Handelsblatt

  • Digitaler Job-Monitor: Die Nachfrage nach Digitalexperten stagniert
    Die wachsenden Konjunktursorgen in vielen Branchen belasten auch den Arbeitsmarkt für Digitalexperten. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in 16 Digital-Jobs, die für die digitale Transformation der Wirtschaft besonders wichtig sind, betrug zwischen Juni und September knapp 29.000. Das entspricht etwa dem Wert des Vorquartals, liegt aber etwa ein Zehntel unter dem Höchstwert zu Jahresbeginn.Die Stellenausschreibungen in den weiter gefassten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) blieben unverändert, liegen aber ebenfalls deutlich niedriger als zu Beginn des Jahres. Für den digitalen Job-Monitor des Handelsblatts durchforstet die Berliner Index-Gruppe alle ausgeschriebenen Stellen in gedruckten Medien, Online-Stellenbörsen und 130.000 Websites nach den Berufsprofilen.Besonders hoch ist die Nachfrage weiterhin nach Spezialisten für Online-Marketing, Cloud Computing und Social Media. Der größte Zuwachs an Stellenausschreibungen entfällt auf Social Media – also auf ein Thema, das eigentlich eher am Beginn der Digitalisierung steht.
    Dagegen weisen „Deep Tech“-Qualifikationen wie Künstliche Intelligenz oder Robotik kaum noch Wachstum oder sogar Rückgänge auf. Interessant ist auch der Blick auf die Bundesländer: Die Rückgänge sind vor allem in Bayern, Niedersachsen, dem Saarland und Thüringen zu beobachten. Offenbar halten sich die Unternehmen mit Neueinstellungen auch in diesen strategisch wichtigen Gebieten im Moment etwas zurück. Viele Transformationsprojekte werden aktuell auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Da vor allem neue digitale Geschäftsmodelle eine lange Anlaufzeit benötigen, steigt die Gefahr, dass vielversprechende Projekte zu früh eingestellt werden. Mehr: Deutschland droht, den in Sachen Künstliche Intelligenz den Anschluss zu verlieren. Daran sind auch die Unternehmen schuld, schreibt Holger Schmidt im Handelsblatt-Expertenrat. Dr. Holger Schmidt beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit der digitalen Ökonomie. Zunächst als Journalist, heute als Keynote-Speaker, Autor und Uni-Dozent. Die Schwerpunkte des Volkswirts liegen auf den Themen Digitale Transformation, Plattformökonomie, Künstliche Intelligenz und Arbeit 4.0. StartseiteLet's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Masernschutz: Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht
    Masern-Impfpflicht Laut Robert-Koch-Institut sind in diesem Jahr in Deutschland bisher 501 Menschen an Masern erkrankt. (Foto:& dpa) Zur stärkeren Eindämmung von Masern-Erkrankungen in Deutschland kommt im neuen Jahr eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen. Der Bundestag beschloss am Donnerstag ein Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), das zum 1. März 2020 in Kraft treten soll. Eltern müssen dann vor der Aufnahme ihrer Kinder in Kitas oder Schulen nachweisen, dass diese geimpft sind. Bei Verstößen sollen Bußgelder bis zu 2500 Euro drohen. Für Kinder, die schon in der Kita oder in der Schule sind, ist bis 31. Juli 2021 nachzuweisen, dass sie geimpft sind oder die Masern schon hatten.Spahn sagte: „Masernschutz ist Kinderschutz.“ Das Gesetz solle die Schwächsten vor der hoch ansteckenden Erkrankung schützen und stelle auf Gemeinschaftseinrichtungen ab. Gelten soll die Impfpflicht auch für Personal in Kitas und Schulen, für Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen sowie für Bewohner und Mitarbeiter in Unterkünften für Asylbewerber. In namentlicher Abstimmung votierten 459 Abgeordnete für das Gesetz, 89 lehnten es ab, 105 enthielten sich.In diesem Jahr sind in Deutschland bisher 501 Menschen an Masern erkrankt, wie aus der Online-Datenbank des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Die Bundesregierung verweist darauf, dass Masern zu den ansteckendsten Erkrankungen gehören. Um die Zirkulation der Erreger zu verhindern, sei bei mindestens 95 Prozent der Bevölkerung Immunität erforderlich. Deutschland habe die nötigen Impfquoten aber bisher nicht erreicht.Das Gesetz sieht außerdem weitere Neuregelungen vor. So sollen Opfer von Vergewaltigungen eine „vertrauliche Spurensicherung“ mit Untersuchungen etwa auf Sperma, K.o.-Tropfen oder Alkohol künftig bundesweit von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt bekommen. Ein erweitertes Werbeverbot soll Jugendliche stärker vor unnötigen Schönheitsoperationen bewahren. Mehr: Hunderttausende Kinder in Deutschland sind einer Studie zufolge nicht ausreichend geimpft. Gesundheitsminister Spahn sieht sich bestätigt, eine Impfpflicht festzuschreiben. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Rüstungsgeschäfte: Milliardenauftrag aus Katar – Schmierte KMW einen katarischen General?
    Panzer des Typs Leopard 2 Kraus-Maffei Wegmann bot keine Orden, aber Provisionszahlungen – und erhielt den Auftrag. (Foto:& Reuters) Es ist ein ungewöhnlich warmer Oktobermorgen, an dem drei Richter des Kantongerichts Zug ihre Verhandlung eröffnen. Der Gerichtssaal wirkt klein, bietet jedoch Platz genug für das öffentliche Interesse an dem Fall. Nur neun Personen sind in den Raum mit der breiten Fensterfront gekommen, in dem bisher geheime Details eines zwei Milliarden Euro schweren Rüstungsgeschäfts erörtert werden.Wenn es stimmt, was ein Jurist vorträgt, hat der deutsche Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) rund 100 Millionen Euro bezahlt, um die Bestellung von 62 Leopard-Panzern, 24 Haubitzen und anderem schweren Gerät zu ergattern. Die Provision in Höhe von fünf Prozent des Gesamtvolumens floss an eine Firma mit mächtigen Hintermännern: Kingdom Projects, ansässig in Straße 361, Gebäude 226 im Stadtteil Fereej Bin Omran von Doha.Ein Gesellschafter der Kingdom Projects soll Scheich Ahmed Nasser Al-Thani sein: ein Brigadegeneral und stellvertretender Stabschef des katarischen Militärgeheimdienstes. Damit steht ein böser Verdacht im Raum. Schmierte Krauss-Maffei Wegmann einen katarischen General? Das Unternehmen weist solche Vorwürfe von sich.Unbestritten ist der Einfluss von Al-Thani im Wüstenstaat. Er ist Teil der weit verzweigten Familie des Emirs und war international umgarnt. Als der deutsche Krauss-Maffei-Konzern seine Leopard 2 nach Katar verkaufen wollte, bot der französische Konkurrent Nexter sein Modell Leclerc an. Die Botschaft ernannte den Scheich während der heißen Vergabephase im Frühjahr 2012 zum „Ritter der Französischen Ehrenlegion“. Die Deutschen boten keine Orden, aber Provisionszahlungen. Kraus-Maffei Wegmann erhielt den Auftrag.Mögliche Motive werden nun im Gerichtssaal in Zug besprochen. Die Klage führt ein deutsches Ehepaar, dessen schweizerische Agentur seit Jahrzehnten militärisches Gerät nach Katar exportiert. Beklagt ist ein früherer Partner in Doha: die Multi Services Company Qatar (MSC-Q).MSC-Q soll Bücher offenlegenBei der Trennung der beiden Geschäftspartner sollen Rechnungen in Millionenhöhe offengeblieben sein. Die schweizerische Agentur möchte deshalb durchsetzen, dass die MSC-Q ihre Bücher offenlegt. Die Katarer wollen das lieber nicht. Ihr Anwalt nennt die Auskunftsklage der Deutschen „substanzlos“.Die Vorträge der Juristen plätschern lange dahin. Gepanzerte Limousinen kommen zur Sprache, Nachtsichtgeräte und Munition. Doch plötzlich erwähnt der Anwalt der Kläger den Milliardendeal von Kraus-Maffei Wegmann. Es wird deutlich: Das deutsche Ehepaar und die MSC-Q waren maßgeblich an der Anbahnung der Panzerverkäufe beteiligt. Die Kingdom Projects, die von Krauss-Maffei Wegmann Provision erhielt, wäre demnach eine Nachfolgerin der MSC-Q.Der Anwalt der Kläger vermittelt den Eindruck, als kenne er die Abläufe bei dem Milliardendeal im Detail. Kraus-Maffei Wegmann und die MSC-Q wären gar nicht ins Geschäft gekommen, sagt er, wenn seine Mandanten dies nicht vermittelt hätten. Der Schweizer Advokat nennt Abläufe, Provisionssätze und Rabatte. Katarische Delegation mit kanadischen PässenWie wichtig seine deutschen Mandanten für den Rüstungsdeal waren, zeigt das Besuchsprogramm einer katarischen Delegation, die im März 2012 nach Deutschland reiste. Auf dem KMW-Testgelände in München ließen sich die Offiziere den Leopard 2 Panzer sowie die Radfahrzeuge Boxer und Fennek vorführen. Sie unternahmen einen Abstecher zur Deutsch-Französischen Brigade nach Mühlheim. Der Kläger ist auf Teilnehmerliste als „KMW Representative Qatar“ verzeichnet.Der gleiche Titel ist an zwei Araber vergeben: Marar Al-Jundi und Labid Al-Jundi. Die umtriebigen Brüder führten die Tagesgeschäfte der MCS-Q. Sie sollen aus Syrien stammen, aber kanadische Pässe haben. Das würde eine weltweite und unbehelligte Reisetätigkeit erlauben.Das Kommando bei der MSC-Q hatten Katarer. Im Board saß der spätere Ritter der französischen Ehrenlegion Scheich Ahmed Nasser Al-Thani. 