Handelsblatt

  • UN-Friedensplan: Treffen im Kanzleramt bereitet Libyen-Konferenz vor
    Konflikte in Libyen Das nordafrikanische Land Libyen ist durch den Bürgerkrieg zerrüttet. (Foto:& dpa) Die Vorbereitungen für den geplanten Libyen-Gipfel in Deutschland nehmen Konturen an: Diesen Dienstag findet nach Angaben der Bundesregierung im Kanzleramt ein Treffen der außenpolitischen Berater und hoher Beamter mehrerer Regierungen statt. Vergangene Woche hatte ein Regierungssprecher bestätigt, dass es Ziel sei, im Herbst eine Konferenz abzuhalten, um den UN-Friedensplan für das vom Bürgerkrieg zerrüttete nordafrikanische Land durchzusetzen. Zuvor sollten sich die Berater zusammensetzen.Kanzlerin Angela Merkel hatte angesichts der außenpolitischen Waffenlieferungen an die Kriegsparteien vor einem Stellvertreterkrieg gewarnt. Zuvor hatte die „Welt“ über das Berater-Treffen berichtet. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Cristina Stenbeck: Eine der mächtigsten Frauen Schwedens sorgt für einen Kurssturz bei Zalando
    Christina Stenbeck Die 41-Jährige verkaufte ein großes Aktienpaket von Zalando. (Foto:& Oskar Omne/European Business Press) Es war ein Schock: Der Aktienkurs von Zalando stürzte am Dienstag zeitweise um mehr als elf Prozent ab. Auslöser der Turbulenzen war eine der mächtigsten Frauen Schwedens: Cristina Stenbeck. Die 41-Jährige verkaufte ein großes Aktienpaket des Online-Modehauses. Damit sank der Anteil ihrer Kinnevik-Holding an dem Berliner Unternehmen von 31 auf knapp 26 Prozent – und bescherte ihrer Beteiligungsfirma einen Verkaufserlös von rund 558 Millionen Euro.Ihre Überraschungsaktion löste Ängste aus, dass sich Kinnevik bei Zalando ganz zurückziehen könnte. Kinnevik-Chef Georgi Ganev erklärte den Schritt aber damit, das „Investitionstempo aufrechtzuerhalten“, um den Anteil an nicht börsennotierten Firmen zu erhöhen.Stenbecks Interesse an Zalando ist nach wie vor groß. Erst im Mai hat sie den Chefposten im Aufsichtsrat übernommen. Sie freue sich auf ihre Aufgabe, der neue Vorstand würde „die Weichen für die nächsten zehn Jahre“ stellen, wurde sie in einer Mitteilung zitiert. Es ist nicht das erste Mal, dass Stenbeck die Börse überrascht. Vor zwei Jahren hatte sie in Schweden für Aufsehen gesorgt, als sie plötzlich den Vorsitz des Aufsichtsrats bei Kinnevik abgab. Inzwischen hat sie sich sogar komplett aus dem Gremium zurückgezogen. Sie wolle mehr „Zeit für die Dinge haben, die einen Mehrwert für unser Unternehmen bedeuten, und neue Geschäftsideen finden und entwickeln“, sagte sie damals in einem ihrer seltenen Interviews der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“. Denn sie ist niemand, der Verantwortung scheut: Sie war gerade 24 Jahre alt, als ihr Vater, der charismatische Jan Stenbeck, 2002 im Alter von 59 Jahren an einem Herzinfarkt starb. Seine Tochter, geboren in New York und bei der amerikanischen Mutter aufgewachsen, arbeitete da erst zwei Jahre in der Marketingabteilung des Luxusmodeherstellers Ralph Lauren. Viele hatten deshalb Zweifel, ob sie der Aufgabe gewachsen sei. Doch sie war es und krempelte den Kinnevik-Konzern um, den ihr Großvater vor 83 Jahren gegründet hatte: von der Konzentration auf Medienfirmen hin zu Beteiligungen im Onlinegeschäft, wie etwa am damaligen Start-up Zalando.Bei den Berlinern ist ihre Erfahrung in den nächsten Jahren gefragt. Zalando muss sich vom Internetversender zu einer umfassenden Modeplattform wandeln, um sich gegenüber Konkurrenten wie Amazon zu behaupten. Es geht darum, das Kosmetikgeschäft auszubauen, den Umsatz pro Bestellung zu erhöhen und die Pakete noch schneller zu den Kunden zu bringen. Wie lange Cristina Stenbeck als Aufsichtsratschefin bei Zalando zur Verfügung stehen wird, ist allerdings offen. Schon einmal führte sie das Kontrollgremium und trat dann 2016 völlig überraschend ab.Mehr: Deutsche Modehändler haben lange Zeit die Online-Konkurrenten als große Gegner gesehen. Mittlerweile wollen sie im Digitalgeschäft mitspielen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Luxusmarke: Das Ende der Geduld: Megha Mittal will Escada abstoßen
    Es war einer ihrer seltenen Auftritte. Megha Mittal hatte in das Nymphenburger Schloss eingeladen. Dort ließ die zierliche Frau im weißen Cocktailkleid Models die Herbst-Winter-Kollektion 2015 von Escada zeigen. Die Eigentümerin des Modeunternehmens aus der indischen Stahldynastie hoffte, dass der damalige CEO Glenn McMahon „die Marke auf die nächste Stufe heben“ könnte.Doch daraus wurde nichts. Der Amerikaner McMahon trat bald ab. Und bis heute hat das Unternehmen nicht zu seinem früheren Wachstumskurs zurückgefunden, sondern schreibt rote Zahlen. Zehn Jahre nachdem Mittal das Unternehmen aus der Insolvenz gekauft hat, ist die Geduld der Investorin zu Ende, die mal bekannte: „Mode ist meine Leidenschaft.“ Nun sucht sie einen Käufer.Nach Handelsblatt-Informationen hat sie die US-Investmentbank Lazard beauftragt. Die schrieb einen sogenannten „Information Pack“ mit einer ausführlichen Darstellung von Escada und den Zukunftschancen der Luxusmodemarke. Bereits im Februar sprach die Bank damit mögliche Investoren an. Doch bis heute drang von den Verkaufsabsichten nichts an die Öffentlichkeit.Eine Escada-Sprecherin sagte dazu auf Anfrage: „Wir wollen uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern.“ Auch in den Jahren zuvor äußerte sich weder Mittal noch Iris Epple-Righi, die seit mehr als drei Jahren das Unternehmen führt, zur Strategie oder zur Wirtschaftslage des Unternehmens. Um die ist es nicht gut bestellt. Nach der im Bundesanzeiger zuletzt veröffentlichten Bilanz ging der Umsatz 2017 um rund acht Prozent auf knapp 114 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen rutschte mit 16,5 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen.Auch für das Geschäftsjahr 2018 wurde mit einem weiteren Umsatzrückgang auf nur noch knapp 107 Millionen Euro gerechnet. Falls es bei Escada zu Liquiditätsengpässen kommen sollte, wird das Geld „bei Bedarf von der Escada Luxembourg s.a.r.l. bereitgestellt“, wie im Bundesanzeiger zu lesen ist.Als Mittal 2009 bei dem Modeunternehmen einstieg, war sie noch voller Zuversicht. „Die Marke ist cool, stark, global bekannt und hat Glamour“, sagte sie damals. Sie war so überzeugt von ihrem Investment, dass sie in Escada das Potenzial sah, wieder Weltmarktführer zu werden. Die Schwiegertochter des Stahlindustriellen Lakshmi Mittal wollte sogar in die Männer- und Kindermode einsteigen.Probleme