete die Bundesrepublik Deutschland mit einer Doppelstrategie. Sie baute erstens einseitig die Bestände der NVA ab, um in jener Epoche der Entspannungspolitik ihre Abrüstungsverpflichungen zu erfüllen, und ließ indes die Bundeswehr in ihrer alten Stärke bestehen. Zweitens wurde alles Verwertbare aus der DDR-Armee der Bundeswehr hinzugefügt – und mehr noch: den NATO-Partnern zur Verfügung gestellt, bei denen man sich lieb Kind machen wollte. Ein Blick auf einen vergessenen und verdrängten Aspekt der deutschen Geschichte.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 13-11-2019
  • Die Furcht vor der Freiheit
    Die kritische Betrachtung dessen, was den Menschen in der DDR im Jahre 1990 versprochen wurde, führt in der Regel zur Erkenntnis, dass diese Versprechen nicht gehalten wurden. Die Mächtigen und die Beherrschten des untergehenden Systems wurden kollektiv Opfer des neuen Systems. Es stellt sich aber die Frage, ob eine solcherart verkürzte Betrachtung für die Herausforderungen der Gegenwart tatsächlich hilfreich ist. Gewiss, die DDR-Bürger wurden zum Konsumismus verführt und hinters Licht geführt. Dass man das mit ihnen machen konnte, hat aber auch damit zu tun, dass die Menschen in ihrer Mehrheit der Sicherheit den Vorzug vor der Freiheit gaben. Die Vielfalt der Optionen, die sich in einer chaotischen Übergangssituation plötzlich auftat, machte ihnen Angst.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 13-11-2019
  • In Katerstimmung
    Filme über die DDR enden oft mit einem kräftigen Happy End: dem Tanz der Massen auf der Mauer am 9. November 1989. Wie bei einer Hochzeit zwischen zwei Menschen gehen nach diesem Augenblick höchsten Glücks aber die Probleme erst richtig los. Es ist daher sinnvoll, den Blick zurück auf die ersten Jahre nach der Wende zu richten. Damals hatten Fehlentwicklungen schon begonnen, vieles war aber noch offen. Welche ihrer Träume sahen ehemalige DDR-Bürger verraten — und von wem? Vermochten sie noch Pläne für eine bessere Zukunft zu entwerfen? Hatten die Schwierigkeiten nur mit dem schweren Erbe des SED-Regimes zu tun? Oder ist nicht vielmehr jede Ehe zum Scheitern verurteilt, bei der ein Partner vom anderen bedingungslose Selbstaufgabe und Anpassung verlangt? Auf der Festveranstaltung zum 1. Jahrestag der deutschen Einheit des Kreistages Schwerin-Land am 26. September 1991 im Kulturhaus Crivitz hielt Winfried Wolk als Vorsitzender der Fraktion Neues Forum/Grüne die folgende Rede.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 13-11-2019
  • SED-Presse in treuen Händen
    Bereits im Juni 1990 war die Übernahme der DDR-Presse durch westdeutsche Verlage beschlossene Sache. Lange vor der Treuhandanstalt (THA) hatten finanzstarke BRD-Verlage ehemalige SED-Bezirkszeitungen untereinander aufgeteilt. Der THA fehlte der politische Auftrag, um gegen diese Monopolübertragung vorzugehen. Das Versagen lag bei der Bundesregierung. Damit blieb die „Medienrevolution“ der DDR unvollendet. Der Marktdrang westdeutscher Verlage und Fehlentscheidungen auf Bundesebene führten zu einem Zeitungssterben und dem Untergang eines Stückes des demokratischen Traums der Wendezeit.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 12-11-2019
  • Die verschwundene Revolution