70 Prozent der MSC-Q gehörten seinem Sohn, 30 Prozent entfielen auf den „Qatar Armed Forces Investment Portfolio“, gewissermaßen einem Fonds des katarischen Militärs.Im Direktorium der MSC-Q gab es einen weiteren einflussreichen General: Thani Abdulrahman Al-Kuwari. Er diente von 2003 bis 2013 als Finanzverantwortlicher der katarischen Armee und von 2011 bis 2014 als „Head of the Tenders and Auction Committee“ des Verteidigungsministeriums. Al-Kuwari war somit für alle großen Ausschreibungen verantwortlich. Heute ist Al-Kuwari Vizepräsident des Olympischen Komitees in Katar.Provisionsverhandlungen mit führenden Generälen wären schwer zu rechtfertigen – jedenfalls für die deutsche Seite. Das Bundeswirtschaftsministerium hat klare Vorkehrungen gegen die Vergabe von Bakschisch – zu Deutsch etwa mit Schmiergeld zu übersetzen. Auch die eigenen Compliance-Richtlinien verbieten es Kraus-Maffei Wegmann, Provisionen an Firmen zu zahlen, die unter dem Einfluss von Entscheidungsträgern stehen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Finanzgremium G30: Ökonomen warnen vor einer 15,8-Billionen-Dollar-Lücke im Rentensystem von 21 Ländern
    Rente Den großen Industriestaaten drohe eine „Rentenkrise“, warnt die Group of Thirty (G30). (Foto:& dpa) Während die Große Koalition die Leistungen der Rentenversicherung in den vergangenen Jahren beständig ausgebaut hat wie zuletzt mit der Grundrente, warnen Ökonomen schon länger vor Finanzierungsproblemen in der Zukunft. Deutschland ist mit seinen Problemen allerdings nicht allein. Den großen Industriestaaten drohe eine „Rentenkrise“, warnt die Group of Thirty (G30), ein internationales Finanzforum aus Bankern, Notenbankern und Wissenschaftlern, in einer umfangreichen Studie. Die G30-Experten haben in der Studie mit dem Titel „Die Rentenkrise lösen“ die prognostizierten Einnahmen für die Alterssicherungssysteme mit den zugesagten Renten- und Pensionsleistungen in 21 Staaten verglichen. Ergebnis: Die Länder steuern auf eine gigantische Finanzierungslücke zu. Nach den Schätzungen der G30 könnte sie bis zum Jahr 2050 auf 15,8 Billionen Dollar steigen. „Die Finanzierung der Rentensysteme ist in nahezu allen großen Staaten auf Dauer eine tickende Zeitbombe“, sagte Gerd Häusler dem Handelsblatt. Der Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Munich Re und frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds ist Mitglied bei der G30 und hat an der Studie maßgeblich mitgearbeitet. „Die Finanzierungslücke für eine auskömmliche Versorgung im Alter wird in den kommenden Jahrzehnten dramatisch wachsen“, sagte er. In der Studie werden drei Gründe für die Schwierigkeiten genannt. Der demographische Wandel: In den vergangenen Jahren sind die Geburtenraten gesunken, während gleichzeitig die Lebenserwartung gestiegen ist, wodurch immer mehr Menschen länger Rente beziehen. Hinzu kommt, dass die G30 mit einem langsameren Wirtschaftswachstum und rückläufigen Erträgen aus den Altersvorsorgeanlagen rechnen. Lücke kann auch noch größer ausfallenDas Finanzloch von 15,8 Billionen Dollar sei sogar noch konservativ prognostiziert, heißt es in der Studie. „Bei weniger optimistischen Annahmen für Wirtschaftswachstum, Löhne oder Renditen auf Vorsorgeinvestitionen, würde diese Lücke noch größer ausfallen.“ Bei den 21 untersuchten Ländern handelt es sich um die wichtigen Industriestaaten, die zusammen für rund 90 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung stehen. Für einzelne Staaten wird die Finanzlücke in der Studie nicht beziffert. „Was die Finanzierungslücke betrifft, würde ich sagen, dass Deutschland im guten Mittelfeld liegt“, sagte Häusler. Da gebe es durchaus Länder mit noch größeren Problemen, meinte der frühere Vorstandschef der Bayerischen Landesbank. Kern der Alterssicherung in Deutschland ist die gesetzliche Rente, die nach dem Umlageverfahren funktioniert: Die Rentenleistungen werden über die Beiträge der arbeitenden Generation finanziert. Nach einem Jahrzehnt hoher Lohnzuwächse und geringer Arbeitslosigkeit ist die Rentenversicherung aktuell noch sehr gut aufgestellt. Die Rücklagen betragen rund 38 Milliarden Euro, der Beitragssatz soll bis 2024 auf dem niedrigen Stand von 18,6 Prozent bleiben. Dann wird es den in dieser Woche vorgestellten Prognosen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zufolge aber einen deutlichen Sprung auf 19,8 Prozent geben. „Was ich kritischer sehe, sind die aktuellen politischen Maßnahmen: Da wird derzeit noch wenig gegengesteuert“, monierte Häusler. „Im Gegenteil: Einiges geht in die falsche Richtung.“ Und damit meint er nicht zuerst die Grundrente. Späterer Renteneintritt als wirksamstes MittelAuch in der G30-Studie wird eine Mindestsicherung gefordert. Kritischer sieht Häusler die abschlagfreie Rente mit 63. Denn die Lösungsvorschläge in der Studie gehen genau in die andere Richtung: Ein späterer Renteneintritt wird als wirksamstes Mittel gesehen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Würde das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre angehoben, ließe sich mit 7,6 Billionen Dollar fast die Hälfte der Lücke schließen, heißt es in dem Papier. „Die Maßnahme bringt am meisten und hilft am schnellsten“, sagte Häusler. In der Studie spricht sich die G30 aber nicht wieder für ein auf Dauer fixes Renteneintrittsalter aus. „Es sollte vielmehr an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden, die immer weiter steigt“, so Häusler. Es werden auch andere Stellschrauben genannt, die aber weniger effektiv sind oder zu ungewünschten Ergebnissen führen. Dazu zählen niedrige Rentenzahlungen. „Ein niedrigeres Versorgungsniveau im Alter ist politisch und sozial vielfach schwierig“, meint Häusler. Auch bei zusätzlichen Einnahmen für das Rentensystem sieht er wenig Spielraum. „Die Steuer- und Abgabenquote ist schon hoch.“„Schon mittelfristig, mehr aber noch langfristig, ist die demografische Entwicklung für die finanzielle Entwicklung der Rentenversicherung von großer Bedeutung“, warnte gerade auch der DRV-Vorstandsvorsitzende Alexander Gunkel. Immer mehr Steuergeld muss in die Rentenkasse fließen, der jährliche Bundeszuschuss nähert sich bereits der Marke von 100 Milliarden Euro. Doch während die Auswirkungen der alternden Gesellschaft auf die Sozialsysteme absehbar sind, beschloss die Große Koalition zuletzt vor allem Leistungsausweitungen in der Rente. Zur Stärkung der privaten Vorsorge geschah dagegen wenig. Die großen Zukunftsfragen zur Rente lagerten Union und SPD in eine Kommission aus, die im nächsten Frühjahr Vorschläge für einen „verlässlichen Generationenvertrag“ vorlogen soll. Mehr: Bei der Grundrente ist längst nicht alles geklärt. Wichtige Details fehlen. Und das Finanzierungskonzept hat Lücken. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Medienanstalt: NDR-Streik hat Auswirkungen auf die „Tagesschau“