in Russland und den USADoch damals hatte die Marke ihre beste Zeit schon lange hinter sich. Das Unternehmen, das Wolfgang Ley und das schwedische Model Margaretha Ley 1976 gründeten, schaffte in den 1990er-Jahren den Aufstieg zum größten Damenmodeunternehmen der Welt. Es ging an die Börse und kam zeitweise auf einen Umsatz von umgerechnet 1,4 Milliarden D-Mark, umgerechnet rund 700 Millionen Euro.Die für ihre opulenten Kollektionen mit den berühmten Goldknöpfen bekannte Modemarke baute ihr Geschäft immer weiter aus. Später gehörten zur Gruppe auch Marken wie Apriori, Biba, Cavita und Laurél. Ley, der das Unternehmen nach dem Tod seiner Frau 1992 selbst führte, übernahm sich, die Umsätze stürzten ab. Auch der eilig herbeigerufene Ex-Boss-Chef Bruno Sälzer konnte 2009 die Insolvenz nicht verhindern. Seitdem versucht Megha Mittal, in den ersten Jahren mit Sälzer als CEO, Escada in alte Glanzzeiten zurückzuführen. Doch die Weltfinanzkrise 2009 und die wirtschaftlichen Probleme in für Escada wichtigen Märkten wie Russland und den USA machten dem Unternehmen zu schaffen. Der damalige Interimschef Jörg Wahlers musste 2015 einräumen, dass die Restrukturierungsprogramme „in der Realität nicht ausreichend waren“. Deshalb kündigte er den Abbau von 200 der damals noch 2000 Stellen an. Doch auch dieses Programm konnte nicht verhindern, dass Escada 2016 und 2017 rote Zahlen schrieb.Mancher warf Mittal vor, dass Escada für sie, die Schwiegertochter aus dem indischen Milliardärsclan, nur ein Spielzeug sei. Für ein Spielzeug sei ‧Escada definitiv zu anstrengend, entgegnete sie 2010 in einem ihrer seltenen Interviews. „Außerdem geht es um ein Traditionsunternehmen mit knapp 3000 Mitarbeitern. Ich kämpfe für deren Arbeitsplätze.“Die Frau von Aditya Mittal, dem CFO des Stahlriesen Arcelor-Mittal, wuchs als Tochter eines Garnfabrikanten in Indien auf. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finanzen und strategisches Management arbeitete sie ein Jahr lang als Investmentanalystin bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Doch das war nicht ihre Welt, wie sie einmal sagte. Also studierte sie Innenarchitektur, machte darin ihr Diplom und betreute für die Stahlfamilie „verschiedene Projekte“. In Deutschland an Glanz verlorenNun kümmert sich die Mutter von zwei Kindern, die mit ihrem Mann in London lebt, vor allem um ihr Projekt, einen neuen Investor für Escada zu finden. Das wird nicht einfach. Denn der Markt wird immer mehr von weltweit tätigen, finanzstarken Luxuskonglomeraten wie den französischen Häusern LVMH und Kering sowie der Schweizer Richemont-Gruppe beherrscht.Ob die aber Interesse an Escada haben, ist offen. Zwar gehört das Unternehmen zu den letzten verbliebenen deutschen Luxusmarken in der Damenmode, nachdem Rena Lange nach der Pleite ganz vom Markt verschwunden und Strenesse zum zweiten Mal insolvent ist.Doch die Marke hat allenfalls noch in den USA und in Russland einen hohen Bekanntheitsgrad. In Deutschland schaffte sie es nach dem letzten Markenranking der besten deutschen Luxusmarken der Münchener Markenberatung Biesalski & Jesalski & Company und Dr. Wieselhuber & Partner 2018 nicht unter die Top 30.Eine Luxusmarke, die ins Abseits geraten ist, wieder auf Kurs zu bringen, ist nicht leicht. Aber es gehe, sagt Javier Seara, Luxusexperte der Boston Consulting Group (BCG): „Das zeigen Beispiele wie Fendi aus Italien und Loewe aus Spanien. Aber das braucht zwei, drei Jahre Zeit, Topdesigner und Topmanager, einen klaren Plan und die Möglichkeit, in Ruhe arbeiten zu dürfen.“Branchenbeobachter kritisieren, dass Mittal in den ersten Jahren nach ihrem Einstieg nicht genug bei Escada investiert hat. Die Versuche der letzten beiden Jahre, die Marke zu stützen, kämen da zu spät. Zuletzt hatte Escada Rita Ora als neues Markengesicht verpflichtet – ein hohes Investment, um die Marke aufzuhübschen. Der britische Popstar nimmt denn auch im „Information Pack“ der Investmentbank Lazard einen breiten Raum ein. Es ist nicht der erste Versuch, die Marke zu verjüngen. Das hatte Mittal bereits Anfang 2015 bei der Modenschau im Nymphenburger Schloss versucht. Damals sagte der Chefeinkäufer von Mytheresa, er müsse erst mal die nächste Kollektion von Escada abwarten, ehe er sie über die Luxus-Onlineplattform verkaufe. Dabei ist es bis heute geblieben. Escada ist weder bei Mytheresa noch beim großen Onlinekonkurrenten Netaporter zu finden.Mittal sagte einmal: „Ich habe Escada nicht gekauft, um Geld
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Konjunktur: US-Industrie überrascht mit spürbarem Produktionsplus
    Bauarbeiter in New York Die Industrie macht etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA aus. (Foto:& dpa) Die US-Industrie hat im August ihre Produktion stärker hochgefahren als erwartet. Die Betriebe stellten 0,5 Prozent mehr her als im Vormonat, wie die Notenbank (Fed) am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet, nach minus 0,4 Prozent im Juli. Die gesamte Produktion – zu der auch Versorger und Bergbau beitragen - stieg im August um 0,6 Prozent und damit ebenfalls deutlicher als erwartet.Die Industrie macht etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA aus. Ihre Aussichten haben sich angesichts der schwächeren Weltkonjunktur eingetrübt. Zudem dürfte ihr der eskalierende Handelskonflikt der USA mit China zu schaffen machen.Die Fed steuert auf die zweite Zinssenkung in diesem Jahr zu und dürfte am Mittwoch den geldpolitischen Schlüsselsatz kappen – voraussichtlich um einen Viertelprozentpunkt. Zuletzt hatte sie die Zinsen Ende Juli auf die Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent gesenkt. Fed-Chef Jerome Powell bereitete jüngst die internationalen Finanzmärkte auf eine weitere geldpolitische Lockerung vor. Mehr: WTO erlaubt den USA, wegen Airbus Strafzölle gegen die EU zu verhängen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Elektronische Aktien: Bundesregierung will noch 2019 Blockchain-Wertpapiere einführen