    Erinnern Sie sich noch — zumindest aus den Nachrichten — an den „Runden Tisch“ und das „Neue Forum“? Damals, während der kurzen Übergangszeit von der DDR zu osterweiterten Bundesrepublik, gab es Hoffnung und Aufbruch — auch in Deutschland nie dagewesene kreative Formen, Demokratie zu organisieren. Menschen wollten eine echte Alternative zum verkrusteten Honecker-Regime, aber auch zum sozial blinden West-System: einen Sozialismus ohne Mauer und Indoktrination, mit menschlichem Antlitz. Was daraus geworden ist, wissen wir: Was als revolutionärer Tiger gestartet war, endete als Kohls Bettvorleger. Sind die Ostdeutschen also selbst schuld an dem, was ihnen passiert ist? Hier verbieten sich Verallgemeinerungen. Einige sind der Freiheit sehr rasch untreu geworden und wollten lieber bei der Vaterfigur „Helmut“ und seiner D-Mark unterkriechen; andere — wie die Autorin — haben sich ihren Aufbruchsgeist bis heute bewahrt und können von damals berichten: von einem fast vergessenen und verdrängten Stück deutscher Geschichte.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 12-11-2019
  • Die Säuberung der Wissenschaften
    Was sich im „Großen“ vollzieht, zeigt sich oft auch im „Kleinen“. Die Wende hat natürlich auch den Universitäten- und Wissenschaftsbetrieb der ehemaligen DDR grundlegend verändert. Ostdeutsche Akademiker-Biografien wurden bald nach der Wiedervereinigung obsolet. Das Personal an den Universitäten wurde Schritt für Schritt verwestlicht und vermännlicht. Und natürlich konnten die stramm antikommunistisch denkenden Eroberer aus dem Westen in den Sozialwissenschaften nicht einmal mehr Restbestände marxistischer Diskurse dulden. Diese Vorgänge zeigen deutlich einen Generalfehler derer, die aus dem Wettbewerb der Gesellschaftssysteme als Sieger hervorgegangen waren: Sie wollten den Bruch, keinen sanften Übergang; Umerziehung statt Bewahrung des Positiven am DDR-System; die Unterwerfung des „Gegners“ statt Kompromissen.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 12-11-2019
  • Unerhörte Ostfrauen
    Es ist für Frauen ohnehin schwierig, sich Gehör zu verschaffen. Eine Frau aus dem Osten zu sein, wird von vielen als doppelt diskriminierend empfunden. Ihre reichen Erfahrungen waren von heute auf morgen nichts mehr wert. Die Deutungshoheit über ihr Leben beanspruchten andere, vor allem Männer aus dem Westen. Dabei gäbe es viel, worauf speziell Ost-Frauen stolz sein können: Die „Life-Work-Balance“ zu finden, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, das haben sich West-Frauen erst nach und nach erobert, und bis heute wird von ihnen der nicht vollendete Emanzipationsprozess beklagt. In der DDR waren starke, berufstätige Frauen eher die Regel als die Ausnahme, auch dank gut organisierter staatlicher Kinderbetreuung. Höchste Zeit für Ost und West, einander zuzuhören. Ein neues Buch will die unerzählten Geschichten der Ost-Frauen für alle zugänglich machen.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 12-11-2019
  • Der Wiedervereinigungs-Mythos
    Vor 30 Jahren öffnete die DDR-Regierung für alle Bürger die Landesgrenzen gen Westen. Ursache dafür war der Druck der Straße. Keine elf Monate später war der Staat DDR Geschichte. Die „neuen Bundesländer“ gehörten nun zur BRD. Doch was viele Ostdeutsche zunächst als hoffnungsvollen Schritt hin zu mehr Wohlstand, Freiheit und Abrüstung verstanden, wuchs sich schnell zu einem veritablen Vereinigungsschock aus. Neue positive Möglichkeiten wurden brachial von Massenarbeitslosigkeit, sozialem Abstieg und öffentlicher Dauerdemütigung überlagert. Um die Negativfolgen der neoliberalen Schocktherapie für den Osten zu kaschieren, entwickelten Verantwortliche in Politik und Medien Rechtfertigungsmythen, die sie selbst heute teils kritisch hinterfragen, meist aber trotzig verteidigen. In einem Themenschwerpunkt „30 Jahre Wende“ beleuchtet der Rubikon eine Woche lang solche Mythen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und mit wechselnden journalistischen Mitteln. Das, was 1989 im Osten begann, wirkt bis heute fort. Es handelt sich nicht um Übergangsphänomene, die bald verschwinden. Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft beeinflussen will, muss in die Vergangenheit schauen.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 09-11-2019