    „Tagesschau“ Beim Norddeutschen Rundfunk haben die Mitarbeiter des Senders gestreikt. (Foto:& NDR/Dirk Uhlenbrock) Wegen eines Warnstreiks beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) ist am Donnerstagmorgen mehrfach eine leicht abgespeckte Version der „Tagesschau“ gesendet worden. So musste die Moderatorin Susanne Daubner drei Ausgaben der Nachrichtensendung ohne passende Hintergrundbilder vorlesen. „Das hatte mit dem Streik zu tun“, sagte ein NDR-Sprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Bei der 9-Uhr-Sendung waren wieder Hintergrundbilder zu sehen. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Mitarbeiter des Senders zu einem 51-stündigen Warnstreik aufgerufen. Der Ausstand hatte in der Nacht zu Donnerstag begonnen und sollte bis Samstagmorgen gehen. Für den Vormittag war auf dem NDR-Gelände im Hamburger Stadtteil Lokstedt die zentrale Kundgebung geplant. Lars Stubbe, Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Hamburg, ging davon aus, dass etwa 400 NDR-Mitarbeiter, auch aus den Redaktionen, dem Aufruf folgen werden.Verdi fordert für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Geld für die nächsten zwölf Monate. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Beschäftigten seit mehr als sechs Monaten in den Verhandlungen hingehalten würden. Zudem liege das Angebot der Arbeitgeber deutlich unter dem richtungsweisenden Abschluss des öffentlichen Dienstes der Länder, der acht Prozent mehr Geld bei einer 33-monatigen Laufzeit festgeschrieben hatte. „Wir wollen im NDR und bundesweit ein von allen Beschäftigten getragenes Ergebnis durchsetzen und uns nicht vom Öffentlichen Dienst abkoppeln lassen“, sagte Stubbe laut Mitteilung.Mehr: Die ARD plante allen Ernstes, ihr Auslandsmagazin auf eine weniger attraktive Sendezeit zu verlegen. In Zeiten von Fake News müssen Intendanten so etwas verhindern. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Konsumgüterkonzern: Familiär, aber behäbig: Das sind die Baustellen von Henkel
    Persil-Waschmittel Die Wasch- und Reinigungsmittelsparte erweist sich als Lichtblick für den Konzern, der mit vielen Baustellen zu kämpfen hat. (Foto:& dpa) Die Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal 2019 beim Dax-Konzern Henkel läuft am Donnerstagmorgen schon eine knappe halbe Stunde, als die Frage eines Journalisten aufpoppt: Ob es bei dem Hersteller von Persil und Pattex, der nach Jahren der Erfolgsmeldungen nun mit Gewinnwarnungen, Umsatzrückgängen und überraschendem Chefwechsel aufwartet, lediglich um einen Turnaround gehe? Oder ob der Traditionskonzern gar ein echter Sanierungsfall sei?Der noch amtierende Chef Hans Van Bylen holt kurz Luft, bevor er zur Widerrede ansetzt. Dann verweist der 58-jährige Belgier auf die Milliardenumsätze, den Cashflow, die sinkende Nettoverschuldung. „Henkel ist kerngesund!“, sagt er mit einer für ihn bemerkenswerten Nachdrücklichkeit in der Stimme. Und sein Finanzvorstand Carsten Knobel, der neben ihm sitzt, pflichtet ihm bei. Das Wort Sanierungsfall „ist vollkommen fehl am Platz“, meint er. „Das drückt sich auch in unserer Bilanz aus, die seit Jahren hervorragend dasteht. Die Zahlen sprechen für sich selbst!“ Dass Knobel, der zum Jahreswechsel auf den Chefposten wechselt und schon seit April 2013 die Finanzen im Vorstand verantwortet, sich damit selbst lobt – geschenkt. Die Zahlen aber sprechen erst mal von einem Abwärtstrend: Nachdem der Konsumgüterkonzern jahrelang nur Wachstum kannte, stehen unter dem dritten Quartal des Jahres 2019 dicke Minuszeichen. Der um Sonder- und Einmaleffekte bereinigte Gewinn sank in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 von knapp 2,7 Milliarden auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg zwar leicht um 0,8 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro – aber aufgrund positiver Währungseffekte und Zukäufe. Aus eigener Kraft kam der Konzern nicht auf positive Erlöse, sondern auf ein Minus von 0,3 Prozent. Van Bylen führt „ein schwieriges Marktumfeld“ sowie Investitionen in Marken und Digitalisierung als Gründe an. Klar ist: Der Manager, der 35 Jahre im Konzern verbracht und im Oktober überraschend seinen vorzeitigen Abtritt als Konzernchef verkündet hat, hinterlässt seinem Finanzvorstand und designiertem Nachfolger Carsten Knobel einen ganzen Berg an Aufgaben.Als eine Großbaustelle erweist sich weiterhin das konjunkturanfällige Geschäft mit Klebstoffen. Gute Geschäfte mit Verbrauchern, Handwerk und Bau konnten die Einbrüche beim darbenden Automobilsektor nicht ausgleichen. Die dortige Unsicherheit bremst das Geschäft – und Besserung ist hier nicht in Sicht. Auch die Sparte Beauty Care entwickelt sich schwächer als erhofft. Das Haut- und Haarpflegegeschäft kämpft vor allem mit dem hohen Wettbewerbsdruck, insbesondere in Westeuropa. Auch der anhaltende Abbau von Lagerbeständen in China belastet das Ergebnis.Vier KernzieleEinziger Lichtblick ist die Wasch- und Reinigungsmittelsparte „Laundry & Homecare“, die im dritten Quartal organisch um vier Prozent zulegte. Vor allem in den Schwellenländern profitierte Henkel, in Nordamerika bleibt das Waschmittelgeschäft jedoch weiter unter Druck. Die Jahresprognose bestätigte der Konzern, der seine Erwartungen aber erst im August korrigiert hatte. So gehen die Düsseldorfer, die 2018 einen Jahresumsatz von knapp 20 Milliarden Euro machten, weiter von einem organischen Umsatzwachstum in Höhe von null bis zwei Prozent aus.Van Bylen und Knobel präsentieren an diesem Donnerstag nicht nur ihre aktuellsten Zahlen, sondern auch sich zusammen ein letztes Mal. Sie duzen und ergänzen sich. Dabei ist klar: Es sind keine leichten Aufgaben, die der Belgier seinem Nachfolger überlässt. Knobel wiederum muss sich fragen lassen, ob er der richtige Mann für die zukunftsträchtige Ausrichtung des Konzerns ist. Der 50-Jährige gilt als mitarbeiternah, beliebt. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sein Lebenslauf dem Van Bylens stark ähnelt. Auch Knobel verbrachte seine gesamte berufliche Laufbahn seit 1995 bei Henkel, auch er bewährte sich in der heute so schwächelnden Beauty-Sparte, bevor er 2012 in den Vorstand aufstieg. Und an der Konzernspitze? Dort arbeite Knobel eng zusammen mit Van Bylen. Nach dem Abgang von Kasper Rorsted, der Henkel auf Profitabilität getrimmt und vielleicht zu viel gespart hatte, stellten sie 2016 dann auch gemeinsam die neue „Strategie 2020+“ vor. Ob Knobel das Konzept im Januar umstellen wird, ist ungewiss, aber bis auf Weiteres lauten die vier Kernziele: „Wachstum vorantreiben“, „Digitalisierung beschleunigen“, „Agilität steigern“ und „in Wachstum investieren“. Positiv ließe sich also zusammenfassen: Bei dem Dax-Konzern, bei dem noch immer die Nachfolger des Firmengründers Fritz Henkel mit dessen Ur-Ur-Enkelin Simone Bagel-Trah als Aufsichtsratschefin das Sagen haben, sind die Probleme erkannt und sinnvolle Ziele definiert. Ein gemütlicher GigantNur: Die drei Jahre sind bald um. Und wenn Henkel auf der einen Seite fast liebevoll als familiär geprägter Traditionskonzern umschrieben wird, gilt doch gleichzeitig: Der Markengigant gilt als behäbig und zuweilen träge, die Steigerung der so oft zitierten Agilität ist in Düsseldorf kein Schlagwort für die Imagebroschüre, sondern eine Notwendigkeit. „Die Umsetzungsgeschwindigkeit ist für den Konzern offenbar eine große Herausforderung“, urteilt Martina Becker, Konsumgüter- und Handelsexpertin bei der Managementberatung Atreus. Ein Beispiel: Henkel wollte seine „digital erzielten“ Umsätze in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln auf über vier Milliarden Euro. Becker sagt: „Dieses Ziel ist nicht in greifbarer Nähe – das Jahr 2020 allerdings schon.“Hier wären neue Strategien für Online- und Omnichannel-Handel gefragt. Der Handel macht es vor, Wettbewerber ziehen nach – und bei Henkel? „Beim E-Commerce fehlt noch immer ein klares Konzept“, meint Becker. Dabei ist es ja nicht so, dass Henkel nichts zu bieten hat: Der Konzern sei in einigen Bereichen „stark bei Innovationen“, meint Becker, aber mit Blick auf Konkurrenten wie L‘Oréal oder Procter & Gamble sagt sie: „Die Wettbewerber sind, wenn es darauf ankommt, schneller bei der Umsetzung von Innovationen.“Mehr: Carsten Knobel hat bei dem Konsumgüterkonzern rasant Karriere gemacht. Jetzt wird er Vorstandschef und muss Henkel wieder in die Erfolgsspur bringen. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Ex-Adidas-Chef: Krisenmanager statt „Mia san Mia“: Herbert Hainer tritt das schwere Erbe von Uli Hoeneß an