    Bundestag Diesen Mittwoch soll die deutsche Blockchain-Strategie im Bundeskabinett verabschiedet werden. Die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD angekündigte deutsche Blockchain-Strategie ist fertig und soll diesen Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Sie sieht zahlreiche neue Gesetze vor, um der Datenbank-Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Geht es nach der Großen Koalition, soll Deutschland binnen weniger Jahre zum Krypto-Vorreiter werden. Das Land verfüge über ein „dynamisches Ökosystem von Entwickeln und Anbietern Blockchain-basierter Dienstleistungen“ und damit „über eine aussichtsreiche Grundlage für die Entwicklung einer Token-Ökonomie“, heißt es in der Strategie, die dem Handelsblatt vorab vorlag. „Zur Klärung und Erschließung des Potentials (...) und zur Verhinderung von Missbrauchsmöglichkeiten ist Handeln der Bundesregierung gefordert.“Noch 2019 will die Große Koalition einen Gesetzentwurf für Blockchain-Anleihen vorlegen. Konkret besagt die Strategie: „Die Bundesregierung will das deutsche Recht für elektronische Wertpapiere öffnen.“ Die aktuell zwingende Urkundenerfordernis solle „nicht mehr uneingeschränkt gelten“. Zunächst sollen elektronische Schuldverschreibungen kommen. Elektronische Aktien und Investmentfondsanteile sollen im Anschluss geprüft werden. Urkunden-Zentralverwahrer wie die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream könnten damit eines Tages überflüssig werden. „Die Bundesregierung wird bis Ende 2020 mögliche Anwendungsmöglichkeiten im Gesellschafts- und Genossenschaftsrecht untersuchen“, heißt es. Laut Beobachtern könnte am Ende das Rechtsinstitut einer „Blockchain-Gesellschaft“ stehen, deren Anteilseigner per virtuellem Register über die Zukunft des Unternehmens abstimmen.Während sie in manchen Bereichen die Chancen der Technik betont, spricht sich die Bundesregierung entschieden gegen private „Stablecoins“ aus, digitale Münzen mit festem Wechselkurs zu einer staatlichen Währung. Die Strategie formuliert hierzu: „Die Bundesregierung wird sich auf europäischer und internationaler Ebene dafür einsetzen, dass Stablecoins keine Alternative zu staatlichen Währungen werden.“ Ohne „Libra“ explizit zu nennen, erteilt die Bundesregierung damit dem Plan von Facebook, 2020 eine eigene Währung aufzulegen, eine klare Absage. Dafür soll die Auflage von digitalem Zentralbankgeld, etwa einem „E-Euro“, ausgelotet werden. Mehr: Neuer Fonds will in Blockchain-Start-ups investieren: Der Blockchain-Pionier Friedrich und der Digitalprofi Lymbersky suchen Unterstützung für ihren Risikokapitalfonds. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Aktienmarkt: Warum Athen die gefährlichste Börse Europas ist
    Athener Börse Bis 2007 hatte die Börse ihren Sitz an der Sophokles-Straße. (Foto:& Sygma/Getty Images) Erfahrene Anleger erinnern sich noch gut an den 17. September 1999, heute vor 20 Jahren. Eigentlich ein ganz normaler Freitag auf dem Parkett der Athener Börse an der Sophokles-Straße.Im Handelssaal hinter dem klassizistischen Säulenportal haben die Broker alle Hände voll zu tun – wie seit Monaten. Griechischen Aktien sind gefragt wie nie. Der Leitindex der sogenannten Akropolis-Börse springt von einem Hoch zum nächsten. Auch an jenem Freitag sieht es nach einem neuen Rekord aus. Kurz nach 12:00 Uhr steigt der Index auf 6584 Punkte. Bis zum Handelsschluss gibt das Börsenbarometer zwar 129 Zähler ab. Doch das beunruhigt kaum einen. „Gewinnmitnahmen“, lautet die Erklärung. Erst im Nachhinein wurde klar: An jenem Freitag war sie geplatzt, die Blase an der Athener Börse. Die „Mutter aller Blasen“, wie es damals John Lomax formulierte, der bekannte Schwellenmarkt-Analyst bei der Großbank HSBC. Noch einmal, im Oktober 1999 konnte der Index mühsam über die 6000-Punkte-Marke klettern. Danach war die Luft endgültig raus. Auf die Rally folgte eine ebenso rasante Talfahrt. Bis Ende 2000 verlor der Markt fast zwei Drittel seiner Bewertung. Heute steht der Athener Leitindex bei gut 860 Punkten – ein Minus von 87 Prozent gegenüber dem Allzeithoch vor 20 Jahren.Kursantreiber EuroAufstieg und Absturz der Athener Börse hängen eng mit dem Euro zusammen. Die Gemeinschaftswährung war für den Aktienmarkt Segen und Fluch zugleich.Die Blasenbildung begann im März 1998. Damals wertete die Athener Regierung die Drachme über Nacht um 13,8 Prozent ab und führte die Währung in den Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems – der erste Schritt in die Währungsunion, der Griechenland im Jahr 2000 beitrat. Die Aussicht auf den Euro beflügelte die Börse. Zwischen März 1998 und September 1999 legte der Athener Aktienindex um 313,4 Prozent zu.
    Alle wollten dabei sein. Zum Schluss sprangen auch die Kleinanleger auf den rasenden Börsenzug. Kein Geld für Aktien? Kein Problem: Die Athener Brokerhäuser stellten Kredite bereit. Die Gier war größer als die Angst. In der Hoffnung auf weitere Kurssteigerungen und schnelle Gewinne verschuldeten sich viele Anleger. Der Aktienkauf auf Pump trieb mit dem Ende der Rally viele Griechen in den Ruin.Erste Zweifel an der Nachhaltigkeit der griechischen Mitgliedschaft in der Währungsunion trübten schon vor dem offiziellen Beitritt in den Euro die Aussichten. Überdies erwiesen sich viele Unternehmen als grotesk überbewertet. Die Hoffnung auf einen Wirtschaftsboom durch die 2004 ausgerichteten Olympischen Sommerspiele ließ den Leitindex zwar ab Sommer 2003 noch einmal steigen. Mitte 2007 konnte er sogar für wenige Wochen die Marke von 5000 Zählern knacken. Aber danach ging es umso steiler nach unten: Die globale Finanzkrise, die in Griechenland Ende 2009 nahtlos in die hausgemachte Schuldenkrise überging, zwang die Börse in die Knie.Wurden im Boomjahr 1999 im alten Handelssaal an der Sophokles-Straße noch Tagesumsätze von durchschnittlich 170 Millionen Euro getätigt, zeigt das Tableau heute an vielen Tagen weniger als 50 Millionen Umsatz. Die Marktkapitalisierung fiel von 122 auf 32 Prozent des BIP.200 börsennotierte Unternehmen weniger Das bittere Fazit: Wer vor 20 Jahren griechische Aktien ins Depot nahm, hat meist alles verloren. Von damals 288 börsennotierten Unternehmen sind heute nur noch 88 übrig. Besonders gebeutelt wurden die Finanztitel. Die vier systemischen Banken, die in der Krise drei Mal rekapitalisiert werden mussten, haben über 99 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Es gibt allerdings drei Papiere, die heute höher bewertet werden als vor 20 Jahren: Die Aktie des Immobilienentwicklers Lamda Development legte gegenüber damals 25 Prozent zu. Lamda ist Konsortialführer einer Investorengruppe, die rund acht Milliarden Euro in die Entwicklung des früheren Athener Flughafengeländes Ellinikon stecken will – das größte urbane Entwicklungsprojekt Europas. Die Anteile des Familienunternehmens Karelia, Griechenlands ältester Tabakfabrik, gegründet 1888, werden aktuell zu 274 Euro gehandelt – ein Kursgewinn von 167 Prozent gegenüber dem 17. September 1999.