  • Die gekaufe Revolution
    Die Geschichte des Endes der DDR, wie wir es aus Jubiläumsveranstaltungen und TV-Mehrteilern kennen, ist das Ergebnis lupenreiner Sieger-Geschichtsschreibung. Mythen und Legenden haben sich über die Jahrzehnte verfestigt. Etwa jene, die DDR-Bevölkerung habe sich „schon immer“ leidenschaftlich nach einem bedingunglosen Anschluss an die Bundesrepublik gesehnt. In Wahrheit wäre in den Wochen und Monaten der Wende sehr viel möglich gewesen — auch ein „Dritter Weg“, ein demokratischer Sozialismus mit rundumerneuerter Demokratie innerhalb der alten Grenzen der DDR. Die Geschichte der Wiedervereinigung ist die eigentlich traurige Geschichte sich immer weiter verengender Handlungsoptionen, verratener Träume und erstickter Aufbruchsimpulse. Was mit der Sehnsucht nach einem besseren Sozialismus begonnen hatte, mündete in devoten „Helmut“-Rufen und dem Ausverkauf der eroberten Teilrepublik an den kapitalistischen Westen.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 09-11-2019
  • Die gekaufte Revolution
    Die Geschichte des Endes der DDR, wie wir es aus Jubiläumsveranstaltungen und TV-Mehrteilern kennen, ist das Ergebnis lupenreiner Sieger-Geschichtsschreibung. Mythen und Legenden haben sich über die Jahrzehnte verfestigt. Etwa jene, die DDR-Bevölkerung habe sich „schon immer“ leidenschaftlich nach einem bedingungslosen Anschluss an die Bundesrepublik gesehnt. In Wahrheit wäre in den Wochen und Monaten der Wende sehr viel möglich gewesen — auch ein „Dritter Weg“, ein demokratischer Sozialismus mit rundumerneuerter Demokratie innerhalb der alten Grenzen der DDR. Die Geschichte der Wiedervereinigung ist die eigentlich traurige Geschichte sich immer weiter verengender Handlungsoptionen, verratener Träume und erstickter Aufbruchsimpulse. Was mit der Sehnsucht nach einem besseren Sozialismus begonnen hatte, mündete in devoten „Helmut“-Rufen und dem Ausverkauf der eroberten Teilrepublik an den kapitalistischen Westen.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 09-11-2019
  • Die verhinderte Demokratie
    Eine Vereinigung — das wäre eigentlich ein Vorgang der Kompromissfindung, bei dem beide Seiten ihre Vorstellungen und Erfahrungen einfließen lassen. Aus These und Antithese könnte eine Synthese entstehen, die das beste aus beiden Welten auf einer höheren Ebene vereinigt. Während des Wendeprozesses 1989/90 war vor allem Ostdeutschland ein Laboratorium kreativer Ideen, das Hoffnung auf die Schaffung einer wirklichen sozialen Demokratie weckte. Aber die Ostdeutschen wurden bewusst mit den Lockungen der Warenwelt eingekauft; die westdeutsche Lämmer schwiegen, eingelullt vom Versprechen des „Weiter so“. Der Endsieg des profitgetriebenen Kapitalismus erstickte alle Ansätze zu wirklich Neuem im Keim. Weder gab es eine gesamtdeutsche Verfassung noch ein Zusammewachsen der beiden unterschiedlichen Mentalitäten. All das geschah auch, weil das Hauptwerkzeug eines sanften Totalitarismus, die West-Medien, in den Hirnen und Herzen der Deutschen ganze Arbeit geleistet hatte.
    Quelle: Rubikon.newsPubliziert am 09-11-2019