    Uli Hoeneß (links) und Herbert Hainer Der 65-Jährige Hainer ist dem FC Bayern München seit vielen Jahren verbunden. (Foto:& dpa) Herbert Hainer ist ein bodenständiger Mensch. Auch nach seinem Abschied von Europas größtem Sportkonzern vor gut drei Jahren blieb er in der fränkischen Provinz, blieb in Herzogenaurach. Dass er weder nach Kitzbühel noch Salzburg übersiedelte, sich nicht einmal in München niederließ, sagt viel aus über den früheren Adidas-Chef.Verantwortungsvoll ist er, volksnah. Eigenschaften, die ihm jetzt zu Gute kommen werden: Am heutigen Freitag will sich Hainer auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern München in der Olympiahalle zum neuen Präsidenten wählen lassen. Markige Worte, wie sie sein Vorgänger Uli Hoeneß stets fand, sind von Hainer auf dem Podium nicht zu erwarten. Der Ex-Manager kann sich einer Sache zwar mit Herz und Seele verschreiben. Der FC Bayern sei seine „Leidenschaft“, betont er. Aber öffentlich gibt Hainer eher den nüchternen Analytiker.Bei Adidas hat das gut funktioniert. „Adi Dassler wäre stolz, wie erfolgreich Herbert Hainer das Unternehmen geführt hat“, lobte ihn Aufsichtsratschef Igor Landau im Frühjahr 2016, wenige Monate vor Hainers Abschied von der Konzernspitze. 15 Jahre stand er Adidas vor, in dieser Zeit verfünffachte sich der Börsenwert. Es ist die größte Anerkennung, die ein Angestellter dort bekommen kann – Dassler, der legendäre Unternehmensgründer, wird in der Zentrale in Herzogenaurach bis heute verehrt.Hainer hat bei Adidas eine Traumkarriere hingelegt, das neue Amt beim FC Bayern wäre die Krönung. Zufall ist der Aufstieg indes nicht. Der ehemalige Stürmer des Drittligisten SpVgg Landshut wusste in seiner Laufbahn immer ganz genau, wann er über die ausgestreckten Beine der Gegner springen musste, notfalls setzte er den Ellenbogen ein. „Man muss schon aufs Stockerl wollen“, machte Hainer aus seinem Ehrgeiz nie einen Hehl. Weggefährten berichten, wie er schon in den Anfangstagen bei Adidas Nichtsnutze einfach vor die Tür setzte. Doch er galt auch als fair. Hainer hatte nie Berührungsängste beim Umgang mit Mitarbeitern. Bisweilen war er wohl etwas ungeduldig.Dem FC Bayern ist er seit Jahren eng verbunden. Der Metzger-Sohn aus Niederbayern fädelte einst als eine seiner ersten Amtshandlungen bei Adidas die Beteiligung des Turnschuh-Herstellers bei dem Klub ein. Er sitzt zudem im Aufsichtsrat. Die enge Bande führte gar zu Irritationen. Insider berichten, dass Vertreter stolzer Klubs wie beispielsweise Real Madrid Hainer immer im Verdacht hatten, die Bayern zu bevorzugen. Die Spanier sind ebenfalls ein langjähriger, wichtiger Partner von Adidas.Krisenerprobter Manager bei AdidasIm Hauptquartier der Bayern an der Säbener Straße tritt er jetzt kein leichtes Erbe an. Laut Sportmarketingexperte Peter Rohlmann hat es Uli Hoeneß geschafft, den Umsatz des FC Bayern von rund sechs Millionen Euro in der Saison 1979/1980 auf nunmehr 750 Millionen Euro (2018/2019) zu vervielfachen. „Es wird für jeden Nachfolger sehr schwer, ähnliche Entwicklungssprünge hinzulegen“, sagt Rohlmann. Und fügt hinzu: „Es kann an sich nur darum gehen, das Bestehende relativ gut – also längerfristig – zu erhalten.“ Seiner Meinung nach war es Hoeneß, der in Deutschland das vorbildhafte Management eines modernen Fußballklubs implementiert hat. Dass der FC Bayern stark polarisiert, hat laut Rohlmann die Aufmerksamkeit für den Fußball hierzulande noch verstärkt. Davon profitiert die Bundesliga. Sportlich befindet sich der Fußball-Rekordmeister derzeit in keiner einfachen Situation. Auf bittere Niederlagen folgten glänzende Siege, zudem musste der Trainer seinen Posten räumen. Doch mit schwierigen Phasen kennt sich Hainer aus, zuletzt hatte er 2015 mit schwachen Zahlen zu kämpfen. Immer lauter wurden da die Forderungen, Hainer solle Platz machen für einen neuen Chef. Im kleinen Kreis beklagte dieser damals, dass er sich ungerecht behandelt fühle. So schlecht stehe Adidas schließlich nicht da. Weggefährten fragen sich, wie sich Hainer wohl künftig verhält, wenn er Kritik im Wochenrhythmus aushalten muss. Er besitze sicher nicht den Fußballsachverstand von Uli Hoeneß, sagte Hainer jüngst dem Mitgliedermagazin des FC Bayern. „Aber ich habe viele Jahre eine große Firma geleitet und kann da sicher Expertise einbringen.“ Läuft alles nach Plan, wird Hainer die nächsten drei Jahre dem Verein vorstehen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.Mehr: Auch unter dem neuen Chef Kasper Rorsted ist Adidas stark gewachsen. Doch Anleger haben viele Risiken bislang einfach ausgeblendet, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Bundesgerichtshof: BGH verhandelt über Haftung für Kundenbewertungen auf Amazon
    Amazon Nach Ansicht des Verbands Sozialer Wettbewerb unerlaubte Amazon-Bewertungen beschäftigen den BGH. (Foto:& dpa) Irreführende Kundenbewertungen auf der Online-Handelsplattform Amazon beschäftigen seit Donnerstag den Bundesgerichtshof (BGH). Die obersten Zivilrichter in Karlsruhe haben zu entscheiden, ob den Verkäufer des betroffenen Produkts eine Haftung trifft. Das Urteil wird erst in nächster Zeit verkündet, wie der Senatsvorsitzende Thomas Koch bei Verhandlungsende sagte.In dem Fall hatten mehrere Käufer eines Muskel-Tapes geschrieben, es helfe schnell gegen Schmerzen. Diese Wirkung ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) hatte den Händler deshalb schon vor längerem darauf verpflichtet, mit dieser Behauptung nicht mehr zu werben. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Sebastian Theopold: Munich-Strategy-Chef: „Die Besten haben starke Abwehrkräfte“
    Sebastian Theopold „Globalisierung heißt für die Top-Unternehmen, die deutsche Marktführerschaft in andere Länder zu multiplizieren.“ (Foto:& Munich Strategy GmbH & Co. KG) Für das Handelsblatt hat Sebastian Theopold mit seiner Beratung Munich Strategy die 100 wachstums- und ertragsstärksten Mittelständler Deutschlands ermittelt. Im Interview erläutert er, wie Unternehmen eine Spitzenposition erreichen und behaupten können – und welche Gefahren in den nächsten Jahren auf sie lauern, etwa im internationalen Geschäft.Herr Theopold, laut Mittelstandsbarometer der KfW lässt aktuell die Wachstumsdynamik bei den kleinen und mittleren Firmen nach. Müssen sich auch die Top-100-Unternehmen auf Krisenzeiten einstellen?Im Mittelstand insgesamt zeigt sich ein auslaufendes Wachstum. Die Top-Unternehmen aber legen noch immer überdurchschnittlich zu. Das heißt: Die Schere geht weiter auf. Die Besten haben zudem starke Abwehrkräfte aufgebaut: Auch außerhalb der Krise leisten sie viel, um ihre Organisationsstruktur effizient zu halten. Sie haben sich vernetzt mit Kunden und Partnern, sie haben diversifiziert. Ihre Krisenanfälligkeit ist viel geringer. Heißt das: Sie können im Grunde so wie bislang weitermachen?Im Gegenteil. Sie stehen vor massiven Herausforderungen, die über das hinausgehen, was eine typische Wirtschaftskrise ihnen abverlangen würde. Worauf genau müssen sie sich einstellen?Wir werden eine Zeitenwende erleben, das Ende einer 30-jährigen Sonderkonjunktur, die der Mittelstand exzellent genutzt hat. Öffnung des Ostblocks, EU-Binnenmarkt, der WTO-Beitritt der Chinesen – das hat zu einem enormen BIP-Wachstum von fast 50 Prozent seit 1990 beigetragen. Diese Periode endet nun, und die Inhaber und CEOs müssen sich darauf einstellen. Das betrifft gerade die Top 100, die voll in globale Lieferketten eingebunden sind. Was genau erwartet die Firmenlenker? Wenn die derzeitigen geopolitischen Spannungen anhalten, ist das aus unserer Sicht wahrscheinlichste Szenario, dass wir künftig drei isolierte Wirtschaftsblöcke sehen werden, zwischen denen der Handel erlahmt: Amerika, Asien und Europa. Da wird dann jeweils eine Käseglocke übergestülpt, inklusive eigener Industriestandards und einer geschützten Kommunikationsinfrastruktur. Werden also gerade die global erfolgreichen Top-Unternehmen zum Schrumpfen gezwungen? Die Anforderungen werden umso härter, je stärker ein Mittelständler global tätig ist – aber das gilt für alle Unternehmen. Um in Amerika und Asien aktiv zu sein, muss man dort künftig auch produzieren – allein schon, um Normen und Standards zu erfüllen. Heute haben viele Unternehmen ein Produkt für die ganze Welt, das sie perfekt skalieren können. Es wird also viel komplexer, international zu operieren. Die Alternative kann sein, sich auf den europäischen Markt zu konzentrieren – und hier breiter zu wachsen.