    Neue Börse Sogar ein Plus von 668 Prozent konnte im selben Zeitraum die Aktie des Einzelhändlers Jumbo verzeichnen. Wie Lamda Development zählt auch das auf Spielzeug und Freizeitartikel spezialisierte Unternehmen Jumbo aktuell zu den Athener Börsenfavoriten.Seit dem Beginn des Jahres 2019 hat der griechische Leitindex fast 40 Prozent zugelegt. Vor allem die Aussicht auf einen Regierungswechsel beflügelte im ersten Halbjahr die Kurse. Tatsächlich konnte der konservativ-liberale Kyriakos Mitsotakis die Parlamentswahl am 7. Juli klar gewinnen und löste den Linkssozialisten Alexis Tsipras als Premier ab. Mitsotakis Programm ist wirtschaftlich geprägt, er will mit Steuersenkungen und Strukturreformen Investoren umwerben. So sinkt die Besteuerung der Unternehmensgewinne in diesem Jahr von 28 auf 24 Prozent, die Dividendensteuer will Mitsotakis von zehn auf fünf Prozent halbieren. Zwar warfen Gewinnmitnahmen nach der Wahl die Börse wieder etwas zurück. Außerdem lassen die globalen Konjunktursorgen und Handelskonflikte auch die Anleger in Athen nicht kalt. Die meisten Marktbeobachter sehen aber weiteres Aufwärtspotenzial, zunächst bis in die Region von 1013 Punkten. Das wäre ein Plus von gut 17 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand. Als Schlüssel gelten die jetzt von der neuen Regierung angeschobenen Privatisierungsprojekte und die Stabilisierung der griechischen Banken, die immer noch mit immensen Kreditrisiken kämpfen. Die Institute sind beim Abbau der Problemkredite auf einem guten Weg. Eines allerdings scheint sicher: Seinem Allzeithoch von 6484 Punkten wird sich der Athener Leitindex so bald nicht wieder nähern. Mehr: Athen macht bei der lange verschleppten Privatisierung von Staatsunternehmen jetzt Tempo. Das Programm soll auch das Vertrauen in den Reformwillen der neuen Regierung stärken. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Italien: Weder Mitte noch links: Italiens Ex-Premier Renzi gründet neue Partei
    Matteo Renzi Renzi war seit Beginn umstritten innerhalb der PD, da er sich nicht an den alten sozialdemokratischen Kanon gehalten hatte. (Foto:& AP) Seit Tagen schon hatte er den Schritt auf allen Kanälen angekündigt, auf Facebook, Twitter und im großen Zeitungsinterview. „Ich verlasse die PD“, lautet die Botschaft von Matteo Renzi, der einst die große Zukunftshoffnung der italienischen Politik war. „Ich will die nächsten Monate damit verbringen, Salvini auf den Plätzen, in den Schulen und in den Fabriken zu bekämpfen“, erklärte der 44jährige.Und dass er stolz darauf sei, den populistischen Legachef nach Hause geschickt zu haben. Renzi war maßgebend an der Bildung der neuen Regierungskoalition von PD und Bewegung Fünf Sterne beteiligt, die die Populisten nach der Krise im August Anfang dieses Monats ablöste.Der ehemalige Premier, der einst Rekordwerte für die sozialdemokratische Partito Democratico (PD) holte und dann an einem Verfassungsreferendum scheiterte und Ende 2016 zurücktreten musste, will jetzt abtrünnige PD-Abgeordnete um sich scharen und im Abgeordnetenhaus eine neue Fraktion gründen.Einen Namen hat die neue Partei noch nicht. Vielleicht „Italia del Sì“, das Italien, das „Ja“ sagt, spekulieren die Medien. Er wolle viele Frauen einbinden und die Millennials erreichen, sagt Renzi selbst über das neue Gebilde. Er kann nach Berechnungen von politischen Analysten mit 18 bis 20 der 111 PD-Abgeordneten rechnen, er selbst geht von rund 30 aus. Auch Abgeordnete der Fünf Sterne könnten zu ihm wechseln. In der zweiten Kammer, dem Senat, wo Renzi sitzt, kann er wegen des Reglements keine neue Fraktion gründen. „Ich verlasse die PD, weil ich anders Politik machen will“, erklärte Renzi auf Twitter. „Nach sieben Jahren freundlichem Feuer glaube ich, dass man einsehen muss, dass man nicht jeden Tag in der Partei über unsere Werte, unsere Ideen und Träume streiten kann.“ Renzi war seit Beginn umstritten innerhalb der PD, da er sich nicht an den alten sozialdemokratischen Kanon gehalten hatte, sondern die Partei in die Mitte bringen wollte und sogar mit politischen Gegnern wie Silvio Berlusconi konferierte. Jetzt heißt es in Rom, dass auch Forza-Italia-Abgeordnete zu ihm stoßen könnten.„Der Sieg im Parlament gegen den Populismus und gegen Salvini war wichtig, um Italien zu retten, aber das reicht nicht“, so Renzi, „jetzt geht es darum, eine junge, innovative Bewegung zu gründen.“ Er glaube, dass es dafür Platz gebe im Parteienspektrum. Er denke nicht an die Mitte oder an links, sondern daran, das Politikfeld zu besetzen, das in Italien am wenigsten genutzt werde: die Zukunft.Die Reaktionen kamen postwendend. PD-Generalsekretär Nicola Zingaretti beschwor Renzi, in der Partei zu bleiben. „Das tut uns leid, das ist ein Fehler“, sagte er über den Abgang von Renzi.Der Grund ist offensichtlich: die gerade erst gestartete Koalition der ehemaligen politischen Gegner steht auf wackeligen Füssen, sowohl inhaltlich als auch wegen der Mehrheitsverhältnisse. Vor allem im Senat, in dem Renzi sitzt, ist die Regierungsmehrheit knapp. Da bringt eine neue Strömung noch mehr Unsicherheit. Renzi habe aber vorgebeugt. Er habe am Abend vor der Bekanntgabe seines Schrittes mit Premier Giuseppe Conte telefoniert und ihm versichert, dass er zwar die PD verlasse, aber die Zustimmung zur Regierung „überzeugt“ bestehen bleibe.Parteienlandschaft in Italien zersplittert weiter„Ich verstehe den Sinn dieser Abspaltung überhaupt nicht“, erklärte Francesco Boccia, PD-Minister für regionale Angelegenheiten in der Regierung Conte. Renzi mache einen Fehler. Noch kritischer ist der Politologe Paolo Mazzanti: „Renzi hat den denkbar schlechtesten Zeitpunkt gewählt für sein ‚kaltes Schisma‘, nachdem er den Erfolg für das Gelingen der Koalitionsregierung einkassiert hat.“ Die Abspaltung mache wenig Sinn und verkompliziere das ohnehin schwierige Verhältnis von PD und Fünf Sternen noch mehr „und das zum Vorteil für Salvini“.Nach den Meinungsumfragen würde Salvini mit einem Rechtsbündnis eine Mehrheit erhalten, wenn es zu Neuwahlen käme. Renzis neue Gruppierung sehen Demoskopen bei einer Zustimmung von rund drei Prozent. Die Parteienlandschaft in Italien wird noch zersplitterter.Den Florentiner, der zu Beginn seiner politischen Karriere lange und erfolgreich Bürgermeister seiner Stadt war, stört das nicht. Seine herausragenden Eigenschaften sind Selbstbewusstsein, Geltungsbedürfnis, politischer Instinkt und schneller Wortwitz. „Ich will die PD nicht stören, wir werden mindestens für ein Jahr weder bei den anstehenden Regional- noch bei den Kommunalwahlen antreten“, versicherte er, „erst bei den Parlamentswahlen, die hoffentlich erst 2023 stattfinden, und dann bei der Europawahl 2024.“ Ein hoher Parteifunktionär der PD sagt dazu: „Traue niemals Renzi.“Mehr: Der frühere Ministerpräsident erklärt, warum er der PD den Rücken kehrt. Für die neue italienische Regierung könnte das Konsequenzen haben. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Interview im ZDF: Höckes TV-Auftritt bringt Bundes-AfD in Bedrängnis