    Unabhängig von den Zukunftsszenarien: Gibt es Erfolgsfaktoren der besten Mittelständler?Wir spüren bei den Top-Unternehmen einen permanenten Drang nach Wachstum und eine sehr hohe strategische Disziplin. Es geht darum festzulegen, was das Kerngeschäft ist – und sich bei einzelnen Geschäftsbereichen die Frage zu stellen: Brauchen wir das wirklich, oder pflegen wir hier Vergangenheitsthemen? An der Spitze finden wir häufig auch eine neue Generation von Firmenlenkern. Sie sind bereit zum Regelbruch und dazu, alte Zöpfe abzuschneiden.Es geht also um die Innovationskraft?Deren Rolle ist zentral. Erfolgsunternehmen betrachten Innovation als eine Art Verjüngungskur. Sie wissen, dass Produkte kopierbar sind, und streben danach, komplette Geschäftsmodelle zu erneuern – um weniger Angriffsfläche zu bieten.Welche Stellschrauben für den Erfolg sehen Sie bei der Internationalisierung? Der Mittelstand hat insgesamt stark internationalisiert. Die Top-Unternehmen haben eine Exportquote von 60 Prozent, die schwächeren Unternehmen, die etwa ein Drittel ausmachen, nur 40 Prozent. Aber das ist nicht entscheidend. Die Wackelkandidaten sind in viel mehr Ländern aktiv: im Schnitt in 45, während sich die erfolgreichen Firmen auf 26 Länder konzentrieren, in denen sie aber eine führende Position anstreben. Globalisierung heißt für sie, die deutsche Marktführerschaft in andere Länder zu multiplizieren. Wie bewerten Sie die Rolle der Regierung? Bringt sie den Mittelstand voran, oder bremst sie?Der Mittelstand hat mit der Bürokratie und Schwächen bei der digitalen Infrastruktur zu kämpfen – und ist bislang gut durchgekommen. Er hat sich also trotz der Bundesregierung gut entwickelt. Grundsätzlich sollten Politiker dafür sorgen, dass das Vertrauen in den Standort gestärkt wird und Investitionen getätigt werden. Die Politik kann jetzt mit der Modernisierung der Infrastruktur starke Impulse setzen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier plant einen Steuerdeckel – 25 Prozent für einbehaltene Gewinne. Der solle im Mittelstand zum „Boost für Wachstum“ werden. Kann das gelingen?Jegliche Form der Vereinfachung und Reduzierung der Steuern wird dazu führen, dass mehr investiert wird. Es geht ja auch darum, dass mehr Investitionen aus dem Ausland kommen. Wenn man die deutschen Steuern im internationalen Zusammenhang betrachtet, dann sind wir nicht wettbewerbsfähig – und das führt dazu, dass Talente und Firmen abwandern. Das merkt man nicht sofort, aber in zehn Jahren. Da wachsen die Früchte dann in anderen Gärten. Die deutsche Start-up-Szene entwickelt sich zunehmend dynamisch. Entsteht hier der Mittelstand von morgen – oder arbeiten die Gründer nach einem ganz anderen Modell?Jeder Mittelständler war selbst mal ein Start-up, das sich irgendwann etabliert hat – und es wird weiter so laufen. Tatsächlich sehen wir viele typische Eigenschaften von Start-ups im Mittelstand, etwa die Agilität. Es gelingt dank solcher Gemeinsamkeiten besser, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Mittelständler können auch junge Unternehmen besser integrieren: Diese können mehr einbringen, es bleibt mehr von ihnen übrig. Wenn ein Dax-Konzern ein Start-up kauft, führt das häufig zu einer gewissen Lähmung.Herr Theopold, vielen Dank für das Interview.Mehr: Das Geheimnis für Wachstum im Mittelstand? Wer Lamy, Stockert und Delo betrachtet, erkennt ein Erfolgsmuster: Es kommt auf jedes Detail an. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Erneuerbare Energien: Umweltministerin Schulze blockiert Altmaiers Windenergie-Plan
    Bundesumweltministerin Svenja Schulze Wenn die SPD den Altmaier-Entwurf blockiert, ist es unwahrscheinlich, dass er im Kabinett beschlossen wird. (Foto:& AP) Bundesumweltministerin Svenja Schulze lehnt den Gesetzesplan von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit neuen Regelungen für den Windenergie-Ausbau ab. „Wir sind mit dem Vorschlag nicht einverstanden“, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Berlin und kündigte damit Widerstand in der laufenden Abstimmung unter den Ressorts an. „Wir können das in dieser Form nicht machen.“Die SPD stehe dafür, dass 2030 rund 65 Prozent des Strom aus erneuerbaren Energien komme. Das sei ohne den Ausbau der Windkraft an Land nicht möglich. Damit ist es unwahrscheinlich, dass das Kabinett den Altmaier-Entwurf wie geplant am Montag im Kabinett beschließt.Altmaier hatte im Rahmen seines Kohle-Ausstiegsgesetzes auch Regeln für den Windkraftausbau in seinem Entwurf festgeschrieben und Koalitionsbeschlüsse erweitert. Demnach sollen Windräder bundesweit grundsätzlich nur noch genehmigt werden, wenn sie in einem Abstand von mindestens 1000 Metern zu einer Ansammlung von mindestens fünf Wohngebäuden stehen.Dies hatte bereits zu einem Brandbrief von Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und Industrieverbänden wie dem BDI an Altmaier geführt, in dem die Pläne kritisiert wurden. Der Ausbau ist wegen des Widerstandes von Bürgerinitiativen ohnehin eingebrochen, Tausende Arbeitsplätze werden in der Branche gestrichen. Obwohl im Entwurf auch verankert ist, dass Länder und Kommunen vom Mindestabstand abweichen können, erwartet die Branche, dass dies bei einer Grundsatzregel von 1000 Metern vor Ort nicht durchsetzbar sein wird. Da die Windenergie-Regeln im Kohleausstiegsgesetz eingegliedert sind, steht der Zeitplan auch für dieses Vorhaben auf der Kippe. Denn auch gegen die zunächst rein auf Freiwilligkeit basierenden Abschaltungspläne regt sich in anderen Ministerien Widerstand.Mehr: Vertreter des Windanlagenbauers Enercon sind mit Politikern zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Nun steht fest: An Stellenstreichungen führt kein Weg vorbei. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Nescafé, Maggi, Kitkat: Das sind die Marken des Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé
    Nestle Der größte Lebensmittelkonzern der Welt besitzt eine Vielzahl von Marken. (Foto:& dpa) Vom Milchpulverhersteller zum weltweit größten Lebensmittelkonzern: Nestlé hat einen weiten Weg hinter sich. Heute vereint der Konzern Marken aus aller Welt. Mit einem Jahresumsatz von etwa 84 Milliarden Euro (Stand 2018), spielt Nestlé in einer Liga mit internationalen Konzernen wie Huawei, Microsoft oder Carrefour. Dabei fiel der Lebensmittelgigant in den letzten Jahren nicht immer positiv auf: Unter anderem wurde Nestlé vorgeworfen, den Regenwald zu zerstören, Wasser zu stehlen oder ungesunde Babynahrung herzustellen. Verbraucher wissen dabei häufig jedoch nicht, welche Produkte eigentlich von Nestlé stammen. Häufig werden Produkte nicht direkt von Nestlé selbst, sondern von Tochterunternehmen vermarktet. Wir haben die Unternehmen und Marken von Nestlé genauer untersucht und stellen aus den verschiedenen Produktbereichen jeweils eine Marke vor.Die bekanntesten Nestlé-MarkenKaffee und lösliche Getränke: NescaféWasser: S.PellegrinoFertiggerichte: MaggiTiefkühlprodukte: WagnerSchokolade und Süßigkeiten: KitkatCerealien: Cini MinisEis und Milchprodukte: MövenpickGesundheit: OptifastVegetarische- und vegane Produkte: Garden GourmetHeimtierbedarf: BenefulBabyprodukte: BübchenKosmetik: L'Oréal Nescafé Nescafe Die Kaffeemarke gilt weltweit als führend. (Foto:& AP) Das Jahr 1938 war ein entscheidendes für Nestlé, zumindest was die Kaffeeherstellung betrifft. So erfand das Unternehmen ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees. Dieser wurde fortan unter der Marke Nescafé hergestellt. Die Nestlé Kaffee und Schokoladen GmbH vertreibt die für seine Kaffeekapseln bekannte Marke. Als weltweit führende Kaffeemarke trägt Nescafé auch erheblich zum Umsatz des Lebensmittelgiganten bei.Der Bereich lösliche Getränke, zu dem Nescafé gehört, bescherte Nestlé 2018 den größten Umsatz. Umgerechnet rund 19 Milliarden Euro konnten die Schweizer mit löslichen Getränken einfahren, davon die Hälfte mit Kaffee. Neben Nescafé gehören auch Marken wie Nespresso, Nestea oder Nesquik zum Nestlé-Sortiment.S.Pellegrino S.Pellegrino Ein Wasser aus dem Angebot von Nestlé.Quelle: Imago Seit den 1990er-Jahren ist Nestlé auch im Mineral- und Tafelwassermarkt aktiv. Eines der bekanntesten von Nestlé vertriebenen Mineralwasser ist das aus Italien stammende S.Pellegrino. Die Sanpellegrino S.p.A. gehört seit 1998 zum Nahrungsmittelriesen. In Deutschland schaffte es das Mineralwasser unter die Top 15 der beliebtesten Mineralwassermarken. Noch beliebter bei den Deutschen ist die Mineralwassermarke Vittel, die ebenfalls Teil der Nestlé Gruppe ist. Der Verkauf von abgefülltem Mineralwasser brachte Nestlé 2018 einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Elektromobilität: Holländische AMG plant erste Lithium-Raffinerie in Deutschland
    Lithium-Mine von AMG in Brasilien AMG will das sogenannte „technische“ Lithiumhydroxid zunächst aus Brasilien einführen. Der niederländische Konzern Advanced Metallurgical Group (AMG) plant den Bau einer Raffinerie für Lithiumhydroxid in Zeitz in Sachsen-Anhalt. Dort soll das Metall so aufbereitet werden, dass es in der Produktion für Elektroauto-Batterien eingesetzt werden kann. Nach Unternehmensangaben wäre das die erste Anlage deutschlandweit, die Lithiumhydroxid in einem Reinheitsgrad herstellen kann, der für die Batteriezellfertigung nötig ist.Dafür will AMG einen zweistelligen Millionenbetrag in Deutschland investieren, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Für Deutschland spreche neben den gut ausgebildeten Fachkräften die Nähe zu den Abnehmern, sagt Stefan Scherer, Projektverantwortlicher und Chef der Deutschland-Tochter von AMG. „Es hat ein Umdenken stattgefunden. Die Automobil- und Batteriehersteller haben festgestellt, dass es durchaus Sinn macht, Batterien für Elektroautos in Europa zu bauen und hier zu etablieren.“Lithiumhydroxid wird für die Herstellung von Kathoden benötigt, einem zentralen Bestandteil einer Batterie. Die Produktion von Hydroxid in der für die Zellfertigung nötigen Reinheit wäre ein weiterer wichtiger Schritt in der Produktion von Elektroautos für Deutschland.So hat Tesla gerade erst angekündigt, seine Autos in einer Gigafactory bei Berlin bauen zu wollen. CATL, einer der weltgrößten Produzenten von Batteriezellen, plant ein Werk in Erfurt. Schon heute sind deutsche Chemieunternehmen, beispielsweise BASF, bei der Herstellung von Kathoden für Batteriezellen führend. Die Nachricht, dass in Zeitz künftig Lithiumhydroxid raffiniert werden soll, dürfte auch im Erzgebirge mit Interesse verfolgt werden. Dort plant die Deutsche Lithium den Bau einer Mine für den Abbau des Leichtmetalls. Werden all diese Projekte Wirklichkeit, könnte in Zukunft die gesamte Wertschöpfung, vom Abbau des Rohstoffs bis zur Produktion des E-Autos, in Deutschland erfolgen.Bis es soweit ist, dürfte es jedoch noch etwas dauern: Ende des Jahres will AMG mit den technischen Planungen für die Raffinerie beginnen, in zwei bis drei Jahren soll die Fabrik ihre Produktion aufnehmen können. „Wir sind überzeugt, dass die Raffinerie genau zum richtigen Zeitpunkt kommt“, sagt Scherer.AMG betreibt bereits seit kurzem ein Labor in Frankfurt, in dem das Unternehmen an Batteriemetallen forscht. Insgesamt will das Unternehmen bis zu 60 Millionen Euro in seine Standorte in Deutschland investieren. Das Vorprodukt, sogenanntes „technisches“ Lithiumhydroxid will AMG zunächst aus Brasilien einführen, wo das Unternehmen auch eine Mine betreibt.Wie hoch die Kapazität der Raffinerie in Deutschland ausfallen soll, verrät AMG noch nicht. Nur so viel: Bei Bedarf könne die Kapazität leicht aufgestockt werden. Bislang sind die Batteriehersteller extrem abhängig von Lithiumhydroxid aus China. So sagt Andrew Miller, Lithium-Experte beim Analysehaus Benchmark Minerals: „Das Angebot außerhalb Chinas ist sehr gering.“Das Lithiumhydroxid, das außerhalb Chinas hergestellt werde, sei meist nicht dafür geeignet, in Batterien für Elektroautos weiterverarbeitet zu werden. „Wegen der Dominanz Chinas in der Wertschöpfungskette suchen viele Endkunden nach einem Weg, ihren Nachschub langfristig zu diversifizieren.“ Aus Sicht von Joe Lowry, langjähriger Manager bei US-Lithiumproduzenten und einer der führenden Experten auf dem Gebiet, ist die Investitionssumme von AMG in Deutschland eher gering. „Sie werden mehr Geld ausgeben müssen, um eine Fabrik mit einer nennenswerten Größe bauen zu können.“ So plane ein großer chinesischer Hersteller aktuell eine Lithium-Raffinerie in Australien – für das Zehnfache der Summe.Mehr: Boliviens Regierung hat ein Joint Venture zur Lithium-Gewinnung mit der schwäbischen ACI-Gruppe annulliert. Erst vor einem Jahr war das Joint Venture ins Leben gerufen worden. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Dax Aktuell: Dax kämpft mit der Marke von 13.200 Punkten – Trump droht mit noch höheren Strafzöllen
    Dax-Kurve Blick auf die Dax-Kurve im Frankfurter Handelssaal. (Foto:& dpa) Der deutsche Leitindex bleibt nach seinem neuen Jahreshoch mit 13.308 Zählern am vergangenen Dienstag in der Korrekturphase: Der Dax notiert im Mittagshandel bei 13.211 Zählern, ein Minus von 0,14 ProzentMit widersprüchlichen Signalen zur Handelspolitik hatte US-Präsident Donald Trump bereits gestern die Börsenrally am Mittwoch ausgebremst, der Dax gab 0,4 Prozent auf 13.230 Punkte ab.Laut Anlegerstimmung bleibt der Dax aber in einer günstigen Lage. Denn die aktuelle Umfrage der Börse Frankfurt zeigt: Institutionelle Investoren in Deutschland haben sich der guten Stimmung am Markt noch nicht angeschlossen. Viele von Ihnen warten auf einen deutlichen Rücksetzer, um möglicherweise noch einigermaßen günstig die verpassten Käufe nachzuholen. Bereits vor einer Woche hatten die heimischen Anlageprofis bei Kurse von rund 12.900 Zählern Kaufinteresse signalisiert. Doch so tief fiel der Dax nicht, das Kaufinteresse bleibt.International sieht das anders aus. Denn die Umfrage der US-Bank BofA Merrill Lynch unter internationalen Fondsmanager offenbart nicht nur einen starken Wachstums-Optimismus. Sondern auch, dass netto 13 Prozent (Vormonat 1 Prozent) der befragten Fondsmanager angaben, in Aktien der Eurozone übergewichtet zu sein. Die deutschen Privatanleger, die bereits in der vergangenen Woche laut der Frankfurter Erhebung ausgesprochen optimistisch auftraten, haben sich durch den Dax-Anstieg nicht zu Gewinnmitnahmen verleiten lassen. „Sie wollen offensichtlich noch mehr“, schlussfolgert der Verhaltensökonom Joachim Goldberg, der die wöchentliche Umfrage auswertet. Die größte Gefahr droht dem Börsenbarometer nach wie vor eher aus dem Ausland. Dann, wenn der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskalieren sollte und die Risikofreude der internationalen Investoren in Risikoaversion umschlägt.Ein Blick auf die gestrige Devisenkurs-Entwicklung gibt darauf allerdings erste Hinweise. Nach den Trump-Äußerungen zum Handelsstreit legten die sogenannten sicheren Häfen wie US-Dollar, Franken und Yen gestern besonders stark zu, während risikoreichere Währungen - darunter zahlreiche aus den Emerging Markets - es schwer hatten.Die Marktreaktion zeigt: Bislang sind Investoren nur von zwei Szenarien ausgegangen. Entweder die USA und China einigen sich auf ein Phase-1-Abkommen, oder nicht und der Status Quo würde beibehalten. „Dass ein Scheitern der Verhandlungen in einer weiteren Eskalation des Konflikts enden könnte, dass die Strafzölle nochmals erhöht werden könnten, hatten aber offenbar wenige auf dem Schirm“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Thu Lan Nguyen.Denn der US-Präsident soll damit gedroht haben, dass die USA die China-Zölle „erheblich“ erhöhen werden, wenn keine Einigung erzielt wird. „Wenn wir keinen Deal machen, werden wir diese Zölle erheblich erhöhen“, sagte Trump. „Sie werden sehr deutlich erhöht werden. Und das wird auch für andere Länder gelten, die uns schlecht behandeln.