    Björn Höcke „Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein.“ (Foto:& dpa) In der Debatte um ein vorzeitig beendetes ZDF-Interview mit dem AfD-Politiker Björn Höcke gerät nun die Bundespartei in den Fokus. Es stelle sich die Frage, was die AfD-Spitze aus der Angelegenheit mit ihren Thüringer Landeschefs schließe, sagte der Chefredakteur des Senders Peter Frey am Montag im ZDF-„Mittagsmagazin“. „Deckt man das, oder distanziert man sich davon?“Dass Frey eine klare Antwort auf seine Frage bekommt, ist wenig wahrscheinlich. „Mitten in einem bislang relativ erfolgreichen Landtagswahlkampf rechne ich nicht mit scharfen Reaktionen“, sagte der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer dem Handelsblatt. Wenn überhaupt, dann seien allenfalls „einige mahnende“ Worte denkbar, verbunden mit dem Hinweis, „die Äußerungen Höckes seien missverständlich oder ironisch gemeint gewesen“.Auch der FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki erwartet nicht, dass die AfD zu den Drohungen Höckes Stellung bezieht – schon gar nicht im laufenden Landtagswahlkampf. „Denn es will sich in der Führungsspitze der Partei niemand mit ihm anlegen, um nicht am Ende selbst für ein Wahlergebnis mitverantwortlich gemacht zu werden, das unter den hochfliegenden Erwartungen liegt“, sagte Kubicki dem Handelsblatt. Von der Bundes-AfD war auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten. In dem Interview mit Höcke für „Berlin direkt“ am Sonntagabend ging es insbesondere um die Sprache des Politikers vom rechtsnationalen Flügel und um NS-Begriffe. Nach etwa zehn Minuten hatte der Sprecher Höckes eingegriffen und eine Wiederholung verlangt, weil die Fragen Höcke „stark emotionalisiert“ hätten. Das Interview noch einmal zu beginnen, lehnte der ZDF-Reporter aber ab. „Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat“, erklärte Höcke. „Wir wissen nicht, was kommt... Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.“ Was denn kommen könnte, wollte der ZDF-Mann wissen? „Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein“, antwortete Höcke.FDP attestiert Höcke „gnadenlose Selbstüberschätzung“Der FDP-Politiker Kubicki hält die Aussagen für anmaßend – trotz einer aktuellen Umfrage von Infratest Dimap zur Landtagswahl in Thüringen. Danach erreicht die AfD mit 25 Prozent ihr bisheriges Allzeithoch und ist damit nicht mehr weit davon entfernt, stärkste Partei in dem Bundesland zu werden. Der Abstand zur regierenden Linkspartei beträgt nur noch drei Prozentpunkte. Kubicki glaubt dennoch, dass sich Höcke „gnadenlos selbst überschätzt“. „Er wird niemals eine interessante Persönlichkeit. Dafür fehlen ihm sämtliche Voraussetzungen“, sagte der FDP-Politiker dem Handelsblatt.Der SPD-Bundesvize Ralf Stegner warnte vor einem weiteren Erstarken der AfD. Ein Staat, in dem neben Höcke AfD-Politiker wie Alice Weidel, Alexander Gauland und Beatrix von Storch „etwas zu melden hätten, hätte vielleicht wieder einen Reichspropagandaminister Höcke, aber sicher keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr, und die Meinungsfreiheit wäre ebenso abgeschafft wie die anderen Grundrechte unserer freiheitlichen Demokratie“, sagte Stegner dem Handelsblatt. Die AfD müsse daher „mit allen friedlichen Mitteln“ bekämpft werden, bis sie wieder aus den Parlamenten verschwunden sei. Höcke warf er vor, die Pressefreit zu missachten und unabhängige Journalisten als „Lügenpresse“ zu diffamieren. Für die Anhänger seines völkisch-nationalistischen „Flügels“ ist Höcke indes ein Star. Daran hat auch die Einstufung der Strömung als Rechtsextremismus-Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz nichts geändert. Der „Flügel“ vertreibt Taschen und Tassen mit Höckes Konterfei.Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen schätzt, dass knapp jedes fünfte Mitglied seiner Partei dem rechtsnationalen „Flügel“ zugerechnet werden kann. „Diejenigen, die sich explizit dem Flügel zugehörig fühlen, das sind wahrscheinlich nicht einmal 20 Prozent der Mitglieder. Aber das ist nur ein grober Richtwert“, sagte er im Juli der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn man diejenigen mitzählt, die mit dieser Strömung der Partei sympathisieren, dann sind wir vielleicht bei 30 Prozent.“Gauland: „Nicht alles, was Herr Höcke sagt, ist immer auch meine Meinung"In Thüringen genießt Höcke laut der aktuellen Umfrage bereits einen stattlichen Rückhalt. Der Interview-Eklat spiegelt sich darin zwar nicht wider, weil die Befragung der Meinungsforscher vorher durchgeführt wurde. Fakt sei aber, so der Politikwissenschaftler Arzheimer, „dass die Nähe zum Rechtsextremismus, die sich in Ton und Inhalten der Flügel-Fraktion zeigt, für ein gutes Viertel der ostdeutschen Wählerinnen und Wähler offensichtlich attraktiv sind“.Die Aussicht auf ein starkes Wahlergebnis dürfte seine Position in der Bundespartei weiter festigen. Womöglich stellt Höcke bei der Wahl des nächsten Parteivorstandes Ende November sogar die Machtfrage und drängt an die Spitze. Andeutungen dieser Art gab es bereits. Die Bundespartei lässt ihn gewähren und vermeidet Konflikte mit ihm. Auf die Frage, wie er zu Höcke stehe, sagte Parteichef Gauland am Sonntag im ARD-Sommerinterview: „Nicht alles, was Herr Höcke sagt, ist immer auch meine Meinung. Aber man muss auch sagen, dass Höcke auch immer wieder fehlinterpretiert wird.“Den Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz überraschen solche Aussagen nicht. „Schließlich gehört es seit langem zur Grunderzählung der Partei, Menschen, die andere Meinungen vertreten, darunter auch nicht genehme Journalistinnen und Journalisten und Mitglieder demokratischer Parteien, „jagen“ beziehungsweise am Tag einer wie auch immer gearteten Machtübernahme „zur Rechenschaft“ ziehen zu wollen“, sagte von Notz dem Handelsblatt. „Dieses unverhohlene Drohen und bewusste Anfüttern von Gewaltfantasien ist kein Ausrutscher Höckes, sondern seit langem fester Bestandteil der politischen Strategie der AfD.“Mehr: Lesen Sie hier, wie eine wirksame Anti-AfD-Strategie aussehen kann. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Peter Biesenbach im Interview: NRW-Justizminister verstärkt Kampf gegen Wirtschaftskriminelle – 400 Beschuldigte in Cum-Ex-Skandal
    Peter Biesenbach Der Justizminister von Nordrhein-Westfalen treibt die Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals voran. (Foto:& Reuters) Der Justizminister von Nordrhein-Westfalen, Peter Biesenbach, sagt Wirtschaftskriminellen den Kampf an. „Unser geltendes Recht muss auf den Prüfstand. Wenn Gesetze Steuerhinterziehung ermöglicht oder deren Aufklärung erschwert haben, müssen wir da was tun“, sagte Biesenbach dem Handelsblatt am Dienstag. Der Justizminister zielt damit auf den Steuerskandal Cum-Ex, in dem Banken und vermögende Investoren sich um zwölf Milliarden Euro am Steuerzahler bereichert haben sollen.In Nordrhein-Westfalen läuft die Aufklärung der Affäre seit sechs Jahren und Biesenbach will sie forcieren. „Inzwischen habe ich der Staatsanwaltschaft Köln als Reaktion auf den Anstieg der Verfahrenszahlen und als Ausgleich für die Mehrbelastungen durch die Hauptverhandlung vier zusätzliche Planstellen zur Bearbeitung von Cum-Ex-Verfahren zur Verfügung gestellt. Damit ist die Personalstärke der Abteilung künftig mehr als verdoppelt.“Nach Angaben von Biesenbach sind bei der Staatsanwaltschaft Köln 56 Verfahrenskomplexe in Sachen Cum-Ex anhängig. In Düsseldorf ermitteln Staatsanwälte zurzeit in drei Ermittlungsverfahren. Es gibt mehr als 400 Beschuldigte. Biesenbach will das Personal seiner Behörden gegebenenfalls weiter ausbauen: „Wie in der Vergangenheit werde ich auch künftig genau im Blick behalten, ob die Personalausstattung für die Bearbeitung der aufwändigen Verfahren ausreicht. Mit der jetzigen Verstärkung der Staatsanwaltschaft Köln setze ich ein Zeichen, dass die Aufklärung der Cum-Ex-Komplexe der Landesregierung ein ganz besonderes Anliegen ist.