“ Die US-Indizes an der Wall Street gaben nach der Rede ihre Gewinne schnell wieder ab. Diese Bedrohung wird nun auch offenbar stärker am deutschen Markt wahrgenommen. So zählen am heutigen Handelstag die Automobilwerte, die vom Geschäft mit China deutlich profitieren, zu den größten Verlierern. Daimler verliert drei Prozent, auch weil der Stuttgarter Konzern seine mittelfristigen Ziele kassiert hat Ein Resultat dieses Kursrutsches: Die Dividendenrendite beim Daimler liegt nun bei 6,1 Prozent. Doch auch die Aktien von Continental, BMW und VW liegen am heutigen Handelstag deutlich im Minus.Profitieren von der Entwicklung im Handelsstreit konnte der Goldpreis, der am heutigen Donnerstag um weitere 0,4 Prozent auf 1470 Dollar steigt. „Wir gehen davon aus, dass Gold zumindest kurzfristig stärker gefragt sein sollte“, meint Commerzbank-Rohstoffanalyst Daniel Briesemann. Die deutsche Wirtschaft ist knapp einer Rezession entronnen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Juli bis September überraschend um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Im zweiten Quartal war es noch um revidiert 0,2 Prozent geschrumpft. Erst bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession.Blick auf die EinzelwerteMerck KGaA: Der deutsche Spezialchemie- und Pharmakonzern setzt sich angesichts gut laufender Geschäfte im dritten Quartal höhere Umsatz- und Ergebnisziele für das laufende Jahr. Die Erlöse sollen 2019 nun auf 15,7 bis 16,3 Milliarden Euro steigen, wie der im Dax notierte Konzern am Donnerstag in Darmstadt mitteilte. Zuvor wurden 15,3 bis 15,9 Milliarden Euro angepeilt. Die Reaktion der Anleger ist negativ, der Aktienkurs fällt um rund ein Prozent. RWE: Jahrelang musste das Energieunternehmen über sinkende Gewinne berichten. Jetzt konnte der Konzern schon zum zweiten Mal die Jahresprognose für 2019 erhöhen. Das reicht den Anlegern aber nicht: Die Aktie verliert 1,8 Prozent. Damit markierten sie den niedrigsten Stand seit mehr als zweieinhalb Monaten. Den Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs zufolge dürfte der Ausblick des Energiekonzerns für den Geschäftsbereich Erneuerbare Energien enttäuscht haben.Henkel: Der Konsumgüterkonzern Henkel hat kurz vor dem anstehenden Chefwechsel weniger verdient. Beim Umsatz verzeichneten die Düsseldorfer im dritten Quartal nur ein geringes Wachstum, bereinigt um Währungseffekte und Zukäufe gingen die Erlöse sogar leicht zurück. Vor allem im Geschäft mit Kosmetika und Klebstoffen läuft es nicht rund. Die erst im August gesenkte Prognose bestätigte aber der Konzern. Nach einem deutlichen Plus zum Handelsauftakt liegt die Aktie mittlerweile 1,3 Prozent im Minus. Qiagen: Übernahmespekulationen treiben die Aktien auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten. Die Papiere schossen um bis zu 15,4 Prozent auf 34 Euro nach oben. Der US-Technologiekonzern Thermo Fisher Scientific habe den Biotechkonzern wegen einer möglichen Übernahme angesprochen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Qiagen wollte das nicht kommentieren.CTS Eventim: Der Großaktionär des Ticketvermarkters will einen Teil seiner Anteile am Markt platzieren. Die KPS-Stiftung will bis zu 7.874.000 Aktien oder 8,2 Prozent der Stimmrechte im beschleunigten Bookbuilding-Verfahren platzieren. Der Verkauf soll in erster Linie der Steigerung des Streubesitzes und des Handelsvolumens der CTS-Aktien dienen. Darüber hinaus beabsichtige die Stiftung derzeit nicht, ihre Position als Hauptanteilseigner von CTS Eventim weiter zu reduzieren. Den Aktionären gefällt das nicht, der Kurs fällt um sieben Prozent.Was die Charttechnik sagtUm 1430 Punkte ist der Dax seit Anfang Oktober gestiegen, von 11878 Zählern bis 13.308 Punkten als neues Jahreshoch. Da hat sich der Leitindex eine Verschnaufpause verdient, die bislang erstaunlich ruhig verläuft. Vom Jahreshoch aus betrachtet liegt das bisherige Korrekturtief bei 11.139 Zählern. Bislang hat die Frankfurter Benchmark den Kampf um die Marke um 13.200 Punkte nicht aufgegeben. Drei Mal rutschte der Index im Tagesverlauf unter diese Unterstützung, doch zum Handelsschluss lag der Dax
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Kredite: Die schwache Konjunktur bedroht die Finanzen der Haushalte
    Konsum Aktuell sind etwas mehr als 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet. (Foto:& AFP/Getty Images) Zunächst deuten die neuesten Zahlen auf eine Entspannung hin. So gibt es erstmals seit fünf Jahren wieder etwas weniger überschuldete Verbraucher in Deutschland. Doch der erste Blick täuscht, denn der positive Trend könnte von kurzer Dauer sein: Bleibt die Konjunktur längerfristig so schwach wie zurzeit, dürften die Überschuldungszahlen eher wieder steigen als weiter abnehmen. Die Überschuldungsampel bleibe daher für viele Verbraucher in den nächsten zwölf Monaten auf „rot“, betonen die Experten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die am Donnerstag ihren aktuellen Schuldneratlas vorgestellt hat.Demnach hat die Zahl der Überschuldungen 2019 geringfügig abgenommen: Aktuell sind etwas mehr als 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet. Das sind knapp 10.000 Personen weniger als im vergangenen Jahr. Die bundesweite Überschuldungsquote ist mit zehn Prozent ebenfalls leicht rückläufig – auch deshalb, weil die Bevölkerung weiter zugenommen hat. Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn ein Schuldner seine Rechnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann. Positiv werten die Studienautoren, dass die Überschuldung der 30- bis 39-Jährigen rückläufig ist. Zugleich bleibt in dieser besonders wirtschaftlich aktiven Altersgruppe, die von Hausbau, Familiengründung und beruflicher Positionierung geprägt ist, die Überschuldungsquote mit 17,7 Prozent am höchsten. Bemerkenswert ist ein Trend, der sich gegenüber dem Vorjahr noch verstärkt hat: Die sogenannte „harte“ Überschuldung ging zuletzt weiter zurück. Das sind Fälle mit hoher Überschuldungsintensität. Das bedeutet, dass bei Creditreform Negativmerkmale über die Personen gespeichert sind, die auf juristischen Sachverhalten basieren. Das kann ein Eintrag im amtlichen Schuldnerverzeichnis sein oder eine Privatinsolvenz. Diese Fälle sind oft mit einer längeren Überschuldungskarriere und oft auch mit höheren Schuldenvolumina verbunden. Trotz des Rückgangs um 125.000 Fälle bleiben über vier Millionen Menschen in Deutschland in einer dauerhaften Überschuldungsspirale.Die „weiche“ Überschuldung nahm im Gegenzug stark zu und zwar um 115.000 Fälle. Hierbei ist die Überschuldungsintensität noch nicht so hoch. Das heißt, diese Schuldner weisen bei den Negativmerkmalen vor allem nachhaltige Zahlungsstörungen vor.Konkret bedeutet das, dass mindestens zwei vergebliche Mahnungen mehrerer Gläubiger vorliegen. Die Schuldensummen sind hier oft noch vergleichsweise gering. Insgesamt geht daher auch die durchschnittliche Schuldenhöhe zurück. Sie liegt 2019 voraussichtlich nur noch bei 29.200 Euro liegen nach 29.600 Euro im Vorjahr. Verbraucher werden bei Ausgaben unvorsichtigerDas Fatale daran aber ist: Eine „weiche“ Überschuldung bildet laut Creditreform häufig einen schleichenden Einstieg in eine Überschuldungsspirale. Die Gründe für die aktuelle Zunahme dieser Fälle: Steigende Löhne und hohe Arbeitsplatzsicherheit haben dazu geführt, dass Verbraucher ihre Kaufzurückhaltung aufgeben und nicht mehr ganz so vorsichtig mit ihren Ausgaben umgehen.Das spielt zusammen mit einem neuen Trend: Männer sind zwar immer noch deutlich häufiger überschuldet sind als Frauen, doch bei fast allen neuen Fälle in diesem Jahr handelt es sich um Frauen. Hierzu beigetragen haben neben Fällen von zu hohem Konsum auch Probleme, die auf Erkrankung, Sucht, Unfall sowie auf längerfristiges Niedrigeinkommen zurückzuführen sind.Alleinerziehende Frauen sind Creditreform zufolge überdurchschnittlich häufig von Überschuldung betroffen. Insgesamt hat sich zudem die Lage für viele Verbraucher am Wohnungsmarkt weiter angespannt: Wohnen bleibt in deutschen Großstädten weiterhin ein Überschuldungsrisiko.
    So definiert Creditreform Überschuldung Kritisch ist, dass die schwache Konjunktur bei den meisten Privathaushalten noch gar nicht spürbar ist. Und das, obwohl die führenden Wirtschaftsinstitute in der aktuellen Herbstprognose für das laufende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um nur 0,5 Prozent erwarten, nachdem sie im Frühjahr noch von 0,8 Prozent ausgingen. Für 2020 wurde die Prognose von 1,8 auf 1,1 Prozent nach unten korrigiert. Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsweisen stellte Anfang Oktober fest: „Dass die Wirtschaft überhaupt noch expandiert, ist vor allem auf die anhaltende Kauflaune der privaten Haushalte zurückzuführen, die von den guten Lohnabschlüssen, Steuererleichterungen und Ausweitungen staatlicher Transfers gestützt wird.“ Im Oktober 2019 lag die Arbeitslosenquote mit 4,8 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert. Das Problem hier: Bessert sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht merklich, werden dies auch die Verbraucher früher oder später zu spüren bekommen. Alles in allem sei daher für die nächsten Monate davon auszugehen, dass das Überschuldungsrisiko für die deutschen Verbraucher und die Zahl überschuldeter Verbraucher in Deutschland steigen werden, meint Creditreform.Immer mehr ältere Menschen überschuldetFür besonders besorgniserregend hält der Inkasso-Dienstleister, dass auch die Überschuldung von Menschen ab 50 Jahren weiter deutlich zunimmt. Zugleich arbeiten immer mehr Rentner. Viele sind im Ruhestand geringfügig beschäftigt, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Zahl der Menschen, die sich regelmäßig Lebensmittel bei der Tafel holen, hat zudem deutlich zugenommen. Nach Angaben der „Tafel Deutschland“ ist sie innerhalb eines Jahres um zehn Prozent auf 1,65 Millionen gestiegen. Bei Senioren, die Rente oder Grundsicherung beziehen, sei der Anstieg mit 20 Prozent noch dramatischer.Bei den Älteren ist die Überschuldung auch deshalb eine Gefahr, weil sie sich im Schnitt nicht mehr so einfach daraus befreien können wie jüngere Menschen. Denn mit dem Eintritt in den Ruhestand sinken die Chancen drastisch, die ökonomische Lage noch zu verbessern.Erkenntnisse liefert die Creditreform-Studie auch zur geografischen Verteilung der Überschuldung in Deutschland. Das Ranking der niedrigsten Überschuldungsquoten führen die beiden bayerischen Kreise Eichstätt mit knapp vier Prozent und Erlangen-Höchstadt mit 4,9 Prozent an. Danach folgt Schweinfurt mit gut fünf Prozent. Seit dem Jahr 2004 verzeichneten Erfurt, Weimar und Frankfurt (Oder) die stärksten Rückgänge bei den Überschuldungsquoten. Nach wie vor liegt die Überschuldungsquote in den neuen Bundesländern mit 10,3 Prozent über dem Vergleichswert im Westen von 9,9 Prozent. Auf längere Sicht hat sich die Lage in Ostdeutschland aber merklich verbessert. Viele Städte im Ruhrgebiet sieht Creditreform dagegen als „Sorgenkinder“ an. Dort seien die Überschuldungsquoten sowohl im Jahres- als auch im Langzeitvergleich teilweise deutlich angestiegen. Das Ruhrgebiet bleibe mit seinen zum Teil noch altindustriell geprägten, strukturschwachen Regionen ein sozialer Brennpunkt. Beispiele seien Herne mit einer Überschuldungsquote von knapp 18,3 Prozent, Duisburg mit 17,5 Prozent oder Hagen mit 16,7 Prozent.Noch höhere Überschuldungsquoten weisen aber Bremerhaven mit 21,7 Prozent, Neumünster mit 18,7 Prozent und Pirmasens mit 18,3 Prozent auf, die das Ranking im negativen Sinne anführen. Auffällig ist auch der starke Anstieg der Überschuldungsquote in Wiesbaden über die vergangenen 15 Jahre
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019
  • Mögliche Übernahme: Thermo Fisher tritt wohl an Qiagen mit Milliarden-Gebot heran
    Qiagen Das deutsche Biotech-Unternehmen ist rund acht Milliarden Dollar wert. (Foto:& dpa) Die Übernahme-Spekulationen um den deutschen Biotech-Konzern Qiagen verdichten sich schneller als erwartet. So prüft nach Berichten von Reuters und Bloomberg der US-Konzern Thermo Fisher Scientific ein vermutlich mehr als acht Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot für das Hildener Biotechunternehmen, dessen Bewertung in den zurückliegenden Wochen aufgrund enttäuschender Zahlen unter Druck geraten war. Thermo Fisher ist danach auch bereits an das Qiagen-Management mit einem entsprechenden Gesprächsangebot herangetreten. Ein Sprecher von Qiagen wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Über ein Interesse von Thermo Fisher an dem größten deutschen Biotechunternehmen wird indessen schon seit längerem spekuliert. Die Aktie von Qiagen hatte nach der jüngsten Umsatzwarnung Anfang Oktober zwischenzeitlich mehr als ein Fünftel an Wert verloren. In Reaktion auf die nachfolgenden Übernahmespekulationen und die jüngsten Meldungen hat sie diese Einbußen seither aber wieder voll kompensiert. Am Donnerstagmorgen notierte sie mit 33 Euro wieder auf dem früheren Niveau. Eine Übernahme von Qiagen würde auf eine der bisher größte Akquisitionen von Thermo Fisher hinauslaufen und wäre zugleich der mit Abstand größte Deal in der deutschen Biotechbranche. Thermo Fisher gilt als einer der führenden Hersteller von Laborgeräten und Materialien für die Pharma- und Biotechforschung, und ist außerdem auch im Diagnostikageschäft engagiert. Vor Jahren kaufte der US-Konzern bereits die deutsche Diagnostikfirma Brahms. Im letzten Geschäftsjahr erzielte Thermo Fisher rund 24 Milliarden Dollar Umsatz, davon ein Viertel mit Laborgeräten und 15 Prozent mit Diagnostika. Der Rest entfällt auf Reagenzien, andere Materialien und Serviceleistungen. Qiagen wäre eine weitere interessante Ergänzung für Thermo Fisher. Der Hildener Konzern erzielte zuletzt rund die Hälfte seines Umsatzes von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2018 mit Diagnostika und Reagenzien für die Biochemie- und Genforschung. Er war ursprünglich vor allem als Spezialist für die Aufbereitung von DNA groß geworden und expandierte später mit einer Reihe von Zukäufen in die medizinische Diagnostik. Thermo Fisher könnte damit durch eine Übernahme mehrere seiner Geschäftsfelder stärken und zudem erhebliche Synergien im Vertrieb generieren. Qiagen ist angreifbar geworden, nachdem man zuletzt mehrfach die eigenen Wachstumsprognosen verfehlte und man jüngst im Bereich der Gen-Sequenzierung einen gravierenden Strategiewechsel vollziehen musste. Dort verabschiedet sich der Konzern von der Weiterentwicklung der eigenen Technologie, des so genannten Gene-Readers, zugunsten einer Allianz mit dem marktführenden US-Konkurrenten Illumina. Qiagen ist trotz relativ hoher Investitionen in Forschung, Sachanlagen und Zukäufe im Schnitt nur um moderate fünf bis sechs Prozent pro Jahr gewachsen. Die mehrfach angekündigte Beschleunigung des Umsatzwachstums ist bisher ausgeblieben, was gewisse Zweifel an der Strategie und deren Umsetzung nährte. Zudem verkündete der langjährige Firmenchef Peer Schatz Anfang Oktober überraschend seinen sofortigen Rücktritt, was aus Sicht von Analysten ein gewisses Führungsvakuum an der Konzernspitze hinterlässt und für zusätzliche Unsicherheit sorgt. Dies gilt umso mehr, als Schatz in der Vergangenheit stets klar die Eigenständigkeit des Konzerns betonte. Der Lifescience- und Diagnostik-Sektor ist seit Jahren bereits von einem deutlichen Konsolidierungstrend mit zahlreichen Übernahmen geprägt. Auch Thermo Fisher ist durch solche Transaktionen groß geworden und hatte den letzten größeren Deal 2017 mit der Übernahme der niederländischen Firma Patheon vollzogen, die Serviceleistungen im Bereich klinische Forschung und Pharmaproduktion anbietet. Vom Produktprogramm würde Qiagen nach Einschätzung von Experten vergleichsweise gut zu Thermo Fisher passen. Für andere Akteure aus der Branche dagegen wäre eine Übernahme wohl komplizierter. Reine Diagnostikanbieter wie Abbott und Healthineers könnten mit dem Forschungsgeschäft von Qiagen wenig anfangen. Die beiden offensivsten Käufer im Life-Science-Sektor, der US-Konzern Danaher und die deutsche Merck-Gruppe, sind vorerst noch damit beschäftigt, ihre jüngsten Zukäufe zu verdauen. Danaher vereinbarte im Frühjahr die Übernahme des Biopharmageschäfts von GE für 21 Milliarden Dollar, Merck hat sich gerade erst im Chemiebereich mit der Übernahme von Versum verstärkt. Diagnostik-Marktführer Roche wiederum müsste größere Kartellprobleme fürchten, da er ebenfalls Forschungslabore beliefert und stark in der molekularen Diagnostik engagiert ist. Zudem wäre es problematisch für Roche, die Aktivitäten von Qiagen in der Entwicklung von Begleitdiagnostika für andere Pharmafirmen weiterzuführen.Mehr: Zwei Umsatzwarnungen von Qiagen in einem Jahr alarmieren Investoren und Analysten. Sie zweifeln jetzt auch am Wachstums- und Jahresziel. Let's block ads! (Why?)
    Quelle: Handelsblatt SchlagzeilenPubliziert am 14-11-2019