“ Biesenbach sieht den aktuell am Landgericht Bonn angelaufenen Prozess gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher als Anlass für eine juristische Schwachstellenanalyse und mögliche Rechtsreform. Der Staat müsse sich damit befassen, „warum das Cum-Ex-Geschäftsmodell über einen so langen Zeitraum und in dem bislang von der Kölner Staatsanwaltschaft skizzierten immensen Ausmaß funktionieren konnte“, sagt der Minister. Lesen Sie hier das ganze Interview:Handelsblatt: Herr Biesenbach, Banken und Investoren haben sich mit Cum-Ex-Aktiengeschäften jahrelang eine einmal gezahlte Steuer mehrfach erstatten lassen. Wie bewerten Sie die Geschäfte?Biesenbach: Die abschließende strafrechtliche Bewertung für zwei Angeklagte und die gegen sie erhobenen Tatvorwürfe obliegt zurzeit dem Landgericht Bonn und gegebenenfalls nachfolgend dem Bundesgerichtshof. In einer Vielzahl weiterer Fälle ermitteln in Nordrhein-Westfalen die Staatsanwaltschaften Düsseldorf und Köln wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen. Der Minister der Justiz mischt sich in diese Verfahren aus guten Gründen nicht ein und bewertet die Vorwürfe nicht strafrechtlich.Aber eine Meinung dürfen Sie trotzdem haben:Biesenbach: Das Finanzgericht Köln hat die Problematik meiner Ansicht nach mit einer Entscheidung vom 19. Juli 2019, mit der es die Klage eines Aktienkäufers im Rahmen von Cum-Ex-Geschäften auf Erstattung der Kapitalertragsteuer abgewiesen hat, auf den Punkt gebracht. In einer Pressemitteilung des Gerichts heißt es: ‚Die mehrfache Erstattung einer nur einmal einbehaltenen und abgeführten Kapitalertragsteuer scheide […] bereits denknotwendig aus.‘“ In NRW läuft aufgrund des Sitzes des Bundeszentralamts für Steuern in Bonn ein Großteil der strafrechtlichen Aufarbeitung. In wie vielen Fällen ermitteln die Staatsanwaltschaften Köln und Düsseldorf?Biesenbach: Derzeit sind bei der Staatsanwaltschaft Köln 56 Verfahrenskomplexe anhängig, die sich zu Cum-Ex-Geschäften verhalten. Zum Verständnis des Begriffs des Verfahrenskomplexes hat der Leitende Oberstaatsanwalt - um Missverständnisse zu vermeiden - darauf hingewiesen, dass sich hinter der genannten Zahl nicht 56 Ermittlungsverfahren verbergen. Die Komplexe beziehen sich vielmehr auf 56 verschiedene juristische Personen. In jedem wird untersucht, über welchen Zeitraum und in welcher Rolle Verantwortliche für die juristische Person handelnd an Aktienkreisgeschäften teilgenommen haben. Nach Berichten des Leitenden Oberstaatsanwalts in Düsseldorf ermittelt seine Behörde zurzeit in drei Ermittlungsverfahren.  Wie viele Staatsanwälte sind damit in Köln und Düsseldorf befasst?Biesenbach: Die Verfahren der Staatsanwaltschaft Düsseldorf werden von einer Staatsanwältin und einem Staatsanwalt bearbeitet. Bei der Staatsanwaltschaft Köln ist für die Cum-Ex-Verfahrenskomplexe eine gesonderte Abteilung eingerichtet, zu der neben der Abteilungsleiterin bislang vier Dezernentenstellen gehörten. Ganz exakt waren es 4,7 Arbeitskraftanteile.Schaffen die denn die ganze Arbeit? Das sind doch sehr komplexe Fälle.Biesenbach: Inzwischen habe ich der Staatsanwaltschaft Köln als Reaktion auf den Anstieg der Verfahrenszahlen und als Ausgleich für die Mehrbelastungen durch die Hauptverhandlung vier zusätzliche Planstellen zur Bearbeitung von Cum-Ex-Verfahren zur Verfügung gestellt. Aus dem Personalbestand der Staatsanwaltschaft Köln kommt eine weitere, fünfte Kraft in die Abteilung zur Bearbeitung der Cum-Ex-Verfahren. Damit ist die Personalstärke der Abteilung künftig mehr als verdoppelt.Kürzlich startete der erste Strafprozess am Landgericht Bonn. Die Staatsanwaltschaften ermitteln bereits seit mehr als sechs Jahren. Warum hat das alles so lange gedauert?Biesenbach: Es galt zunächst, das System und die dahinterliegenden Strukturen zu erkennen und die Geschäfte zu verstehen. Das ist kein Prozess, bei dem wir über Tage, Wochen oder Monate reden, sondern über Jahre. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft Köln sprechen hierbei immer von einem „Eisberg“, von dem sie am Anfang nur die Spitze gesehen hätten. Die wahre Dimension der Aktiengeschäfte, die Höhe der angerichteten Schäden, die Professionalität in der Ausführung und die kriminelle Energie der handelnden Akteure waren allenfalls zu erahnen.Inzwischen sind Sie offenbar deutlich weiter.Biesenbach: In der Tat. Der entscheidende Durchbruch gelang, als es glückte, mehrere Asset-Manager und Broker, darunter auch die jetzt in Bonn vor Gericht stehenden Personen, zu einer Kooperation mit den Ermittlungsbehörden zu bewegen. Erst durch ihre Aussagen konnten die noch fehlenden Puzzlestücke zu einem einheitlichen Bild zusammengesetzt und durch die Staatsanwaltschaft Köln strafrechtlich bewertet werden.Der ersten Anklage werden vermutlich weitere folgen. Es sieht so aus, als ob die strafrechtliche Aufarbeitung noch Jahre dauern wird. Reicht das Personal?Biesenbach: Wie in der Vergangenheit werde ich auch künftig genau im Blick behalten, ob die Personalausstattung für die Bearbeitung der aufwändigen Verfahren ausreicht. Mit der jetzigen Verstärkung der Staatsanwaltschaft Köln setze ich ein Zeichen, dass die Aufklärung der Cum-Ex-Komplexe der Landesregierung ein ganz besonderes Anliegen ist. Die Verfolgung von Straftaten in diesem Bereich erfährt damit die Bedeutung und Beachtung, die sie aus meiner Sicht erfordert und die sie auch in Zukunft erhalten wird. Viele Beobachter gehen davon aus, dass viele Fälle verjähren. Befürchten Sie das auch?Biesenbach: Das deutsche Strafrecht sieht nur eine Bestrafung natürlicher Personen vor. Das bedeutet, dass man, nachdem man die Strukturen erkannt hat, ermitteln muss, wer in den jeweiligen Gesellschaften, Organisationen und Firmen im In- und Ausland in Fleisch und Blut für diese Geschäfte verantwortlich war. Die Kooperationsbereitschaft der jeweiligen Finanzgesellschaften dazu ist naturgemäß eingeschränkt. Auch hier
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Versorgungskrise: Warum Erdnussbutter in Deutschland seit Monaten ausverkauft ist
    Erdnussbutter EU-Strafzölle könnten für die Erdnussbutter-Knappheit in Deutschland verantwortlich sein, es sind aber auch andere Gründe denkbar. (Foto:& dpa) Fans von Erdnussbutter hierzulande sind verzweifelt: Seit einigen Monaten sind in fast allen Supermärkten von Rewe bis Edeka die Regale wie leergefegt. Vor allem amerikanische Peanut Butter fehlt. In Online-Shops heißt es: „Derzeit nicht lieferbar.“Beim Internet-Versender Peanutbuttershop.de etwa sind zehn von 16 Erdnussbutter-Marken vergriffen. Nur ein paar Bio-Marken gibt es noch. Auf Online-Foren und auf Twitter rätseln Erdnussfans, warum ihre geliebte Peanut Butter verschwunden ist. Insider nennen Filialen, wo die letzten Restbestände beliebter Marken wie Barney’s, Skippy, Jip noch zu finden sind. Fans sprechen von bereits von „Erdnussbutterkrise“ und „Erdnussbuttergate“. Ein Blick in die Zollstatistik zeigt, woran es liegt: Die Einfuhren aus den USA sind laut Statistischem Bundesamt im Juni plötzlich radikal eingebrochen.Wurden im Juni 2018 noch 1.078 Tonnen importiert, waren es im Juni 2019 nur noch acht Tonnen. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr fast 50 Prozent weniger Erdnussbutter aus den USA importiert, die Menge sank von 5.683 Tonnen auf 2.973 Tonnen. Doch die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Manch einer vermutet, es könnte an den EU-Strafzöllen liegen, die seit Juni 2018 auf US-Importe auf Erdnussbutter wie auf Jeans, Whiskey und Harley Davidson verhängt werden. Sie sind eine Vergeltung auf Trumps Strafzölle auf Stahl- und Aluimporte. Doch dann wäre der Einbruch bei den Erdnussbutter-Einfuhren wohl nicht erst nach einem Jahr und dann so drastisch erfolgt. Derzeit gilt ein Strafzoll von 25 Prozent auf Erdnussbutter aus den USA. Immerhin fließen laut dem Branchenverband American Peanut Butter Council normalerweise fast Zweidrittel aller EU-Importe nach Deutschland. Die Frage ist, wer den Aufpreis zahlt.Lee Zalben, Gründer von Peanut Butter & Co. aus Manhattan, sagte der „Washington Post“ im Januar, die europäischen Käufer würden Bestellungen stornieren, kürzen oder aber Rabatte einfordern. Ein deutscher Branchenkenner will nicht ausschließen, dass zu hohe Rabattforderungen US-Lieferanten verschreckt haben könnte.Andere Erdnussbutterfans wollen gehört haben, dass Chargen kontaminiert waren. Schließlich kommt es gar nicht selten vor, dass Erdnussbutter mit Schimmelpilzen oder Salmonellen verseucht ist. 2015 wurde der frühere Chef der Peanut Corporation of America, Stewart Parnell, zu einer Gefängnisstrafe von 28 Jahren verurteilt. Durch Salmonellen in Erdnussbutter der Marken Peter Pan sowie Great Value von Walmart waren zwischen 2004 und 2007 mehr als 700 Amerikaner erkrankt und neun Menschen gestorben. Der Hersteller musste eine Geldstrafe von mehr als elf Millionen Dollar zahlen.Rewe greift auf kanadische Lieferanten zurückWas der Auslöser für die derzeitige Erdnussbutter-Knappheit hierzulande ist, dazu gibt sich American Peanut Butter Council in Deutschland ahnungslos und verweist an den wichtigsten deutschen Importeur Dockhorn & Co. Import-Export GmbH aus Hamburg, der die Marke Barney’s Best vertreibt. „Derzeit gibt es bei unserer Erdnusscreme Lieferschwierigkeiten“, bestätigt Maximilian Dockhorn, zuständig für Einkauf und Verkauf, auf Anfrage. Daher sei die Ware auch nicht in den Regalen der Supermärkte zu finden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Erdnusscreme so schnell wie möglich wieder an den Lebensmitteleinzelhandel zu liefern.“ Was hinter den Lieferschwierigkeiten steckt, dazu schweigt der Importeur. In den USA jedenfalls ist von einer Erdnussbutterkrise keine Rede. In Branchenkreisen ist zu hören, dass dem US-Lieferanten von Barney’s Best ein Zertifikat fehle, das aber demnächst nachgereicht werden solle. Weil die beliebte Marke Barney’s Best, die in Frankreich, Deutschland und der Schweiz vertrieben wird, nun in den Regalen fehle, seien deshalb auch US-Marken wie Skippy oder Jip derzeit vergriffen, wird spekuliert.Deutsche Händler wollen nicht länger abwarten und suchen nach anderen Bezugsquellen. Die Supermarkt-Kette Rewe etwa hat inzwischen einen kanadischen Lieferanten gefunden. „Diese Erdnussbutter ersetzt dann die Erdnussbutter eines US-Herstellers“, teilt Rewe auf Anfrage mit. Im Laufe dieser Woche sollen die ersten Lieferungen in Rewe-Märkten eintreffen. Praktischer Nebeneffekt: Auf kanadische Erdnussbutter gibt es keine EU-Strafzölle. Auch Online-Versender Peanutbuttershop.de will sich unabhängiger machen von den Lieferungen etablierter Marken. „Anfang 2020 bringen wir unsere eigene Marke auf den Markt“, verrät Co-Geschäftsführer Daniel Tabbara. „Schließlich wird Erdnussbutter bei den Deutschen immer beliebter.“Mehr: Die Auseinandersetzung mit China dominiert weiterhin. Am Sonntag stellte der US-Präsident klar: Er hätte die Zölle noch höher ansetzen sollen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Chemiekonzern: Bayer investiert in neue Geschäfte im Bereich digitale Gesundheit
    Bayer-Logo Mit 20 Millionen Dollar beteiligt sich der Konzern an Informed Data Systems. (Foto:& dpa) Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern investiert in neue Geschäfte im Bereich digitale Gesundheit. Bayer beteiligt sich mit 20 Millionen Dollar an der US-Firma Informed Data Systems. Zudem wurde eine Lizenzvereinbarung über zehn Millionen Dollar für die weitere Entwicklung und Vermarktung der digitalen Technologieplattform von Informed getroffen. Diese wurde ursprünglich für den Bereich Diabetes entwickelt und soll nun um Dienstleistungen in anderen Therapiebereichen erweitert werden, die den Patienten unter anderem Training, Beratung und die Überwachung seiner Erkrankung bieten.Mehr: Fünf statt sieben: Der Bayer-Konzern spart auch im Vorstand. Zwei Mitglieder scheiden aus, Vorstandschef Baumann erhält weitere Aufgaben. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • AOK-Umfrage: Wer Homeoffice macht, arbeitet konzentrierter
    Arbeiten im Homeoffice Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat untersucht, wie sich flexible Arbeitszeiten und -orte auf die Gesundheit auswirken. (Foto:& dpa) Wohnzimmer statt Büro: Wer Homeoffice macht, kann laut einer Umfrage konzentrierter arbeiten. Das meinen knapp drei Viertel der befragten Betroffenen, wie die Krankenkasse AOK einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Dienstag) zufolge ermittelt hat. Knapp jeder Fünfte empfindet demnach aber das Arbeiten von zu Hause aus als Belastung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei erschwert. Laut der Umfrage mache jeder Dritte das Homeoffice häufig auch abends und am Wochenende auf. Etwa jeder Neunte muss öfters wegen privater Dinge die Arbeit am heimischen Schreibtisch unterbrechen.„Ständig erreichbar und mobil – die digitalen Möglichkeiten verändern unsere Art zu arbeiten“, hieß es bei der AOK. „So verschwimmt bei vielen Beschäftigten immer häufiger die Trennung zwischen Job und Privatleben.“ Das Wissenschaftliche Institut der Krankenkasse hat untersucht, wie sich flexible Arbeitszeiten und -orte auf die Gesundheit auswirken. Mehr: Das Homeoffice ist eher die Ausnahme als die Regel. Die Grünen wollen nun sicherstellen, dass mobile Arbeitsplätze keine Karrieren ruinieren. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Bitkom-Umfrage zur DSGVO: Nur ein Viertel der Firmen in Deutschland erfüllt die neuen EU-Datenschutzvorgaben
    Datenschutz Die DSGVO verlangt im Kern von Unternehmen, mit den Daten ihrer Kunden oder Nutzer wesentlich eingeschränkter umzugehen. (Foto:& dpa) Erst ein Viertel der Unternehmen in Deutschland hat die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bis heute vollständig umgesetzt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter mehr als 500 Firmen, die der Digitalverband Bitkom am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Der Befund hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um nur 2 Prozent verbessert. Für Susanne Dehmel, Rechtsexpertin des Bitkom, liegen die Gründe auf der Hand: „Nach wie vor bestehen große Unsicherheiten bei der Auslegung der neuen Regeln“, sagte sie. Eine vollständige Umsetzung der DSGVO scheine somit vielen Unternehmen unmöglich. Das spiegelt sich auch in der Umfrage wider. Nur 42 Prozent der Befragten (2018: 40 Prozent) gaben demnach an, die seit 25. Mai 2018 europaweit geltenden Regeln vollständig umgesetzt zu haben. Die DSGVO verlangt im Kern von Unternehmen, mit den Daten ihrer Kunden oder Nutzer wesentlich eingeschränkter umzugehen. Die Weitergabe persönlicher Daten wird erschwert. Die Unternehmen müssen dafür etwa ihre Datenschutzerklärungen überarbeiten.Die strengeren Regeln gelten auch für Vereine und Behörden. Verbraucher müssen darüber informiert werden, wer Daten wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Ausweisnummer aus welchem Grund sammelt – und dem dann zustimmen. Zu den neuen Vorschriften gehört etwa auch das Recht auf Vergessen, also dass ein Nutzer die Löschung seiner personenbezogenen Daten verlangen kann. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen. Zum Stichtag im vergangenen Jahr war vielfach von Panik bei den Unternehmen die Rede gewesen. Immerhin drohen seither erstmals teils hohe Bußgelder bei Verstößen. Die Zahl der Geldstrafen hielt sich aber in Grenzen. In Deutschland wurden laut einer Auswertung der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young im vergangenen Jahr 42 Bußgelder verhängt und 54 Verwarnungen ausgesprochen. Damit waren die deutschen Behörden im Vergleich mit 15 anderen EU-Ländern am aktivsten. In Lettland wurden in zwölf, in Frankreich in zehn Fällen Bußgelder verhängt.Angst vor AbmahnanwältenAuf Kritik stößt in den meisten Unternehmen, die Rechtsunsicherheit durch die neuen Vorgaben und ein schwer abzuschätzender Umsetzungsaufwand. Jeweils zwei Drittel (68 Prozent) sieht darin die größte Herausforderung. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) beklagt fehlende Umsetzungshilfen, gut ein Drittel (37 Prozent) sieht fehlendes Fachpersonal als schwer zu nehmende Hürde.Viele haben zudem immer noch mit den erweiterten Dokumentations- und Informationsplichten zu kämpfen. So bestätigen fast alle Befragten (97 Prozent) einen hohen Aufwand. Die Katalogisierung der Prozesse ist für 93 Prozent sehr aufwändig, 86 Prozent geben dies für ihr Vertragsmanagement an. Die sogenannten Privacy-by-Design-Anforderungen zu erfüllen, bedeutet für 84 Prozent viel Arbeit, weil der Datenschutz schon bei der Produktentwicklung (Privacy by Design) berücksichtigt werden soll. Ähnlich viele (82 Prozent) sehen sich wegen der Datenschutz-Grundverordnung mit hohen Aufwänden für den Betrieb ihrer Webseiten konfrontiert. Eben das ist nicht ohne.Die Sorge mancher in der Wirtschaft ist, dass Abmahnanwälte infolge der DSGVO aktiv werden könnten, wenn Webseiten nicht datenschutzkonform sind. Laut den neuen Regeln müssen Datenschutzerklärungen und allgemeine Geschäftsbedingungen auf Internetseiten verständlicher formuliert werden. Webseiten-Betreiber müssen überdies in einem „Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten“ auflisten, welche Daten wann, wie und warum erhoben und wie sie weiterverarbeitet wurden. Angesichts derart komplexer Vorgaben könnte es entsprechend viele Fehler geben, die dann Anlass zu Abmahnungen geben könnten. Nahezu alle Firmen wollen Nachbesserungen Der Datenschutz-Aufwand, den die Unternehmen betreiben müssen, zieht auch negative Folgen in anderen Bereichen nach sich. Jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) gibt in der Bitkom-Umfrage an, dass neue, innovative Projekte aufgrund der DSGVO gescheitert seien. Bitkom-Expertin Dehmel fordert deshalb, die Datenschutzregeln auf den Prüfstand zu stellen. Die DSGVO müsse so weitentwickelt werden, dass der Schutz der Privatsphäre und die Entwicklung innovativer datengetriebener Geschäftsmodelle in Einklang gebracht werden können. „Datenschutz sollte kein lästiger Bremsklotz, sondern Leitplanke mit Orientierungsfunktion für datenbasierte Dienste sein“, so Dehmel.Nachbesserungen fordern auch nahezu alle befragten Unternehmen (98 Prozent). Wobei fast ebenso viele (95 Prozent) der Meinung sind, dass die DSGVO nicht komplett umsetzbar sei. Jedenfalls zeigen das die Erfahrungen im praktischen Alltag. Drei Viertel (74 Prozent) geben an, dass ihre Kunden genervt sind von zusätzlichen Infoblättern und Hinweisen. Andererseits werden auch die positiven Effekte der DSGVO gesehen. So sind fast zwei Drittel (64 Prozent) überzeugt, dass der strenge EU-Datenschutz weltweit Maßstäbe für den Umgang mit Personendaten setzen wird. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) glaubt, die DSGVO wird zu einheitlicheren Wettbewerbsbedingungen in der EU führen. Dass sich die DSGVO weltweit als Leitbild für den Datenschutz etabliert, konstatiert auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber. „Kalifornien zum Beispiel hat sich den EU-Datenschutz zum Vorbild genommen und ein Gesetz beschlossen, dass 2020 in Kraft treten soll“, sagte Kelber zu Jahresbeginn im Interview mit dem Handelsblatt. Aber auch in Deutschland sei die DSGVO mittlerweile bei der Bevölkerung angekommen. „Die Startschwierigkeiten lagen daran, dass manche auf die neuen Regeln nicht ausreichend vorbereitet waren – trotz der großzügigen Umsetzungsfrist.“ Bundesregierung will Dialog mit Brüssel suchenGleichwohl sieht auch Kelber Verbesserungsbedarf. Genauso wie das für den Datenschutz zuständige Bundesinnenministerium. Bei einem Datenschutzkongress im Mai kündigte der CSU-Staatssekretär Stephan Mayer an, dass sich Deutschland im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr um Änderungen bemühen wolle. Der Ball liege aber „eindeutig im Feld der EU-Kommission“, sagte Mayer. Man werde aber den Dialog mit Brüssel suchen.Bitkom-Expertin Dehmel hofft auf Erleichterungen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen sowie im Bereich der Forschung, auf die stark auf Nutzung von daten angewiesen ist. „Im Innovationsumfeld und insbesondere für Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz müssen die Rahmenbedingungen mit der Entwicklung Schritt halten“, mahnte Dehmel. Mehr: Lesen Sie hier, warum die Wirtschaft Nachbesserungsbedarf beim Datenschutz sieht. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • EZB: EU-Parlament stimmt für bisherige IWF-Chefin Lagarde an EZB-Spitze
    Christine Lagarde Lagarde soll von der Spitze des IWF an die Spitze der EZB wechseln. (Foto:& AFP) Das EU-Parlament hat sich mit großer Mehrheit für die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen. Lagarde erhielt am Dienstag 394 von 649 abgegebenen Stimmen bei einem geheimen Votum des Europaparlaments in Straßburg.206 Abgeordnete sprachen sich gegen die Französin aus, 49 enthielten sich. Lagarde hatte den Abgeordneten bereits Anfang September in Brüssel Rede und Antwort gestanden. Die Abstimmung im Parlament hatte vor allem symbolischen Charakter.Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Juli als Nachfolgerin von Mario Draghi an der Spitze der EZB nominiert. Der offizielle Beschluss soll im Oktober fallen.Gleichzeitig bestätigte das Parlament Notenbank-Direktor Yves Mersch als neuen Vizechef der EZB-Bankenaufsicht. Die Amtszeit der deutschen EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger auf dieser Position war im Februar abgelaufen. Seitdem blieb die Stelle unbesetzt. Die Nummer zwei beim Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) – so der offizielle Name der EZB-Bankenkontrolleure – gilt als wichtiges Bindeglied zwischen der Aufsicht und der Geldpolitik. Die Zentralbank mit Sitz in Frankfurt entscheidet über die Geldpolitik für die Eurozone und bestimmt unter anderem den Leitzinssatz, der auch für Sparer und Kreditnehmer wichtig ist. Hauptziel der EZB ist Preisstabilität.Mehr: Die Europäische Zentralbank sollte transparenter und flexibler werden – auch, um sich selbst zu entlasten. Der Wechsel an der Spitze bietet dafür die Gelegenheit. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019
  • Brauereikonzern: Anheuser-Busch gibt Startschuss für Börsengang von Asien-Tochter
    Anheuser-Busch InBev Der weltgrößte Brauereikonzern stellt Marken wie Beck's, Budweiser oder Corona her. (Foto:& Reuters) Der Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev hat den weltweit zweitgrößten Börsengang in diesem Jahr auf den Weg gebracht. Die Aktienplatzierung des Asiengeschäfts an der Börse in Hongkong soll bis zu 6,6 Milliarden Dollar einbringen, wie das belgische Unternehmen diesen Dienstag mitteilte. Geplant ist der Gang aufs Parkett für Mittwoch. Die rund 1,3 Milliarden Aktien der Budweiser Brewing Company Apac werden in einer Preisspanne von 3,45 bis 3,83 Dollar je Stück angeboten. Damit wird das Unternehmen mit bis zu 50,7 Milliarden Dollar bewertet. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 17-09-2019